Ein international organisiertes Schleusernetzwerk, das Migranten von Türkiye über Bulgarien nach Westeuropa brachte, ist zerschlagen worden. Bei einer koordinierten Aktion wurden 16 Personen festgenommen. Die Ermittlungen wurden von Bulgarien geführt und von Europol unterstützt.
Grossangelegte Ermittlungen mit internationaler Zusammenarbeit
Eine von Bulgarien geleitete Untersuchung hat zur Zerschlagung eines organisierten kriminellen Netzwerks geführt, das sich auf den
Schmuggel von Migranten von Türkiye über Bulgarien und weiter via Serbien oder Rumänien in westeuropäische Länder spezialisiert hatte.
Die Ermittlungen erfolgten in enger Zusammenarbeit mit der griechischen Polizei und mit operativer Unterstützung von
Europol.
Sie wurden im Rahmen einer regionalen operativen Taskforce durchgeführt, die gezielt Schleusernetzwerke bekämpft, welche Bulgarien als Transitland nutzen.
Bei einer koordinierten Aktion in Bulgarien wurden mehrere Standorte durchsucht und 16 Personen festgenommen. (Bildquelle: Europol)
Am Aktionstag kam es zu:
- 16 Festnahmen
- Durchsuchungen an sechs Standorten
- Sicherstellungen von Mobiltelefonen, administrativen Unterlagen, Fahrzeugdokumenten, Buchhaltungsheften und weiteren Beweismitteln
Die Aktion wurde von bulgarischen Behörden geführt und durch Europol sowie die griechische Polizei unterstützt. (Bildquelle: Europol)
Pyramidenartig organisiertes Schleusernetzwerk
Das Netzwerk war pyramidenartig aufgebaut, wobei die Mitglieder unterschiedliche Rollen übernahmen. Der Kern der Organisation befand sich in Sofia und bestand hauptsächlich aus bulgarischen und syrischen Staatsangehörigen.
Diese koordinierten den Transit durch Bulgarien und standen in engem Kontakt mit kriminellen Netzwerken in benachbarten Ländern.
Die Bezahlung der Schleusungsdienste wurde bereits vor der Abreise geregelt. Migranten mussten in Türkiye über sogenannte Hawala-Büros eine Anzahlung leisten, bevor sie ihre Reise antraten.
Im Rahmen der Ermittlungen stellten die Behörden unter anderem Mobiltelefone, Dokumente und Buchhaltungsunterlagen sicher. (Bildquelle: Europol)
Ablauf der Schleusungen
Nach der Rekrutierung in Türkiye wurden die Migranten über die südliche bulgarische «grüne Grenze» geschleust und zu vorab definierten Treffpunkten geführt. Von dort transportierten Fahrer die
Personen mit Autos oder Bussen nach Sofia.
Ein Teil der Migranten wurde vorübergehend in sogenannten Safe Houses in und um Sofia untergebracht, bevor sie weiter zur bulgarisch-serbischen oder bulgarisch-rumänischen Grenze gebracht wurden.
In einzelnen Fällen erfolgte der Weitertransport direkt an die Grenze ohne Zwischenunterkunft.
Rolle von Europol und neue EU-Strukturen
Europol führte eine umfassende operative Analyse durch, identifizierte Zielpersonen und kartierte die kriminellen Aktivitäten. Ein Europol-Experte wurde nach Sofia entsandt und unterstützte die nationalen Behörden am Aktionstag mit Echtzeit-Abgleichen in Europol-Datenbanken.
Seit der Einrichtung der operativen Taskforce im September 2023 unterstützt Europol die bulgarisch geführten Ermittlungen kontinuierlich mit Analyse, Koordination und operativen Treffen.
Der Einsatz unterstreicht die Bedeutung der neuen EU-Verordnung 2025/2611, mit der im Dezember 2025 das Europäische Zentrum zur Bekämpfung der Migrantenschleusung (ECAMS) geschaffen wurde.
Ziel ist eine verbesserte Zusammenarbeit, der systematische Informationsaustausch sowie eine stärkere Fokussierung auf Finanzermittlungen und OSINT-Analysen.
Das zerschlagene Netzwerk schleuste Migranten von Türkiye über Bulgarien weiter Richtung Westeuropa. (Bildquelle: Europol)
Beteiligte Behörden
An der Aktion beteiligt waren:
Bulgarien: Generaldirektion zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität, Grenzpolizei, Polizeidirektion Sofia sowie die Staatsanwaltschaft Sofia
Griechenland: Griechische Polizei
Quelle der Polizeinachricht: Europol