CSD Berlin – Zustand der Verletzten und Ermittlungen zum Anschlag
Redaktion Polizeiticker Deutschland
Nach dem mutmaßlich islamistisch motivierten Anschlag beim Berliner CSD laufen die Ermittlungen weiter auf Hochtouren. Die Schwerverletzten befinden sich auf dem Weg der Besserung. Die Bundesanwaltschaft prüft weiterhin das Motiv, mögliche Komplizen und den genauen Tatablauf.
Nach dem mutmaßlich islamistisch motivierten Anschlag im Umfeld des Christopher Street Day (CSD) in Berlin laufen die Ermittlungen der Bundesanwaltschaft und der Sicherheitsbehörden weiter auf Hochtouren. Während sich der Gesundheitszustand der Schwerverletzten inzwischen verbessert, sind zentrale Fragen zum Tatablauf, möglichen Mittätern und dem Motiv weiterhin ungeklärt.
Zustand der Verletzten verbessert sich
Bei dem Anschlag kamen eine Frau ums Leben, 29 Menschen wurden verletzt. Nach Angaben der Berliner Charité wurden acht Verletzte in der Klinik behandelt, vier von ihnen konnten bereits am Sonntag wieder entlassen werden.
Die übrigen vier Patienten mussten teilweise notoperiert und intensivmedizinisch versorgt werden. Nach aktuellem Stand hat sich ihr Zustand stabilisiert. Drei der Schwerverletzten konnten inzwischen von der Intensiv- auf eine Normalstation verlegt werden. Ein weiterer Patient wird weiterhin intensivmedizinisch behandelt, befindet sich nach Angaben der Klinik jedoch ebenfalls auf dem Weg der Besserung. Die Verletzungen bestehen überwiegend aus Stichverletzungen, teilweise kamen Knochenbrüche infolge der Kollision mit dem Fahrzeug hinzu.
Bundesanwaltschaft führt die Ermittlungen
Die Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen übernommen, nachdem der Anschlag als mutmaßlich islamistisch motivierte Terrortat eingestuft worden war. Gemeinsam mit dem Bundeskriminalamt und den Berliner Ermittlungsbehörden wird der gesamte Tatablauf rekonstruiert.
Im Fokus steht die Frage, wie der Anschlag vorbereitet wurde und ob die Fahrt mit dem Transporter sowie die anschließenden Angriffe mit einer Stichwaffe Teil eines zuvor geplanten Tatkonzepts waren. Zudem untersuchen die Ermittler das Motiv des Täters sowie mögliche Verbindungen in die islamistische Szene, der der 21-Jährige bereits vor der Tat zugerechnet worden war.
Suche nach Helfern und Unterstützern
Ein weiterer Schwerpunkt der Ermittlungen ist die Frage, ob Abdul B. tatsächlich allein handelte oder Unterstützung erhielt. Obwohl bislang kein weiterer Tatverdächtiger offiziell bestätigt wurde, prüfen die Ermittler weiterhin Hinweise auf mögliche Helfer oder Kontaktpersonen.
Hierfür werden Kommunikationsdaten, Mobilfunk- und Bewegungsdaten sowie digitale Speichermedien ausgewertet. Gleichzeitig sichern Spezialisten kriminaltechnische Spuren am Tatfahrzeug und an den Tatorten, untersuchen DNA- und Fingerabdruckspuren und analysieren umfangreiches Videomaterial sowie zahlreiche Zeugenaussagen.
Nach dem Tod des mutmaßlichen Haupttäters konzentrieren sich die Ermittlungen zunehmend auf dessen Umfeld, eine mögliche Radikalisierung sowie die Vorbereitung des Anschlags.
Keine bestätigten Komplizen
Obwohl unmittelbar nach der Tat mehrere Personen überprüft und zeitweise in Gewahrsam genommen wurden, gibt es nach aktuellem Stand keine öffentlich bestätigte Festnahme eines Mittäters.
Die Ermittler halten die Möglichkeit weiterer Tatbeteiligter weiterhin für eine Arbeitshypothese. Insbesondere wird geprüft, ob sich neben dem Hauptverdächtigen eine weitere Person im oder am Tatfahrzeug befand oder den Anschlag in anderer Weise unterstützte. Ein belastbarer Tatnachweis gegen eine weitere Person liegt bislang jedoch nicht vor.
Hauptverdächtiger bei Polizeieinsatz gestorben
Der öffentlich gesuchte Hauptverdächtige Abdul B. war am Sonntagabend nach einer groß angelegten Fahndung in einer Kleingartenanlage in Berlin-Spandau vom SEK Berlin lokalisiert worden.
Nach Angaben der Polizei lief der 21-Jährige mit einer Stichwaffe auf die Einsatzkräfte zu. Daraufhin kam es zum polizeilichen Schusswaffengebrauch. Trotz sofort eingeleiteter Reanimationsmaßnahmen durch die Berliner Feuerwehr verstarb der Mann noch am Einsatzort.
Zahlreiche Fragen bleiben offen
Trotz des Todes des mutmaßlichen Haupttäters ist der Fall noch lange nicht abgeschlossen. Die Ermittler wollen unter anderem klären, ob der Anschlag vollständig als Einzeltat zu bewerten ist oder weitere Personen daran beteiligt waren.
Ebenso wird untersucht, wem das Tatfahrzeug gehörte, welche Rolle die mutmaßlich eingesetzte Stichwaffe spielte und ob Videoaufnahmen oder digitale Spuren weitere Erkenntnisse zur Vorbereitung und Durchführung des Anschlags liefern.
Die Bundesanwaltschaft geht derzeit davon aus, dass die umfassende Auswertung der Beweise und die vollständige Rekonstruktion des Tatgeschehens noch einige Zeit in Anspruch nehmen werden.