Bei einer internationalen Operation am 25.03.2026 wurden europaweit 21 Personen im Zusammenhang mit Schleusernetzwerken festgenommen. Ermittler stellten Boote, Ausrüstung und Bargeld sicher. Die Aktion richtete sich gegen die Lieferketten für Schleusungen über den Ärmelkanal.
Lieferkette für kleine Boote gestört: 21 Festnahmen wegen Lieferung von nautischer Ausrüstung an Schleuser im Ärmelkanal
Die deutsche Polizei stellte bei koordinierten
Durchsuchungen von Objekten des Netzwerks 11 Boote, einen Motor und Reifenschläuche sicher.
Internationale Ermittlungen
Eine gemeinsame Untersuchung im Rahmen einer Europol-Taskforce führte zu einer erheblichen Störung der Lieferkette für Migrantenschleusungen entlang des Ärmelkanals. Die Operation ist das Ergebnis enger Zusammenarbeit von Strafverfolgungs- und Justizbehörden aus Belgien, Frankreich, Deutschland, den Niederlanden und dem Vereinigten Königreich, unterstützt durch Eurojust.
Das Netzwerk versorgte Schleuser mit Paketen, die alles für eine Schleusung enthielten. (Bildquelle: Europol)
Festnahmen und Durchsuchungen
Im Verlauf der Ermittlungen nahmen Behörden aus Belgien, Frankreich, Deutschland und den Niederlanden insgesamt 17 Personen fest, die dem kriminellen Netzwerk zugeordnet werden und logistische Aufgaben auf niedriger Ebene wahrnahmen. Am Aktionstag wurden zudem vier mutmaßliche Organisatoren syrischer Herkunft
festgenommen. Dem Netzwerk wird vorgeworfen, regelmäßig Lieferungen nautischer Ausrüstung organisiert zu haben.
Einsatz Bundespolizei EUROPOL (Bildquelle: Bundespolizeidirektion Sankt Augustin)
Ergebnisse vom 25. März:
- 14 durchsuchte Objekte (2 in Belgien, 12 in Deutschland)
- 4 sogenannte High Value Targets festgenommen
- Sichergestellt wurden u. a.: 11 Boote, 1 Motor, Kisten mit Reifenschläuchen, Schwimmwesten, Waffen, Goldbarren, über 30 elektronische Geräte sowie rund 60.000 Euro Bargeld
Organisation der Schleusungen
Die im Jahr 2025 gestarteten Ermittlungen richteten sich gegen ein kriminelles Netzwerk mit irakisch-kurdischen und syrischen Mitgliedern. Dieses belieferte Schleusernetzwerke, die gefährliche Überfahrten über den Ärmelkanal mit kleinen Schlauchbooten organisierten.
Einsatz Bundespolizei EUROPOL (Bildquelle: Bundespolizeidirektion Sankt Augustin)
Die Ausrüstung wurde in Asien hergestellt und über die Türkei auf dem See- und Landweg importiert, bevor sie in großen Mengen nach Deutschland gelangte. Dort wurde sie in vom Netzwerk kontrollierten Lagern gelagert. Anschließend wurden daraus komplette Schleuserpakete zusammengestellt, die von einer verbundenen Gruppe koordiniert wurden.
Bemerkenswert: Diese Pakete enthielten auch Reifenschläuche, die von Migranten während der Überfahrt anstelle richtiger Schwimmwesten verwendet werden sollten.
Ein solches Schleuserpaket hatte auf dem Schwarzmarkt einen Wert von über 10.000 Euro und umfasste u. a. ein Schlauchboot, einen Motor, Pumpen, Benzinkanister und Reifenschläuche.
Kriminelle Netzwerke in Nordfrankreich kauften diese Pakete in Deutschland oder ließen sie – gegen Aufpreis – direkt an die französische Küste liefern. Mit dieser Ausrüstung wurden Migranten über den Ärmelkanal geschleust, meist in minderwertigen Schlauchbooten. Viele der Betroffenen stammen aus dem Nahen Osten und Ostafrika.
Einsatz Bundespolizei EUROPOL (Bildquelle: Bundespolizeidirektion Sankt Augustin)
Hochprofitables kriminelles Geschäft
Im Jahr 2025 erreichten mehr als 41.000 Migranten und 670 Boote erfolgreich das Vereinigte Königreich. Über die Hälfte der Menschen stammte aus Eritrea, Afghanistan, Sudan, Iran und Somalia.
