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Cold Case Cäcilia Lange (2003) – Ungeklärter Raubmord in Essen

Cold Case Cäcilia Lange (2003) – Ungeklärter Raubmord in Essen

21.01.2026 | 09:53

Redaktion Polizeiticker Deutschland

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Cold Case Cäcilia Lange (2003) – Ungeklärter Raubmord in Essen

Foto der getöteten Cäcilia Lange (78). (Bildquelle: Polizei Essen)

Der Mord an der 78-jährigen Cäcilia Lange aus Essen-Holsterhausen ist bis heute ungeklärt. Neue DNA-Erkenntnisse, ein möglicher Täterkreis und erneute Öffentlichkeitsfahndung geben mehr als 20 Jahre nach der Tat neue Hoffnung auf Aufklärung.

Tatort und Auffinden der Rentnerin

Die 78-jährige Cäcilia Lange lebte allein in einer kleinen Erdgeschosswohnung eines Mehrfamilienhauses in Essen-Holsterhausen.
Am Sonntag, dem 12. Oktober 2003 gegen 11:20 Uhr, entdeckte eine Mitarbeiterin ihres Pflegedienstes die Rentnerin leblos in der Wohnung. Die Pflegerin war über eine Leiter durch das stets gekippte Fenster eingestiegen, nachdem Frau Lange nicht auf Klingeln reagierte.
Im verwüsteten Wohnzimmer fand sie Cäcilia Lange in einer großen Blutlache auf dem Boden liegend. Hinweise auf einen natürlichen Tod gab es nicht – von Beginn an ging die Polizei von einem Gewaltverbrechen aus.
Rechtsmediziner datierten den Todeszeitpunkt auf den 10. Oktober 2003 (Freitag) und stellten fest, dass das Opfer durch stumpfe und scharfe Gewalt – auch gegen den Hals – getötet worden war.
Die alleinstehende Seniorin, die von Sozialhilfe lebte, war als starke Raucherin bekannt und beobachtete häufig von ihrem Fenster aus die Straße. Am Morgen des 10. Oktober war sie zuletzt lebend gesehen worden (durch eine Haushaltshilfe); gegen Mittag des Tages hörte ein Nachbar Schmerzensschreie aus ihrer Wohnung. Kurz darauf muss die Rentnerin dem Angriff erlegen sein.
Der oder die Täter durchwühlten offenbar die Wohnung auf der Suche nach Wertgegenständen. Nach der Auffindsituation musste von einem Raubmord ausgegangen werden.

Ermittlungen 2003: Zeugen und erste Verdachtsmomente

Die Mordkommission Essen (MK “Führich”) übernahm die Ermittlungen und sicherte Spuren am Tatort.
Schon früh ergab sich ein dringender Verdacht auf Trickbetrüger, die es auf die Seniorin abgesehen haben könnten. Nur wenige Tage vor der Tat hatte Cäcilia Lange gegenüber einer Pflegedienst-Mitarbeiterin von einem mysteriösen Teppichverkäufer berichtet, der sie in ihrer Wohnung bedrängt hatte.
Der Unbekannte und ein Komplize hätten die Rentnerin sogar zur Bank (Sparkasse) begleiten wollen, offenbar in der Absicht, sie dort zu einer Geldabhebung zu bewegen. Frau Lange ging jedoch nicht darauf ein und brach den vermeintlichen Kauf ab, ohne Geld herauszugeben.
Dieser Vorfall geschah etwa drei Tage vor Entdeckung der Leiche und geriet nun in den Fokus der Ermittler. Die zentrale Frage lautete: Kamen die Betrüger später zurück, um die alte Dame auszurauben? – Diese Vermutung stand von Anfang an im Raum.
Die Ermittler fanden am Tatort Spuren eines Kampfes und durchsuchter Schränke, was mit einem Raubmotiv in Einklang steht. Zudem fehlten nach ersten Feststellungen gewisse Wertgegenstände, was den Raubmord-Charakter untermauerte (Details dazu wurden aus ermittlungstaktischen Gründen zunächst zurückgehalten).
Cold Case Cäcilia Lange (2003) – Ungeklärter Raubmord in Essen

