Im Mai 2001 wurden im Godelheimer See bei Höxter sterbliche Überreste einer jungen Frau entdeckt. Die Ermittler gehen von einem Tötungsdelikt aus, die Identität der Frau ist bis heute ungeklärt. Am 18.02.2026 wendet sich die Bielefelder Ermittlungsgruppe Cold Case erneut an die Öffentlichkeit.
Cold Case vom Godelheimer See
25 Jahre nach dem mutmaßlichen Tötungsdelikt im Godelheimer See bei Höxter wendet sich die Ermittlungsgruppe Cold Case des Polizeipräsidiums
Bielefeld erneut an die Öffentlichkeit.
Am 18.02.2026 wurde der Fall mit zusätzlichen Details und erstmals veröffentlichten Fotos des Fesselungsmaterials wieder offensiv aufgegriffen. Die Identität der jungen Frau, deren sterbliche Überreste 2001 gefunden wurden, ist bis heute ungeklärt.
Auffindesituation und Spurenlage
Im Mai 2001 entdeckten Ausbildungstaucher am Grund des Godelheimer Sees bei Höxter zufällig Teile eines stark verwesten weiblichen Leichnams. Der See ist Teil der Godelheimer Seenplatte und wird als Freizeit- und Badesee genutzt.
Trotz umfangreicher Suchmaßnahmen durch Polizeitaucher konnten lediglich Becken- und Beinknochen geborgen werden. Kopf und Oberkörper der Toten wurden nie gefunden.
Bereits drei Jahre zuvor, im Jahr 1998, hatte eine Sporttaucherin angegeben, eine
Leiche im See treiben gesehen zu haben. Eine damals eingeleitete großangelegte Suche blieb jedoch ohne Ergebnis. Ob ein Zusammenhang besteht, ist bis heute nicht abschließend geklärt.
Die Tote war im Bereich der Beine mit dieser Paket-Schnur gefesselt. (Bildquelle: Polizeipräsidium Bielefeld)
Ergebnisse der Obduktion
Bei der Obduktion stellten die Ermittler fest, dass die Knochen im Bereich der Knie beziehungsweise Oberschenkel mit einer beigefarbenen Paketschnur aus Polypropylen gefesselt waren.
Aufgrund dieser Fesselung schließen die Ermittler ein Unfallgeschehen oder einen Suizid weitgehend aus und gehen klar von einem Gewaltverbrechen aus. Die verwendete Schnur ist ein handelsübliches Massenprodukt, weshalb sich daraus bislang keine konkrete Täterspur ableiten ließ.
Im Februar 2026 veröffentlichte die Polizei erstmals Fotos dieses Materials, um mögliche Erinnerungen in der Bevölkerung zu wecken.
Zeitliche Einordnung und Liegezeit
Die rechtsmedizinischen Untersuchungen ergaben, dass der
Leichnam mindestens ein Jahr im Wasser gelegen haben muss, möglicherweise jedoch deutlich länger. Ein genauer Todeszeitpunkt konnte nicht bestimmt werden.
Nach Einschätzung der Ermittler kommt als Tatzeitraum grob die Mitte bis zweite Hälfte der 1990er-Jahre bis spätestens um das Jahr 2000 in Betracht. Wann genau der Leichnam in den See eingebracht wurde, bleibt weiterhin unklar.
Beschreibung des unbekannten Opfers
Trotz der eingeschränkten Spurenlage konnten durch DNA-Analysen und moderne forensische Zusatzgutachten zumindest ungefähre Merkmale rekonstruiert werden. Es handelt sich um eine junge Frau im Alter von etwa 18 bis 30 Jahren. Ihre Körpergröße wird auf ungefähr 160 bis 169 Zentimeter geschätzt.
Aus genetischen Untersuchungen ergeben sich Wahrscheinlichkeitsaussagen zum äußeren Erscheinungsbild: Demnach hatte die Getötete mit großer Wahrscheinlichkeit blaue Augen, helles Haar und einen blassen bis mittleren Hauttyp.
