Dormagen – Erneut selbstgebaute Raketen an Umspannwerk entdeckt
Redaktion Polizeiticker Deutschland
An einem Umspannwerk in Dormagen-Gohr sind nach den vorliegenden Informationen mehrere Abschussvorrichtungen für selbstgebaute Flugkörper entdeckt worden. Ein Spaziergänger fand die verdächtigen Gegenstände am Donnerstagabend und verständigte die Polizei.
Bei dem Vorfall in Dormagen handelt es sich um einen versuchten Sabotageakt auf ein Umspannwerk im Stadtteil Gohr, bei dem Abschussvorrichtungen für selbstgebaute Raketen gefunden wurden.
Ein Spaziergänger entdeckte die Gegenstände am Donnerstagabend, 3. September 2026, gegen 18:15 Uhr nahe dem Umspannwerk und alarmierte die Polizei.
Die Polizei rückte mit mehreren Streifenwagen an, sperrte das Areal ab und sicherte die Fundstücke. Der Einsatz dauerte bis tief in die Nacht.
Zeitschaltuhren und Kupferdrähte entdeckt
Ermittler fanden Abschussvorrichtungen für selbstgebaute Raketen, an denen Zeitschaltuhren und Kupferdrähte befestigt waren.
Ziel war offenbar, leitfähiges Material beziehungsweise Draht auf Höchstspannungsleitungen zu schießen und dadurch einen Kurzschluss auszulösen.
Bislang wurden keine Beschädigungen an der Anlage festgestellt. Es kam auch zu keinem Stromausfall.
Polizei geht von geplantem Sabotagedelikt aus
Die Polizei Köln geht von einem geplanten Sabotagedelikt aus. Den Ermittlern liegt ein Bekennerschreiben vor, in dem weitere Verdachtsfälle in Nordrhein-Westfalen und Brandenburg erwähnt werden.
Die Polizei fahndet nach einem Mann aus dem Raum Gevelsberg im Ennepe-Ruhr-Kreis, der ein Bekennerschreiben verfasst haben soll.
In dem Schreiben nennt der Verfasser weitere mögliche Tatorte, darunter Umspannwerke in Weisweiler in der Städteregion Aachen und im Raum Dormagen.
Verfasser richtet sich gegen fossile Energieindustrie
Als Motiv nennt der Verfasser demnach seinen Widerstand gegen die fossile Energieindustrie. Er begründet die Taten mit dem „unermesslichen Leid“, das durch die Nutzung fossiler Brennstoffe verursacht werde.
Ein ähnliches Bekennerschreiben war zuvor bereits im Zusammenhang mit dem Vorfall in Brandenburg aufgetaucht.
Die Polizei prüft, ob das Bekennerschreiben authentisch ist und ob ein Zusammenhang mit den Angriffen beziehungsweise Sabotageversuchen in Bergheim und Brandenburg besteht.
Weitere Vorfälle an Umspannwerken
Der Vorfall in Dormagen reiht sich in mehrere Verdachtsfälle an Umspannwerken ein.
Am 1. September 2026 wurden an einem Umspannwerk in Bergheim im Rhein-Erft-Kreis mehrere Abschussvorrichtungen für pyrotechnische Gegenstände gefunden. Dort kam es zu einem Kurzschluss.
Ebenfalls am 1. September wurden bei Jänschwalde in Brandenburg zahlreiche Vorrichtungen entdeckt, mit denen leitfähiges Material auf Höchstspannungsleitungen geschossen werden sollte.
Brandenburgs Innenminister Jan Redmann sprach von Anzeichen dafür, dass die Attacken Teil eines koordinierten Angriffs auf die Energieversorgung sein könnten. Ermittlungen laufen unter anderem wegen des Verdachts der verfassungsfeindlichen Sabotage.
Weitere Umspannwerke werden überprüft
Im Zuge der Ermittlungen überprüften Einsatzkräfte weitere Umspannwerke in umliegenden Regionen auf verdächtige Gegenstände.
Zudem fahndet die Polizei nach dem Mann aus dem Raum Gevelsberg und wertet Hinweise aus der Bevölkerung aus.
Die Vorfälle haben auch die Diskussion über den Schutz kritischer Infrastruktur und insbesondere von Anlagen der Energieversorgung verstärkt.
Quelle der Polizeinachricht: Polizei Köln