Nach dem politisch motivierten Brandanschlag auf eine Kabelbrücke in Berlin-Lichterfelde sind weiterhin rund 30.000 Haushalte ohne Strom. Krankenhäuser, Pflegeheime und Einsatzkräfte arbeiten unter Hochdruck, um die Folgen abzumildern. Polizei und Feuerwehr bleiben im Dauereinsatz.
Brandanschlag auf Kabelbrücke legt Stromversorgung lahm
Seit dem Brandanschlag auf eine Kabelbrücke am 3. Januar 2026 ist die Stromversorgung im Berliner Südwesten massiv gestört. Der Anschlag traf eine Kabeltrasse am Teltowkanal (Bremer Straße/Görtzallee), die das Gaskraftwerk Lichterfelde versorgt.
Mehrere Hoch- und Mittelspannungskabel wurden durch gezielt platzierte Brandsätze zerstört. Die Ermittlungen führt der Staatsschutz beim Landeskriminalamt, ein Bekennerschreiben der linksextremen „Vulkangruppe“ wurde als authentisch eingestuft.
Karte der betroffenen Gebiete in Berlin. (Bildquelle: Feuerwehr Berlin)
Tausende Haushalte weiterhin ohne Strom
Rund 30.000 Haushalte und 500 Gewerbekunden sind weiterhin ohne Strom. Zwar wurden bereits 15.000 Haushalte und 1.700 Betriebe wieder angeschlossen, doch insbesondere in Lichterfelde dauern die Ausfälle an. Stromnetz Berlin rechnet mit einer vollständigen Wiederherstellung bis Donnerstag, 8. Januar. Der Austausch von Kunststoff-Öl-Kabeln erfordert Tiefbauarbeiten bei winterlichen Bedingungen.
Kliniken werden aktuell mit Notstrom-Aggregaten versorgt. (Bildquelle: Senatskanzlei Berlin)
Krankenhäuser und Pflegeheime unter Notversorgung
Krankenhäuser werden durch Notstromaggregate versorgt, größere Evakuierungen konnten bislang vermieden werden. In Pflegeheimen und bei alleinlebenden Hilfsbedürftigen leisten Feuerwehr und Hilfsorganisationen Hilfe. In der Nacht musste dennoch ein Pflegeheim im Waskensteig evakuiert werden.
Ein Pflegeheim musste evakuiert werden, da der Notstrom nur für 48 Stunden reichte. (Bildquelle: Senatskanzlei Berlin)
Hilfsmaßnahmen und Notunterkünfte
Die Berliner Feuerwehr hat in Zusammenarbeit mit dem Senat Notunterkünfte in Kirchen, Moscheen und Sporthallen eingerichtet. Essen und Wasser werden verteilt. Die Großschadenslage wurde ausgerufen, die Bundeswehr ist eingebunden. Der 112-Notruf ist nur eingeschränkt erreichbar, die Polizei ruft zu sparsamer Handynutzung und Nachbarschaftshilfe auf.
Verkehrsprobleme und Schulschließungen
Auch der Bahnverkehr ist betroffen: In Berlin-Wannsee fiel ein Stellwerk aus, was zu erheblichen Einschränkungen im S-Bahn- und Regionalverkehr führt. Schulen und Kitas in Steglitz-Zehlendorf bleiben vorerst geschlossen. An manchen Standorten wird Notbetreuung angeboten.
Lagebesprechung des Krisen-Teams mit Bürgermeister Kai Wegener. (Bildquelle: Senatskanzlei Berlin)
Unfälle und Sicherheitslage
In der Nacht zu Montag kam es an einer stromlosen Kreuzung in Nikolassee zu einem Verkehrsunfall – ein ziviles Polizeifahrzeug war beteiligt. Zudem wurde ein Einbruchsversuch an einem Discounter in der Potsdamer Chaussee festgestellt.
Großschadenslage ausgerufen
Senatorin Iris Spranger hat in Zusammenhang mit dem Stromausfall in Berlin die Großschadenslage ausgerufen. Das bedeutet: Das Ausrufen der Großschadenslage unterstützt bei der Inanspruchnahme Dritter.
Unterstützungskräfte können leichter herangezogen werden, wie z.B. Bundeswehr, Bundespolizei und Hilfsorganisationen, um den Betroffenen schnell und bestmöglich zu helfen.
Die Polizei ermittelt mit Hochdruck zur den Brandverursachern. (Bildquelle: Polizei Berlin)
Polizei bittet weiter um Hinweise
Die Polizei bittet weiterhin um Hinweise aus der Bevölkerung. Gesucht werden Beobachtungen zu verdächtigen Personen, Fahrzeugen oder möglichen Tat- und Vorbereitungshandlungen im Bereich der Bremer Straße und der Kabelbrücke über den Teltowkanal.
Zeugenaufruf
Hinweise nimmt der Polizeiliche Staatsschutz in 12101 Berlin-Tempelhof, Tempelhofer Damm 12, unter der Telefonnummer 030 4664-952101, über die Internetwache der Polizei Berlin oder bei jeder anderen Polizeidienststelle entgegen.
Quelle der Polizeinachricht: Polizei Berlin Landeskriminalamt Berlin / Berliner Feuerwehr / Stromnetz Berlin / Senatskanzlei Berlin