Foto der getöteten Cäcilia Lange (78). (Bildquelle: Polizei Essen)

Öffentlichkeitsfahndung und Zeugenaufrufe 2003

Abb.: Fahndungsplakat der Polizei Essen von 2003. Die Ermittler bitten um Mithilfe und suchen Zeugen im Mordfall Cäcilia Lange.
Um Hinweise zur Tat zu bekommen, wandte sich die Polizei Essen kurz nach dem Mord mit einem öffentlichen Zeugenaufruf an die Bevölkerung. Ein Fahndungsplakat mit dem Titel „Raubmord – Die Polizei bittet um Ihre Mithilfe“ wurde 2003 veröffentlicht.
Darauf wurde der Fall geschildert und gezielt nach Beobachtungen gefragt. Insbesondere interessierte die Ermittler ein beigefarbener Pkw mit Tuttlinger Kennzeichen (TUT-…), der zur Tatzeit in der Führichstraße gesehen worden war. Mehrere Zeugen hatten diesen Wagen in den Tagen um den 10. Oktober 2003 in Holsterhausen beobachtet.
Laut Fahndungsplakat soll das Auto mit zwei Männern besetzt gewesen sein, die möglicherweise Kontakt zum Opfer hatten.

Spur zu einer Tätergruppe: Trickbetrüger auf Tour

Die Nachforschungen ergaben einen konkreten Ermittlungsansatz: Das gesuchte beige Fahrzeug mit dem Tuttlinger Kennzeichen konnte einem damals 53-jährigen Mann zugeordnet werden.
Dieser Mann stammte aus Kaiserslautern und war den Behörden als Serientrickbetrüger bekannt, der bereits wegen betrügerischer Haustürgeschäfte verurteilt worden war.
Die Ermittlungen richteten sich daher auf eine Tätergruppe, die im Ruhrgebiet mit Eigentumsdelikten zum Nachteil älterer Menschen aufgefallen war.
Der beige Kombi – nach späteren Angaben ein Opel Kadett E Caravan – war Augenzeugen zufolge nicht nur in Essen-Holsterhausen, sondern möglicherweise auch bei ähnlich gelagerten Raubüberfällen in der Region gesichtet worden. So soll das gleiche Fahrzeug beispielsweise in Gelsenkirchen an einem Raubüberfall aufgetaucht sein.
Dieses Muster deutete auf mobile Täter hin, die systematisch Senioren mit Trickmethoden ausraubten. Der 53-Jährige aus Kaiserslautern geriet folglich unter dringenden Tatverdacht.
Allerdings konnte ihm trotz intensiver Ermittlungen keine direkte Tatbeteiligung nachgewiesen werden. Weder ließ sich ein Aufenthalt des Mannes in der Wohnung von Frau Lange beweisen, noch reichten die Indizien für eine Anklage.
Insbesondere ein Abgleich einer am Tatort gefundenen DNA-Spur mit dem Verdächtigen und seinen bekannten Komplizen verlief negativ – es gab also keine Übereinstimmung.
Mangels ausreichender Beweise und Treffer in Datenbanken blieb der Mord ungeklärt, und der Fall kühlte ab. Die Tätergruppe konnte zunächst nicht überführt werden, weshalb der Fall als Cold Case zu den Akten gelegt wurde.

