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Europol – 24 Festnahmen bei Schlag gegen Schleusernetzwerk

15.04.2026 | 09:15

Redaktion Polizeiticker Deutschland

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Europol – 24 Festnahmen bei Schlag gegen Schleusernetzwerk

Überwachungsfoto des Schleusernetzwerkes bei der Aufnahme von Menschen. (Bildquelle: Europol)

Bei einem internationalen Einsatz wurden im März 2026 insgesamt 24 Personen festgenommen. Das Netzwerk schleuste Migranten über das Mittelmeer und war auch in andere schwere Straftaten verwickelt.

Schlag gegen Schleusernetzwerk mit Schnellbooten

Das kriminelle Netzwerk wurde im Rahmen einer neuen Europol-Taskforce untersucht, die sich auf Schleusungskriminalität im westlichen Mittelmeerraum konzentriert.
Am 22. und 23. März 2026 führte eine von Spanien geleitete Ermittlung unter Beteiligung Frankreichs und mit Unterstützung von Europol zur Zerschlagung eines Schleusernetzwerks, das im westlichen Mittelmeerraum aktiv war und auch logistische Unterstützung für andere Netzwerke in der Region leistete.
Die weitreichende und international vernetzte Struktur ermöglichte verschiedene kriminelle Aktivitäten, darunter Drogenhandel, Waffenhandel und Geldwäsche – mit dem Ziel, Gewinne zu maximieren und gleichzeitig das Leben von Migranten bei gefährlichen Seetransporten zu riskieren.

Präsenz in Spanien

Die Verdächtigen – algerische, marokkanische und spanische Staatsangehörige – hielten eine starke Präsenz in Almería (Spanien) aufrecht. Von dort aus war die Organisation mit weiteren kriminellen Gruppen und Zellen verbunden, insbesondere in Frankreich (Marseille und Perpignan) sowie in La Jonquera (Spanien).
Diese Verbindungen ermöglichten eine stabile logistische Struktur, einschließlich Unterkünften und Transportmöglichkeiten für in die EU geschleuste Migranten. Das Netzwerk kontrollierte unter anderem Industriegebäude, Schnellboote, Freizeitboote, Fahrzeuge für Landtransporte, Bootswerkstätten sowie Betankungssysteme.

Schleuserrouten

Die Hauptschleusungsroute verlief über Schnell- und Freizeitboote, mit denen Migranten von Algerien an die spanischen Küsten von Almería, Murcia und die Balearen gebracht wurden. Die Boote wurden in Spanien gelagert und bei Bedarf eingesetzt, häufig mit leistungsstarken Motoren, die von Netzwerkmitgliedern in Frankreich bereitgestellt wurden. Nach der Überfahrt wurden die Migranten über Land weiter nach Frankreich und in andere westeuropäische Länder geschleust.

Ergebnisse der Maßnahmen:

Im Zuge der Maßnahmen wurden 24 Personen spanischer und marokkanischer Staatsangehörigkeit festgenommen, darunter ein Hauptakteur, der als High-Value-Target gilt, zudem fanden 14 Hausdurchsuchungen in Spanien statt.
Sicherstellungen:
  • Schnellboote (Phantom-Typ), Schlauch- und Freizeitboote, hochwertige Fahrzeuge, Lkw- und Bootstrailer
  • 1.100 kg Shisha-Tabak
  • 1.175 Liter Kraftstoff (47 Kanister)
  • 6 Satellitentelefone
  • Außenbordmotoren (30–40 PS)
  • Garmin-Marine-GPS-Geräte
  • Signalstörsender
  • Luftdruck- und Schrotwaffen
  • Über 80.000 Euro Bargeld
  • Mobile Werkstätten auf Anhängern zur schnellen Bootsreparatur
Das Netzwerk war klar strukturiert, mit spezialisierten Rollen für einzelne Mitglieder – etwa für den Einkauf, die Verteilung von Hochleistungsmotoren oder für Gegenüberwachungsmaßnahmen zur Erkennung von Polizeieinsätzen.
Zudem nutzten die Täter mobile Werkstätten, die auf Anhängern installiert waren, um Reparaturen direkt vor Ort durchzuführen. Dieses Vorgehen ermöglichte schnellere Abläufe und reduzierte Ausfallzeiten.

Erhöhtes Risiko bei Überfahrten

Der Einsatz leistungsstarker halbstarrer Boote beschleunigte die Überfahrten über das Mittelmeer, erhöhte jedoch gleichzeitig das Risiko für die Migranten erheblich – insbesondere durch Überladung und gefährliche Bedingungen auf See. Ermittler stellten außerdem fest, dass das Netzwerk auch andere kriminelle Organisationen mit Motoren belieferte und Gegenüberwachungsdienste anbot, um Strafverfolgung zu umgehen.

Unterstützung durch neue Europol-Taskforce

Die Ermittlungen sind Teil einer neu eingerichteten operativen Taskforce bei Europol, die gemeinsam von Spanien und Frankreich aufgebaut wurde und gezielt gegen Schleusernetzwerke im westlichen Mittelmeer vorgeht.
Europol unterstützte den Einsatz durch Koordination, Analyse und den Austausch von Informationen. Für den Aktionstag wurde ein Experte nach Spanien entsandt, um operative Daten in Echtzeit mit Europol-Datenbanken abzugleichen und neue Ermittlungsansätze zu generieren.

Beteiligte Behörden:

  • Frankreich: Nationale Polizei (Police Nationale) / OLTIM (Bekämpfung illegaler Schleusung)
  • Spanien: Nationale Polizei (Policía Nacional) / UCRIF (Einheit gegen Schleusernetzwerke und Dokumentenfälschung)

Neues Europol-Zentrum gegen Schleusungskriminalität

Schleusung bleibt eine der zentralen Bedrohungen für die EU und erfordert koordinierte Maßnahmen entlang der gesamten kriminellen Kette. Europol unterstützt Ermittlungen durch datenbasierte Analysen, Koordination und internationale Zusammenarbeit.
Zur weiteren Stärkung wurde im Dezember 2025 die Verordnung (EU) 2025/2611 verabschiedet. Im März 2026 folgte die Einrichtung des Europäischen Zentrums gegen Schleusungskriminalität (ECAMS) bei Europol. Ziel ist ein verbesserter Informationsaustausch, stärkere operative Zusammenarbeit sowie der Ausbau von Kompetenzen in Bereichen wie OSINT und Finanzermittlungen.
Quelle der Nachricht: Europol

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