Bei einer europaweiten Aktion am 30.03.2026 zerschlugen Ermittler ein vietnamesisches Schleusernetzwerk. Die Täter organisierten Flüge über Ungarn und Frankreich bis zur Überfahrt nach Großbritannien und erzielten Millionenbeträge. Acht Personen wurden festgenommen.
Am 30.03.2026 führte eine koordinierte, international abgestimmte und von Frankreich geleitete Operation – unterstützt von
Europol sowie unter Beteiligung von Strafverfolgungs- und Justizbehörden aus Deutschland und Ungarn – zur Zerschlagung eines vietnamesischen Schleusernetzwerks.
Die kriminelle Organisation war in mehreren europäischen Ländern aktiv, wobei das Vereinigte Königreich das Endziel der geschleusten Migranten war. Solche Netzwerke verbinden Akteure in Herkunftsländern, Transitregionen und Zielländern und erzielen dabei erhebliche illegale Gewinne.
Polizeikräfte durchsuchen Innenräume und stellen Dokumente sowie Datenträger sicher. (Bildquelle: Europol)
Struktur und Vorgehensweise des Netzwerks
Das gut strukturierte Netzwerk bewarb seine Dienste über soziale Medien und richtete sich gezielt an vietnamesische Staatsangehörige, die ins Vereinigte Königreich gelangen wollten. Mit dem wachsenden Markt für
Menschenschmuggel nutzen solche Netzwerke zunehmend frei verfügbare Online-Dienste zur Koordination ihrer Aktivitäten und zur Verschleierung illegaler Einnahmen.
Die Digitalisierung verstärkt dabei jede Phase des Schmuggels, ermöglicht schnelleres und effizienteres Vorgehen und erschwert gleichzeitig die Aufdeckung durch Behörden.
Der Einsatz erfolgte zeitgleich in mehreren europäischen Ländern unter Koordination von Europol. (Bildquelle: Europol)
Reiseroute der geschleusten Migranten
Die von diesem Netzwerk geschleusten Migranten reisten zunächst mit von Ungarn ausgestellten Kurzzeitvisa oder Aufenthaltsgenehmigungen in den Schengen-Raum ein und flogen anschließend nach Frankreich. Dort wurden sie in Unterkünften im Raum Paris untergebracht und später in den Norden Frankreichs gebracht.
Von dort aus erfolgte die Überfahrt ins Vereinigte Königreich in kleinen Schlauchbooten. Diese letzte Etappe wurde von einem verbundenen kurdisch-irakischen Schleusernetzwerk organisiert, das im Norden Frankreichs aktiv ist.
Beamte betreten ein Gebäude im Zuge der Durchsuchungsmaßnahmen. (Bildquelle: Europol)
Ergebnisse der Operation
- 8 Festnahmen, darunter zentrale Organisatoren und Helfer (6 in Frankreich, 1 in Deutschland, 1 in Ungarn)
- 7 Hausdurchsuchungen in Frankreich
- 1 Netzwerkführer in Deutschland aufgrund eines Europäischen Haftbefehls festgenommen
- 1 hochrangiger Organisator in Ungarn bereits vor dem Einsatztag festgenommen
- Sicherstellungen: rund 20 Reisepässe, 3 Fahrzeuge, elektronische Geräte sowie 10.000 Euro Bargeld
- Geschätzte kriminelle Gewinne: bis zu 3 Millionen Euro
Einsatzkräfte werten sichergestellte Beweismittel unmittelbar vor Ort aus. (Bildquelle: Europol)
Organisation und Finanzierung
Die Mitglieder des Netzwerks organisierten die gesamte Reise – einschließlich Logistik, Unterbringung und Transport – und arbeiteten dabei mit Fahrern und weiteren Helfern zusammen. Ein informelles Banksystem ermöglichte den Geldtransfer zwischen Europa und Vietnam und stellte sowohl die Finanzierung der Operationen als auch die Rückführung der illegalen Gewinne sicher.
Das Netzwerk schleuste monatlich mindestens 15 Migranten und verlangte bis zu 22.000 Euro pro Person für die komplette Route. Daraus ergibt sich ein geschätzter Gesamtumsatz von bis zu 3 Millionen Euro in den vergangenen Jahren.
Mehrere Polizeifahrzeuge sichern einen Einsatzort. (Bildquelle: Europol)
Gemeinsame operative Maßnahmen
Zur Auswertung der Informationen koordinierte Europol den Austausch zwischen den beteiligten Behörden und stellte operative sowie analytische Unterstützung bereit. Am Einsatztag wurde ein Experte nach Frankreich entsandt, um vor Ort Echtzeit-Daten abzugleichen und neue Ermittlungsansätze zu generieren.
Digitalisierung treibt Menschenschmuggel voran
Kriminelle Netzwerke agieren zunehmend online und grenzüberschreitend. Investitionen in moderne Analyseverfahren, digitale Werkzeuge und den Echtzeitaustausch von Informationen sind daher entscheidend. Bereits im April 2024 organisierte Europol ein erstes Fachtreffen zur Bekämpfung von Menschenschmuggel im digitalen Raum und legte damit die Grundlage für eine spezialisierte Plattform zur Unterstützung von Online-Ermittlungen.
Neue Europol-Einheit stärkt Bekämpfung von Schleusungskriminalität
Menschenschmuggel bleibt eine zentrale Bedrohung für die EU und erfordert koordinierte Maßnahmen entlang der gesamten kriminellen Kette – von der Anwerbung über den Transport bis zu den Finanzströmen. Europol unterstützt Ermittlungen mit datenbasierter Analyse, erleichtert den Informationsaustausch und koordiniert gemeinsame Einsätze.
Zur weiteren Stärkung dieser Maßnahmen wurde im Dezember 2025 die Verordnung (EU) 2025/2611 verabschiedet. Sie unterstreicht die Bedeutung einer EU-weiten Bekämpfung von Schleusungskriminalität und führte im März 2026 zur Einrichtung des Europäischen Zentrums gegen Migrantenschleusung (ECAMS).
ECAMS verbessert den systematischen Informationsaustausch und die Koordination und stärkt insbesondere Kompetenzen in den Bereichen Open-Source-Intelligence (OSINT) und Finanzermittlungen sowie die operative Zusammenarbeit mit Verbindungsbeamten von Frontex, Eurojust und den EU-Mitgliedstaaten.
Quelle der Nachricht: Europol