In der Nacht zum 03.01.2026 kam es in Berlin-Lichterfelde zu einem gezielten Brandanschlag auf eine Kabelbrücke mit kritischer Energieinfrastruktur. Ein Bekennerschreiben einer linksextremistischen Gruppierung wird derzeit ausgewertet.
In der Nacht zum Samstag, 03.01.2026, kam es zu einem Brandanschlag auf eine Kabelbrücke über den Teltowkanal im Bereich Bremer Straße/Görtzallee im Berliner Ortsteil Lichterfelde. Unbekannte Täter platzierten mehrere Brandsätze gezielt an einer oberirdischen Kabeltrasse mit kritischer Energieinfrastruktur.
Sachverhalt und technische Einordnung
Nach bisherigem Ermittlungsstand verübten die Täter in den frühen Morgenstunden einen koordinierten Sabotageakt auf eine Versorgungsbrücke, über die unter anderem das Gaskraftwerk Lichterfelde an das Stromnetz angebunden ist. Durch die Einwirkung der Brandsätze wurden insgesamt fünf Hochspannungskabel sowie zehn Mittelspannungskabel zerstört beziehungsweise schwer beschädigt.
Der Anschlag führte nicht zu einem Blackout im technischen Sinne, sondern zu einem gezielten Versorgungsausfall infolge vorsätzlicher Sabotage. Die betroffenen Stromkreise reagierten regelkonform durch Netztrennung. Eine Ausweitung auf weitere Netzebenen konnte nach aktuellem Kenntnisstand verhindert werden.
Karte der betroffenen Gebiete in Berlin. (Bildquelle: Feuerwehr Berlin)
Bekennerschreiben und ideologischer Hintergrund
Am Tag nach der Tat ging bei den Ermittlungsbehörden ein Bekennerschreiben ein, das von der sogenannten „Vulkangruppe“ unterzeichnet wurde. Das Schreiben wurde durch das Landeskriminalamt Berlin sowie den Staatsschutz geprüft und als authentisch sowie glaubhaft eingestuft.
Inhaltlich bezeichnet die Gruppierung den Anschlag als „Notwehrmaßnahme“ gegen die fossile Energiewirtschaft.
In dem Schreiben werden unter anderem folgende Aspekte thematisiert:
- Solidarität mit Umwelt- und Lebensschutzbewegungen
- Kritik am steigenden Energiebedarf von Hochtechnologien, insbesondere Künstlicher Intelligenz
- Ablehnung der Macht- und Einflussstrukturen großer Technologieunternehmen
- Ableitung eines revolutionären Handlungsmotivs gegen bestehende staatliche und wirtschaftliche Infrastrukturen
Darüber hinaus enthält das Schreiben indirekte Aufforderungen zur gegenseitigen Unterstützung innerhalb der Bevölkerung, insbesondere zur Hilfe für hilfsbedürftige Anwohner.
Bekennerschreiben der "Vulkangruppe". (Bildquelle: Internet)
Einordnung der Gruppierung „Vulkangruppe“
Bei der „Vulkangruppe“ handelt es sich um einen linksextremistischen Zusammenschluss, der seit dem Jahr 2011 im Raum Berlin-Brandenburg in Erscheinung tritt.
Nach Einschätzung der Verfassungsschutzbehörden ist die Gruppierung anarchistisch geprägt und verfügt über keine erkennbare formale Organisationsstruktur.
Der Gruppierung werden unter anderem folgende Taten zugeschrieben beziehungsweise zugeordnet:
- Mehrere Brandanschläge auf Kabelschächte, Funkmasten und Datenleitungen in Berlin und Brandenburg
- Angriffe auf die Stromversorgung des Tesla-Werks Grünheide in den Jahren 2021 und 2024
- Ein mutmaßlicher Anschlag auf den Technologiepark Adlershof im Jahr 2025, der bislang nicht abschließend aufgeklärt ist
Behördliche Bewertungen gehen davon aus, dass die Bekennerschreiben der vergangenen Jahre zumindest teilweise aus einem identischen oder eng verbundenen Autorenkreis stammen.
Konkrete Erkenntnisse zur Mitgliederstruktur oder zur Anzahl der Beteiligten liegen derzeit nicht vor.
Der Stromausfall wird voraussichtlich bis Donnerstag, 8.1.2026, andauern. (Bildquelle: Polizei Berlin)
Politische Bewertung und sicherheitsrelevante Einordnung
Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner (CDU), bezeichnete die Tat als „inakzeptablen Angriff auf das Stromnetz und auf Menschenleben“.
Die Berliner Innensenatorin Iris Spranger (SPD) sprach von einem „menschenverachtenden Angriff auf die Berliner Bevölkerung“.
Der Anschlag wird sicherheitsbehördlich als gezielter Angriff auf kritische Infrastruktur eingeordnet und hat erneut die Diskussion über die Verwundbarkeit zentraler Versorgungsnetze sowie über hybride und politisch motivierte Sabotagehandlungen ausgelöst.
Lagebesprechung des Krisen-Teams mit Bürgermeister Kai Wegener. (Bildquelle: Senatskanzlei Berlin)
Ermittlungsstand
Die Ermittlungen werden federführend durch den Staatsschutz des Landeskriminalamts Berlin geführt. Eine Einbindung weiterer Behörden, unter anderem Verfassungsschutz, Bundeskriminalamt, Netzbetreiber sowie Katastrophenschutz, erfolgt lage- und ermittlungsabhängig.
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt liegen keine gesicherten Erkenntnisse zur Täteranzahl, zur konkreten Vorbereitungshandlung oder zur Identität der Tatbeteiligten vor. Die Ermittlungen dauern an.
Polizei sucht Zeugen
Die Polizei bittet weiterhin um Hinweise aus der Bevölkerung. Gesucht werden Beobachtungen zu verdächtigen Personen, Fahrzeugen oder möglichen Tat- und Vorbereitungshandlungen im Bereich der Bremer Straße und der Kabelbrücke über den Teltowkanal.
Zeugenaufruf
Hinweise nimmt der Polizeiliche Staatsschutz in 12101 Berlin-Tempelhof, Tempelhofer Damm 12, unter der Telefonnummer 030 4664-952101, über die Internetwache der Polizei Berlin oder bei jeder anderen Polizeidienststelle entgegen.
Quelle der Polizeinachricht: Polizei Berlin Landeskriminalamt Berlin / Berliner Feuerwehr / Stromnetz Berlin / Senatskanzlei Berlin