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Europol – 27 Festnahmen bei Razzien gegen Menschenhandel

Redaktion Polizeiticker Deutschland

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Mehrere Personen sitzen in einem Restaurant, während Arbeitsinspekteure an einem Tisch Notizen machen.
Restaurant in den Niederlanden durchsucht (Bildquelle: Europol)

Bei einer grossangelegten Aktion gegen Menschenhandel und Arbeitsausbeutung haben Behörden in 34 Ländern insgesamt 27 Verdächtige festgenommen und 248 mutmassliche Opfer identifiziert. Wie Europol am Freitag, 23. Oktober 2026, mitteilte, waren mehr als 16'000 Einsatzkräfte beteiligt.

Die gemeinsame Kontrollwoche von Europol und der Europäischen Arbeitsbehörde (ELA) fand vom 14. bis 20. September 2026 statt. Im Mittelpunkt standen Branchen, in denen Menschen besonders häufig ausgebeutet werden, darunter die Landwirtschaft, das Baugewerbe, die Gastronomie sowie Nagelstudios und Massagesalons.
Insgesamt kontrollierten die Behörden rund 137'810 Personen, Örtlichkeiten, Fahrzeuge und Dokumente. Dabei wurden 248 potenzielle Opfer von Menschenhandel identifiziert, überwiegend aus Vietnam, China, Indien und den Philippinen.
Die Ermittler nahmen 27 mutmassliche Menschenhändler fest. Weitere 86 Personen wurden wegen anderer Delikte festgenommen, darunter illegale Beschäftigung und Straftaten im Zusammenhang mit Prostitution. Zudem leiteten die Behörden 182 neue Ermittlungsverfahren wegen Menschenhandels ein.

Deutschland: 63 mögliche Opfer entdeckt

In Deutschland identifizierten die Behörden 63 mutmassliche Opfer, hauptsächlich vietnamesischer und chinesischer Herkunft. Die Betroffenen arbeiteten unter anderem in der Gastronomie und in Nagelstudios.
Die Ermittler stellten Hinweise auf Unterbezahlung, illegale Beschäftigung und Einschränkungen der persönlichen Freiheit fest.
Auch in anderen Ländern deckten die Behörden schwere Fälle mutmasslicher Ausbeutung auf.
Auf Zypern wurde ein Arbeiter auf einem Viehzuchtbetrieb entdeckt, der täglich zehn Stunden ohne Bezahlung und freie Tage arbeiten musste. Sein Reisepass war einbehalten worden. Zudem lebte er unter menschenunwürdigen Bedingungen.
In Rumänien wurden unter anderem Minderjährige mit falschen Versprechen auf gut bezahlte Arbeit in der Landwirtschaft angeworben. Stattdessen mussten sie teilweise mehr als zwölf Stunden täglich ohne Lohn arbeiten.

Menschenhandel in Restaurants: Millionenprofite

In den Niederlanden deckten Ermittler ein mutmassliches Menschenhandelsnetzwerk auf, das mehr als 70 indische Staatsangehörige in Restaurants in fünf EU-Ländern ausgebeutet haben soll.
Die Betroffenen mussten lange Arbeitszeiten leisten, erhielten zu wenig Lohn und wurden bedroht. Das Netzwerk soll dadurch mindestens vier Millionen Euro erwirtschaftet haben.
Bei koordinierten Durchsuchungen wurden zwei Verdächtige festgenommen.

Auch Minderjährige unter den Opfern

Nach Angaben von Europol waren 73 Prozent der identifizierten potenziellen Opfer männlich. Besonders häufig wurden sie im Baugewerbe, in der Gastronomie und in der Landwirtschaft ausgebeutet.
Frauen waren vor allem in Nagelstudios und Massagesalons betroffen.
Rund fünf Prozent der potenziellen Opfer waren minderjährig. Sie wurden unter anderem zur Bettelei, zu sexuellen Handlungen oder zur Arbeit auf Baustellen gezwungen.

Mehr als 16'000 Einsatzkräfte beteiligt

An der internationalen Aktion beteiligten sich 16'031 Einsatzkräfte aus Polizei, Grenzschutz, Arbeitsinspektionen, Sozialversicherungsbehörden und Steuerverwaltungen.
Europol unterstützte die Ermittlungen durch Informationsaustausch, Analysen und die Koordination grenzüberschreitender Einsätze. Die Europäische Arbeitsbehörde organisierte und unterstützte 18 gemeinsame beziehungsweise koordinierte Kontrollen.
Die Behörden betonen, dass Arbeitsausbeutung häufig hinter vermeintlich gewöhnlichen Verstössen gegen das Arbeitsrecht verborgen bleibt. Durch die engere Zusammenarbeit sollen organisierte Menschenhandelsnetzwerke künftig schneller erkannt und bekämpft werden.
Quelle der Polizeinachricht: Europol

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