Wiederaufnahme als Cold Case (ab 2024)

Mehr als 20 Jahre nach der Tat entschied die Polizei Essen, den ungelösten Mordfall Cäcilia Lange neu aufzurollen.
Im Jahr 2024 wurde eine spezielle Ermittlungsgruppe “Cold Cases” beim KK11 eingerichtet, um alte ungeklärte Tötungsdelikte erneut zu prüfen.
Unter Leitung von Kriminalhauptkommissar Dustin Wisnewski nahm man sich auch den Fall Lange noch einmal vor. Bereits im September 2024 wurde öffentlich bekanntgegeben, dass der Fall neu untersucht wird.
In diesem Zusammenhang veröffentlichte die Polizei Essen eine eigene Podcast-Folge über den Cold Case, um neue Hinweise aus der Bevölkerung zu generieren.
In der Podcast-Episode schildert KHK Wisnewski den Tathergang und die bisherigen Ermittlungsansätze. Außerdem wurden die vorhandenen Spuren und Beweismittel mit modernen kriminaltechnischen Methoden erneut analysiert.
Insbesondere rückten DNA-Spuren in den Fokus, die 2003 zwar gesichert, aber mit damaligen Mitteln nicht vollständig ausgewertet werden konnten.
So ließ die Polizei beispielsweise eine sogenannte Leichenfolie (eine Folie, in die der Leichnam am Tatort eingewickelt worden war) im Labor erneut untersuchen. Darauf fanden sich konservierte biologische Spuren – etwa Haare oder Hautschuppen – die nun mit neuesten DNA-Analyseverfahren auftypisiert werden konnten.
Diese moderne Untersuchung wurde in Zusammenarbeit mit der Rechtsmedizin Essen durchgeführt und sollte eventuell neue Täter-DNA zutage fördern. Die Hoffnung der Ermittler: Durch neue Technik könnte ein genetischer Fingerabdruck des Täters oder eines Beteiligten identifiziert werden, um den über 20 Jahre alten Mord doch noch aufzuklären.

Neue Erkenntnisse: DNA einer Frau am Tatort

Die Wiederaufnahme der forensischen Spurenauswertung zeigte tatsächlich neue Ergebnisse. Laut aktuellen Berichten wurden weitere DNA-Spuren isoliert, die damals übersehen oder nicht auswertbar waren.
Besonders brisant: Eine dieser Spuren stammt offenbar von einer Frau. Diese Erkenntnis deutet darauf hin, dass eine weibliche Person zur Tatzeit in der Wohnung von Cäcilia Lange anwesend war.
Bislang gingen die Ermittler vor allem von männlichen Tätern (den Teppichtrick-Betrügern) aus. Doch nun wird auch eine Frau als Täterin oder Komplizin in Betracht gezogen.
Unklar ist, ob diese Frau alleine handelte oder Teil der Tätergruppe war. Möglicherweise war sie bei dem Überfall anwesend und direkt an der Tötung beteiligt, oder sie half den Haupttätern (etwa als Ablenkung oder Tipgeberin).
Die neu isolierte DNA wurde durch das Bundeskriminalamt mit nationalen und internationalen Datenbanken abgeglichen – jedoch ist die mutmaßliche Täter-DNA bislang in keiner Datei registriert.
Auch der ehemals verdächtige 53-Jährige Mann aus Kaiserslautern wird durch die neuen DNA-Befunde entlastet, da keine seiner Spuren mit den Tatort-DNA-Profilen übereinstimmt.
Insgesamt erhärtet sich nun der Verdacht, dass eine bislang unbekannte Frau maßgeblich an dem Verbrechen beteiligt war. Diese neue Fährte verspricht einen möglichen Durchbruch, bedarf aber weiterer Hinweise, um die Identität der Frau und ihr Verhältnis zur Tätergruppe zu klären.
Die Polizei geht zudem davon aus, dass es mehrere Mitwisser geben könnte, die bislang geschwiegen haben.

