Hacker-Angriff auf Supermarkt-Kühlanlagen zerstört Lebensmittel
Redaktion Polizeiticker Deutschland
Ein Cyberangriff hat die Kühlanlagen eines Edeka-Marktes in Reisbach im Landkreis Dingolfing-Landau auf bis zu 50 Grad Celsius aufgeheizt. Große Mengen Lebensmittel mussten entsorgt werden. Inzwischen sind auch drei betroffene Supermärkte in Nordrhein-Westfalen bekannt.
Ein Cyberangriff auf die Kühlanlagen des Edeka-Marktes Ernst in Reisbach in Niederbayern hat große Mengen Lebensmittel unbrauchbar gemacht.
Unbekannte manipulierten in der Nacht zum Montag, 2. November 2026, die Steuerung der Kühltechnik. Nach Angaben des Betreibers stiegen die Temperaturen auf bis zu 50 Grad Celsius.
Der Vorfall ist Teil einer Reihe ähnlicher Angriffe auf Supermärkte in Deutschland und Europa. In Deutschland sind inzwischen vier betroffene Standorte öffentlich bekannt, darunter drei in Nordrhein-Westfalen.
Edeka-Markt in Reisbach muss Lebensmittel entsorgen
Der Betreiber des Edeka-Marktes in Reisbach im Landkreis Dingolfing-Landau berichtete über den Vorfall in den sozialen Medien.
Demnach wurden die Kühlanlagen während der Nacht aus der Ferne manipuliert. Statt Lebensmittel zu kühlen, heizten sich die Anlagen auf bis zu 50 Grad Celsius auf.
Ein Großteil der betroffenen Kühlware konnte anschließend nicht mehr verkauft werden und musste entsorgt werden.
Die Organisation Foodsharing holte kurzfristig Lebensmittel ab, die noch gerettet werden konnten. Dennoch entstand ein erheblicher Warenverlust.
Der Markt kündigte an, die Kühlregale ab Dienstag wieder mit frischen Lebensmitteln zu befüllen.
Polizei bestätigt unerlaubten Fernzugriff
Die Polizei Niederbayern bestätigte inzwischen einen unerlaubten Fernzugriff auf die Unternehmenssoftware des Supermarktes.
Nach den bisherigen Erkenntnissen konnten die Angreifer die Einstellungen der Kühlanlagen verändern. Zudem sollen sie das Warnsystem außer Funktion gesetzt haben.
Die betroffenen Kühlsysteme wurden daraufhin vom Internet getrennt.
Wer hinter dem Angriff steckt und wie die Täter Zugriff auf die Steuerung erhielten, ist Gegenstand der Ermittlungen.
Drei weitere Supermärkte in Nordrhein-Westfalen betroffen
Neben Reisbach wurden inzwischen drei weitere betroffene Supermärkte in Deutschland bekannt.
In Wuppertal-Eckbusch führte ein externer Zugriff am Wochenende dazu, dass die Kühl- und Tiefkühlanlagen eines CAP-Marktes zu warm wurden. Sämtliche kühlpflichtigen Lebensmittel mussten entsorgt werden. Der Schaden beträgt nach Angaben des Marktes rund 25.000 Euro. Am Montag wurde Strafanzeige erstattet.
Auch der von der Arbeiterwohlfahrt betriebene CAP-Markt in Wetter-Volmarstein war betroffen. Dort fielen Kühlanlagen im Verkaufsraum und in Lagerbereichen aus. Große Mengen Lebensmittel mussten wegen der gestiegenen Temperaturen weggeworfen werden. Eine genaue Schadenssumme lag zunächst nicht vor.
Nach Angaben der Marktverantwortlichen richtete sich der Angriff gegen das Unternehmen, das die Kühlanlagen aus der Ferne wartet.
Ein weiterer Vorfall wurde aus Raesfeld im Kreis Borken gemeldet. Auch dort gab es in einem REWE-Markt vergleichbare Probleme mit der Kühltechnik. Einzelheiten zum entstandenen Schaden wurden zunächst nicht bekannt.
Wie viele Supermärkte in Deutschland insgesamt betroffen sind, ist noch unklar.
Wie können Hacker Kühlanlagen aufheizen?
Viele moderne Supermarkt-Kühlanlagen verfügen über digitale Steuerungen, die mit dem Internet verbunden sind. Dadurch können Fachfirmen die Geräte aus der Ferne überwachen, Temperaturen einstellen und Wartungsarbeiten durchführen.
Solche Fernzugänge können jedoch auch von Unbefugten missbraucht werden.
Bei den bekannt gewordenen Angriffen sollen die Täter die Steuerungen so verändert haben, dass die Anlagen nicht mehr regulär kühlten, sondern in einen Heiz- oder Abtaubetrieb wechselten.
Der Abtaumodus ist eine normale Funktion gewerblicher Kühlanlagen. Er dient dazu, Eis von den Kühlflächen zu entfernen. Dafür wird die Kühlung zeitweise unterbrochen und Wärme eingesetzt.
Wird dieser Betriebszustand unbefugt aktiviert oder die Steuerung manipuliert, können die Temperaturen stark ansteigen. Kühlpflichtige Lebensmittel werden dadurch unbrauchbar.
Bei den europäischen Angriffen standen unter anderem ältere internetfähige Steuerungssysteme im Fokus. Ob an allen vier deutschen Standorten dieselbe technische Schwachstelle ausgenutzt wurde, ist bislang nicht bestätigt.
Bereits Hunderte Märkte in Europa betroffen
Ähnliche Cyberangriffe wurden bereits Mitte Oktober 2026 aus Frankreich gemeldet. Dort waren nach Medienberichten mehrere Hundert Supermarktfilialen betroffen. Die Temperaturen in Kühlanlagen stiegen teilweise auf etwa 50 Grad Celsius, große Mengen Lebensmittel mussten entsorgt werden.
Anfang November folgten weitere Vorfälle unter anderem in Belgien, Schweden, Irland, Luxemburg, Estland, Finnland und den Niederlanden.
Ob sämtliche Angriffe zusammenhängen oder von denselben Tätern ausgehen, ist bislang ungeklärt.
Ermittlungen dauern an
Die Vorfälle zeigen, dass Cyberangriffe nicht nur Computer oder Kundendaten betreffen können, sondern auch die technische Infrastruktur von Lebensmittelmärkten.
IT-Sicherheitsexperten empfehlen deshalb, Fernzugänge zu Kühlanlagen besonders abzusichern, Software regelmäßig zu aktualisieren und Steuerungssysteme nicht ungeschützt über das öffentliche Internet erreichbar zu machen.
Auch Warnsysteme sollten so eingerichtet sein, dass ungewöhnliche Temperaturanstiege oder technische Manipulationen zuverlässig erkannt werden.
Bislang sind weder eine verantwortliche Tätergruppe noch ein Motiv für die Angriffe öffentlich bestätigt.