Europol hat bei einer europaweiten Großoperation 24 industrielle Drogenlabore geschlossen. Ermittler stellten tonnenweise Chemikalien, Drogen und Giftmüll sicher. Das Netzwerk agierte international, betrieb Geldwäsche und soll Milliardengewinne erzielt haben.
Größter Einsatz gegen synthetische Drogen
Den Haag –
Europol hat gemeinsam mit Strafverfolgungs- und Justizbehörden aus mehreren EU-Staaten ein weitverzweigtes kriminelles Netzwerk zerschlagen, das synthetische Drogen in industriellem Maßstab herstellte.
Im Rahmen der Operation „Fabryka“ wurden 24 groß angelegte Drogenlabore geschlossen. Europol spricht vom größten Einsatz gegen synthetische Drogen in der Geschichte der Behörde.
Die Ermittlungen begannen 2024 nach Hinweisen der polnischen Polizei aus Niederschlesien und führten zur Bildung einer internationalen Ermittlungsgruppe unter Europol-Führung. Beteiligt waren Behörden aus Belgien, Deutschland, Tschechien, den Niederlanden, Polen und Spanien.
3.559 Kilogramm feste Drogen und 982 Liter flüssige Drogen wurden sichergestellt. (Bildquelle: Europol)
Zwischen Februar 2025 und Januar 2026 führten die Ermittler mehr als 20 Aktionstage durch. Der zentrale Zugriff erfolgte am 16. Januar 2026 mit koordinierten Einsätzen in Polen, Deutschland, Belgien und den Niederlanden. Europol richtete ein Koordinationszentrum in Den Haag ein und entsandte drei Experten nach Polen, um die Maßnahmen vor Ort zu unterstützen.
Am Aktionstag wurden 20 Verdächtige
festgenommen, darunter zwei sogenannte High Value Targets.
Insgesamt kam es zu 50 Durchsuchungen, vor allem in Polen, aber auch in Deutschland, Belgien und den Niederlanden. Sichergestellt wurden unter anderem neun Fahrzeuge, Immobilien im Wert von rund 2,5 Millionen Euro sowie eine Cannabis-Plantage mit über 2.000 Pflanzen.
Über 85 Personen wurden festgenommen, darunter auch sog. High Value Targets. (Bildquelle: Europol)
Über alle Aktionstage hinweg nahmen die Behörden 85 Tatverdächtige fest und führten über 100 Durchsuchungen durch. Ermittler identifizierten 50 Lieferstandorte, 16 Lagerstätten und schlossen 24 industrielle Drogenlabore.
Insgesamt stellten die Einsatzkräfte sicher:
- 3.559 Kilogramm feste Drogen
- 982 Liter flüssige Drogen
- darunter MDMA, Amphetamine, Cathinone und 4-CMC
- über 1.000 Tonnen chemische Vorläuferstoffe
- mehr als 120.000 Liter hochgiftigen Produktionsabfall
- Bargeld in Höhe von rund 500.000 Euro
Laut Europol hätten die beschlagnahmten Chemikalien zur Herstellung von über 300 Tonnen synthetischer Drogen ausgereicht.
Präsentation der Ergebnisse der Operation "Fabryka". (Bildquelle: Europol)
Organisierte Strukturen und Geldwäsche
Das Netzwerk verfügte über eine komplexe Organisationsstruktur. In Polen dienten mindestens sieben legale Unternehmen als Tarnfirmen für Import, Umverpackung und Verteilung der Chemikalien. Teilweise steuerten dieselben Gruppen sowohl die Lieferketten der Vorläuferstoffe als auch die Produktion in illegalen Laboren.
Die Hauptakteure waren überwiegend polnische Staatsangehörige, unterstützt von Beteiligten aus Belgien und den Niederlanden. Neben der Drogenproduktion betrieb das Netzwerk systematische Geldwäsche. Die kriminellen Aktivitäten sollen Milliardenerträge generiert haben, die in die legale Wirtschaft eingeschleust wurden.
Mehr als 120.000 Liter hochgiftiger Produktionsabfall wurde gefunden. (Bildquelle: Europol)
Chemikalien aus Asien – massive Umweltgefahr
Die verwendeten Chemikalien stammten überwiegend aus China und Indien und wurden über verschiedene EU-Staaten nach Europa eingeführt. In Polen erfolgten Umetikettierung und Weiterverteilung an illegale Labore in mehreren Ländern. Die importierten Mengen lagen laut Europol weit über dem Bedarf legaler Industriezweige.
Besonders schwer wiegen die Umwelt- und Gesundheitsgefahren: Bei der Herstellung synthetischer Drogen entstehen Abfallmengen, die fünf- bis dreißigmal höher sind als das Endprodukt.
Unsachgemäß entsorgter Giftmüll kann Böden, Gewässer und Grundwasser für Jahrzehnte schädigen und stellt eine akute Gefahr für Anwohner und Einsatzkräfte dar.
Die tschechische Polizei bei einer Durchsuchung. (Bildquelle: Europol)
EU-weite Strategie gegen synthetische Drogen
Operation Fabryka ist Teil einer Europol-Taskforce, die Ende 2024 zur Bekämpfung synthetischer Drogen eingerichtet wurde. Der EU Serious and Organised Crime Threat Assessment 2025 stuft die Produktion und den Handel mit synthetischen Drogen als stark wachsende Bedrohung ein und sieht die EU zunehmend als globalen Produktionsstandort.
Ergänzend dazu verabschiedete die Europäische Kommission im Dezember 2025 den EU-Aktionsplan gegen Drogenhandel 2026–2030, der synthetische Drogen und ihre Vorläuferstoffe als zentralen Schwerpunkt definiert.
Quelle der Polizeinachricht: Europol
Laut Europol hätten die beschlagnahmten Chemikalien zur Herstellung von über 300 Tonnen synthetischer Drogen ausgereicht. (Bildquelle: Europol)