Öffentlichkeitsfahndung 2024–2026: Podcast und „Aktenzeichen XY“

Um den Cold Case nach zwei Jahrzehnten doch noch zu lösen, setzt die Polizei Essen verstärkt auf Öffentlichkeit und Medien.
Im Herbst 2024 startete sie einen Aufruf via Krimi-Podcast „Pottcast Ungelöst“, in dem der Fall detailliert geschildert wurde.
Im Januar 2026 geht die Polizei nun noch einen Schritt weiter: Der Fall Cäcilia Lange wird in der ZDF-Fernsehsendung „Aktenzeichen XY… ungelöst“ einem Millionenpublikum präsentiert.
Am 21. Januar 2026 soll KOKin Vivienne Fischer vom Essener Cold-Case-Team den Fall live in der Sendung vorstellen. Ziel ist es, durch die TV-Ausstrahlung neue Hinweise von Zuschauerinnen und Zuschauern zu erhalten.
Die Erfahrung zeigt, dass Aktenzeichen XY in vielen Fällen den entscheidenden Anruf liefern kann, gerade bei lange zurückliegenden Taten.
Die Ermittler vermuten nun einen Zusammenhang mit einer Raubserie im Ruhrgebiet und halten auch eine weibliche Täterin für möglich ; zudem spielt der bereits erwähnte Opel Kadett E Kombi als wichtiges Indiz eine Rolle.

Ausblick: Neue Hoffnung nach 22 Jahren

Mehr als 22 Jahre nach dem brutalen Tod von Cäcilia Lange gibt es nun greifbare Hoffnung, den Fall doch noch zu lösen. Die Kombination aus modernen forensischen Methoden und öffentlicher Fahndung könnte den Durchbruch bringen.
Die Ermittler haben wertvolle neue DNA-Spuren, die zwar noch zu keiner bekannten Person führen, aber wertvolle Hinweise auf das Täterprofil liefern – insbesondere die Beteiligung einer Frau.
Mit der Ausstrahlung bei Aktenzeichen XY… ungelöst am 21. Januar 2026 erreicht der Fall ein Millionenpublikum, und die Polizei setzt große Erwartungen in die Zuschauerresonanz.
Oftmals melden sich nach solchen Sendungen Zeugen, die bisher unbekannte Beobachtungen beisteuern können, oder Personen, denen nach so langer Zeit doch noch etwas auffällt. Auch mögliche Mitwisser oder gar die Täter selbst könnten durch die öffentliche Fahndung unter Druck geraten und Fehler machen.
Der Fall Cäcilia Lange zeigt exemplarisch, dass Mord nicht verjährt und die Polizei auch nach zwei Jahrzehnten nicht aufgibt.
Mit neuen Technologien und der Unterstützung der Bevölkerung besteht realistische Hoffnung, diesen grausamen Mord an einer Rentnerin endgültig aufzuklären und den Verantwortlichen ihrer gerechten Strafe zuzuführen. Die Akten bleiben also offen, bis Gerechtigkeit für Cäcilia Lange erreicht ist.

Erneuter Zeugenaufruf 2026

Jeder noch so kleine Hinweis könnte entscheidend sein, sei es ein damaliger Beobachter des verdächtigen Wagens oder jemand aus dem Umfeld der Täter, der sein Schweigen bricht.
Die Polizei fragt daher:
  • Wer hat Frau Lange zwischen dem 10.10.2003 (Freitag) und dem 12.10.2003 gesehen?
  • Wer hat in diesem Zeitraum einen beigefarbenen Wagen mit TUT-Kennzeichen in Essen-Holsterhausen bemerkt?
  • Wer kann Angaben zu den Insassen machen?

Zeugenaufruf

Die Bevölkerung wird erneut gebeten, Hinweise zu Personen, Fahrzeugen oder auffälligen Vorkommnissen rund um den 10. Oktober 2003 mitzuteilen. Dafür sind nach wie vor die Telefonnummer 0201/829-0 sowie die E-Mail hinweise.essen@polizei.nrw.de geschaltet.

Cold Case Cäcilia Lange (2003) – Ungeklärter Raubmord in Essen

Fahndungsplakat aus dem Jahre 2003 mit Zeugenaufruf. (Bildquelle: Polizei Essen)

Quelle der Polizeimeldung: Polizei Essen

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