Die Todesgefahr bleibt erheblich: 31 Migranten kamen bei Schleusungsversuchen über den Ärmelkanal ums Leben.
Im Durchschnitt befanden sich 66 Personen in jedem Boot. Für die gefährliche Überfahrt zahlte ein Migrant zwischen 1.000 und 2.000 Euro.
Da die Schleuserpakete für 10.000 bis 20.000 Euro verkauft werden, können kriminelle Netzwerke pro Boot Einnahmen von bis zu 100.000 Euro erzielen.
Einsatz Bundespolizei EUROPOL (Bildquelle: Bundespolizeidirektion Sankt Augustin)
Bekämpfung krimineller Netzwerke im großen Maßstab
Migrantenschleusung ist eine schwere Form organisierter Kriminalität, die das Leben von Menschen gefährdet und die Sicherheit der EU untergräbt.
Kriminelle behandeln Menschen wie Ware – transportiert in Fischkuttern, Kofferräumen oder Kühltransportern. Schutzbedürftige Personen zahlen oft zehntausende Euro für diese riskanten Reisen. Gewalt ist inzwischen fester Bestandteil dieses Geschäftsmodells: Drohungen, Entführungen, Misshandlungen, sexualisierte Gewalt und Folter werden eingesetzt, um Lösegeld zu erpressen.
Mit seinem neuen Europäischen Zentrum zur Bekämpfung der Migrantenschleusung (ECAMS), gegründet im März 2026, intensiviert
Europol seine Maßnahmen gegen diese lebensgefährliche und oft unmenschliche Kriminalität.
Im Fokus stehen:
- Identifizierung und Priorisierung von Haupttätern
- Analyse krimineller Netzwerke
- Aufspüren, Einfrieren und Einziehen von Vermögenswerten über Grenzen hinweg
Durch die Störung finanzieller und logistischer Strukturen wird gezielt die Profitabilität dieser Netzwerke angegriffen.
Einsatz Bundespolizei EUROPOL (Bildquelle: Bundespolizeidirektion Sankt Augustin)
Operative Taskforces entlang der gesamten Schleuserkette
Schleusernetzwerke agieren weit über die EU hinaus. Europol stärkt daher die Zusammenarbeit mit Partnerstaaten und koordiniert operative Maßnahmen entlang der gesamten Routen.
Die aktuelle Untersuchung wurde im Rahmen einer neuen Taskforce durchgeführt, die 2025 eingerichtet wurde und Behörden aus Belgien, Frankreich, Deutschland, den Niederlanden und dem Vereinigten Königreich vereint. Ziel ist es, alle Ebenen der Schleuserstrukturen zu bekämpfen – insbesondere die zentralen Organisatoren.
Europol unterstützte die Ermittlungen durch:
- operative Koordination
- Organisation von Treffen
- Analyse und Austausch von Erkenntnissen
Am Einsatztag waren zwei Europol-Experten vor Ort, um deutsche Behörden zu unterstützen und Daten in Echtzeit mit Europol-Datenbanken abzugleichen.
Eurojust unterstützte die juristische Zusammenarbeit, u. a. durch Sicherstellung rechtlicher Instrumente wie Europäische Ermittlungsanordnungen und Haftbefehle.
Neues Europol-Zentrum stärkt Bekämpfung der Schleusung
Migrantenschleusung bleibt eine zentrale Bedrohung für die EU und erfordert koordinierte Maßnahmen entlang der gesamten Kette – von der Rekrutierung bis zu den Geldflüssen.
Europol arbeitet datenbasiert, unterstützt nationale Ermittlungen mit Analysen und koordiniert gemeinsame Operationen.
Zur Stärkung dieser Maßnahmen wurde im Dezember 2025 die EU-Verordnung 2025/2611 verabschiedet. Sie bildet die Grundlage für das neue Zentrum ECAMS, das im März 2026 eingerichtet wurde.
Dieses Zentrum verbessert den systematischen Informationsaustausch, stärkt die Expertise u. a. in Open-Source-Analysen (OSINT) und Finanzermittlungen und erhöht die operative Wirkung durch enge Zusammenarbeit mit Partnern wie Frontex, Eurojust und den Mitgliedstaaten.
Quelle der Polizeinachricht: Europol / beteiligte Strafverfolgungsbehörden