Europol deckt europaweites Netzwerk für gefälschte Ausweise auf
Redaktion Polizeiticker Deutschland
Rund 800 gefälschte Ausweisdokumente wurden in einer Fälscherwerkstatt in Alicante sichergestellt. (Bildquelle: Europol)
Ermittler aus Frankreich und Spanien haben in Alicante eine professionelle Werkstatt zur Herstellung gefälschter Dokumente ausgehoben. Rund 800 Ausweisdokumente wurden sichergestellt. Die Plattform soll auch Schleusernetzwerke unterstützt haben.
Fälscherwerkstatt in Spanien zerschlagen – Rund 800 Ausweisdokumente sichergestellt
Eine von Frankreich geführte und von Spanien sowie Europol unterstützte Ermittlung hat zur Zerschlagung einer Werkstatt zur Herstellung gefälschter Dokumente in Alicante (Spanien) geführt. An den Ermittlungen beteiligt waren die französische Nationalpolizei (Police Nationale/OLTIM) und die spanische Nationalpolizei (Policía Nacional/UCRIF).
Die operative Maßnahme am 27. Mai 2026 führte zur Festnahme einer Person sowie zur Sicherstellung von rund 800 gefälschten europäischen Dokumenten, Ausrüstungsgegenständen zur Dokumentenherstellung, digitalen Geräten, einem Fahrzeug und 1.580 Euro Bargeld.
Bei der Durchsuchung einer unter falschem Namen angemieteten Wohnung entdeckten die Ermittler eine voll funktionsfähige Fälscherwerkstatt. Der Fund verdeutlicht die zunehmend industriellen Produktionsmethoden organisierter Kriminalitätsgruppen im Bereich Dokumentenfälschung.
Online-Marktplatz für gefälschte Ausweise
Der Verdächtige soll einen Online-Marktplatz betrieben haben, über den gefälschte Identitäts- und Verwaltungsdokumente sowohl in physischer als auch in digitaler Form an Kunden in ganz Europa verkauft wurden.
Die Plattform soll Schleusernetzwerke unterstützt haben, indem sie diesen gefälschte Dokumente zur Verfügung stellte. Diese wurden mutmaßlich genutzt, um Grenzkontrollen zu umgehen, Aufenthaltsrechte zu erschleichen und Weiterreisen innerhalb der Europäischen Union zu ermöglichen.
Ausgangspunkt der Ermittlungen war die Entdeckung einer Internetseite, auf der gefälschte Ausweisdokumente angeboten wurden. Mit Unterstützung von Europol konnten französische und spanische Ermittler den Verdächtigen bis nach Alicante zurückverfolgen, wo er seit 2024 gelebt haben soll.
Europol koordinierte die operativen Maßnahmen und unterstützte während der gesamten Ermittlungen den Informationsaustausch zwischen den französischen und spanischen Behörden. Am Einsatztag war zudem ein Europol-Experte vor Ort in Spanien im Einsatz und unterstützte die Ermittler mit Analysen.
Die Polizei entdeckte eine voll ausgestattete Fälscherwerkstatt in einer Wohnung. (Bildquelle: Europol)
Dokumentenfälschung als Schlüssel zur Schleuserkriminalität
Die EU-Bewertung der Bedrohungslage durch schwere und organisierte Kriminalität 2025 (EU-SOCTA) stuft Dokumentenfälschung als einen der wichtigsten Faktoren für Menschenschleusung und die betrügerische Legalisierung von Aufenthalten innerhalb der Europäischen Union ein.
Kriminelle Netzwerke nutzen gefälschte, nachgemachte oder erschlichene Dokumente, um ihre Aktivitäten über EU-Grenzen hinweg und innerhalb des Schengen-Raums durchzuführen.
Durch die Bereitstellung gefälschter Identitäts- und Aufenthaltsdokumente erzielen die Täter erhebliche illegale Gewinne und ermöglichen gleichzeitig zahlreiche weitere Straftaten. Der nun aufgedeckte Standort in Alicante zeigt laut Europol die zentrale Bedeutung solcher Fälschungsinfrastrukturen für europaweit agierende Schleusernetzwerke.
Neues Europol-Zentrum gegen Menschenschleusung
Menschenschleusung bleibt eine der größten kriminalpolizeilichen Herausforderungen innerhalb der Europäischen Union und erfordert koordinierte Maßnahmen entlang der gesamten kriminellen Kette – von der Anwerbung über die Transitwege bis hin zu den Finanzströmen der Täter.
Europol unterstützt entsprechende Ermittlungen mit datenbasierten Analysen, operativer Expertise sowie durch die Koordination gemeinsamer Maßnahmen und den Austausch von Informationen zwischen den Mitgliedstaaten.
Zur Stärkung dieser Arbeit wurde im Dezember 2025 die EU-Verordnung (EU) 2025/2611 verabschiedet. Sie sieht unter anderem die Einrichtung des Europäischen Zentrums gegen Menschenschleusung (European Centre Against Migrant Smuggling – ECAMS) bei Europol vor, das im März 2026 seine Arbeit aufgenommen hat.
ECAMS soll den systematischen Informationsaustausch und die Zusammenarbeit verbessern. Dazu gehören insbesondere der Ausbau von Kompetenzen im Bereich Open-Source-Intelligence (OSINT), Finanzermittlungen sowie die stärkere Einbindung von Verbindungsbeamten von Frontex, Eurojust und den EU-Mitgliedstaaten.
Quelle der Polizeinachricht: Europol / Policía Nacional / Police Nationale Frankreich