Ein Isotopengutachten deutet darauf hin, dass die Frau möglicherweise noch nicht lange in Deutschland gelebt hatte. Es bestehen Hinweise auf eine Herkunft oder längere Aufenthalte in Südosteuropa, etwa in der Slowakei, Südpolen, Rumänien oder Bulgarien. Ob sie sich nur vorübergehend im Raum Höxter aufhielt oder dort länger lebte, ist unbekannt.
Ermittlungsmaßnahmen seit 2001
Unmittelbar nach dem Fund im Jahr 2001 wurden umfangreiche Such- und Sicherungsmaßnahmen eingeleitet. Polizeitaucher durchkämmten den See erneut, um weitere Körperteile oder Gegenstände zu finden – jedoch ohne Erfolg. Die geborgenen Knochen wurden kriminaltechnisch untersucht und rechtsmedizinisch begutachtet.
Aus den sterblichen Überresten konnte ein DNA-Profil gewonnen werden. Dieses wurde im Laufe der Jahre mit fortschreitender Technik mehrfach weiterentwickelt und „auftypisiert“, um zusätzliche Aussagen zum möglichen Erscheinungsbild zu ermöglichen.
Ein Abgleich mit der DNA-Analyse-Datei des Bundeskriminalamts sowie mit nationalen und internationalen Vermisstendatenbanken – unter Einbeziehung von Interpol – brachte bislang keinen Treffer.
Mehrere Hinweise aus der Bevölkerung auf mögliche Identitäten wurden überprüft. In einigen Fällen erfolgten DNA-Vergleiche mit mutmaßlichen Angehörigen, doch auch diese führten zu keiner Übereinstimmung.
Aktueller Stand 2026 und erneuter Fahndungsaufruf
Die Ermittlungsgruppe Cold Case des Polizeipräsidiums Bielefeld hat nach eigenen Angaben alle derzeit zulässigen und technisch möglichen Maßnahmen zur Identifizierung ausgeschöpft. Dennoch konnte der Leichnam bis heute keiner konkreten Person zugeordnet werden.
Aus diesem Grund wurde der Fall am 18.02.2026 erneut öffentlich gemacht. Neben einer detaillierten Darstellung der bisherigen Erkenntnisse veröffentlichte die Polizei erstmals Fotos der verwendeten Paketschnur. Ziel ist es, neue Hinweise zu erhalten, die entweder zur Identifizierung des Opfers oder zur Aufklärung der Tat führen.
Offene Fragen der Ermittler
**Die Polizei sucht weiterhin Antworten auf zentrale Fragen: **
Wer kennt eine junge Frau im Alter zwischen 18 und 30 Jahren, etwa 1,60 bis 1,69 Meter groß, mit hellem Haar und blassem bis mittlerem Hauttyp, die sich Mitte der 1990er-Jahre im Raum Höxter aufgehalten hat und anschließend spurlos verschwand?
Stammt die Frau tatsächlich aus einem südosteuropäischen Land und hielt sich möglicherweise nur vorübergehend in Deutschland auf?
Zudem fragen die Ermittler, ob jemand im Laufe der Jahre von einer Tat im Zusammenhang mit einer gefesselten Frau im Godelheimer See gehört hat oder entsprechende Andeutungen wahrgenommen hat.
Ebenso bleibt ungeklärt, warum offenbar kein passender Vermisstenfall registriert wurde oder weshalb niemand offiziell nach der Frau suchte.
Zeugenaufruf
Hinweise nimmt das Polizeipräsidium Bielefeld, Ermittlungsgruppe Cold Case, unter der Telefonnummer 0521/545-0 entgegen.
Auch 25 Jahre nach dem Fund ist der Fall nicht abgeschlossen. Mit dem erneuten öffentlichen Aufruf im Februar 2026 hoffen die Ermittler, dass sich doch noch ein entscheidender Hinweis findet, der das Schicksal der unbekannten jungen Frau klärt und das mutmaßliche Tötungsdelikt aufklärt.
Quelle der Polizeinachricht: Polizei Bielefeld