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Hannover – Ein Toter und drei schwere Vergiftungen durch Pilze

Redaktion Polizeiticker Deutschland

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Hannover – Ein Toter und drei schwere Vergiftungen durch Pilze
Der tödlich giftige Knollenblätterpilz in verschiedenen Wachstumsphasen. (Bildquelle: Andreas Kunze, Deutsche Gesellschaft für Mykologie e.V.)

Die Medizinische Hochschule Hannover meldet vier schwere Pilzvergiftungen in diesem Herbst. Ein Patient starb, ein weiterer konnte nur durch eine Lebertransplantation gerettet werden. Die Klinik warnt eindringlich vor dem hochgiftigen Knollenblätterpilz.

Die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) warnt angesichts mehrerer lebensgefährlicher Pilzvergiftungen vor dem Sammeln und Verzehr unbekannter Pilze. In diesem Herbst wurden an der Klinik bislang vier Menschen mit schweren Vergiftungen behandelt.
Als Hauptursache der schweren Vergiftungen gilt der hochgiftige Knollenblätterpilz.

Vier schwere Vergiftungen und ein Todesfall

Seit September 2026 wurden an der Medizinischen Hochschule Hannover vier Patienten mit schweren Pilzvergiftungen behandelt.
Bei zwei Betroffenen gelang es den Ärzten, die Vergiftung mithilfe eines Gegengifts erfolgreich zu behandeln.
Ein weiterer Patient erlitt so schwere Leberschäden, dass eine Organtransplantation notwendig wurde. Die Transplantation verlief erfolgreich.
Für den vierten Patienten kam die medizinische Hilfe zu spät. Er starb an den Folgen der Vergiftung.
Nähere Angaben zur Identität, zum Wohnort oder zum Geschlecht des Verstorbenen wurden aus Datenschutzgründen nicht veröffentlicht.

Knollenblätterpilze können tödliches Leberversagen auslösen

Besonders gefährlich ist der Grüne Knollenblätterpilz, wissenschaftlich Amanita phalloides.
Er gehört zu den giftigsten Pilzen Deutschlands und ist nach Angaben der MHH für rund 90 Prozent aller tödlichen Pilzvergiftungen verantwortlich.
Bereits geringe Mengen können schwere Organschäden verursachen. Besonders betroffen ist die Leber. Das Gift schädigt die Leberzellen und kann innerhalb weniger Tage zu einem lebensbedrohlichen Leberversagen führen.
Im schlimmsten Fall bleibt als einzige lebensrettende Behandlung eine Lebertransplantation.

Erste Symptome treten oft erst Stunden später auf

Die Vergiftung ist besonders tückisch, weil die Beschwerden häufig erst mehrere Stunden nach dem Verzehr beginnen.
Zu den ersten Anzeichen gehören:
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Starker Durchfall
  • Bauchschmerzen
Die Symptome ähneln zunächst einer gewöhnlichen Magen-Darm-Erkrankung.
Nach ein bis zwei Tagen können jedoch schwere Leberschäden auftreten. Auch die Blutgerinnung und die Nierenfunktion können beeinträchtigt werden.
Selbst wenn sich die Beschwerden zwischenzeitlich bessern, kann die Vergiftung weiter fortschreiten.

Klinik warnt vor Verwechslung mit Speisepilzen

Die Medizinische Hochschule Hannover weist darauf hin, dass Knollenblätterpilze leicht mit essbaren Pilzarten verwechselt werden können. Besonders unerfahrene Pilzsammler unterschätzen die Gefahr.
Nach Angaben der Klinik stammen viele Betroffene aus Ländern wie Russland, der Ukraine, Afghanistan oder Regionen des Nahen Ostens.
Dort können andere Pilzarten verbreitet sein, die den in Deutschland vorkommenden giftigen Arten ähneln.
Professor Dr. Richard Taubert, Bereichsleiter Transplantationshepatologie an der MHH, warnt deshalb davor, unbekannte Pilze ohne ausreichende Artenkenntnis zu sammeln und zu verzehren.
Auch Bestimmungsbücher und Smartphone-Apps bieten nach Einschätzung der Fachleute keine ausreichende Sicherheit.

Pilze vor dem Verzehr untersuchen lassen

Die MHH und das Giftinformationszentrum Nord empfehlen, selbst gesammelte Pilze vor dem Verzehr von einem anerkannten Pilzsachverständigen bestimmen zu lassen. Zusätzlich können Schulungen der Deutschen Gesellschaft für Mykologie helfen, gefährliche Verwechslungen zu vermeiden.
Wer sich bei der Bestimmung nicht sicher ist, sollte den betreffenden Pilz keinesfalls essen.
Das gilt insbesondere für junge Exemplare, bei denen wichtige Erkennungsmerkmale möglicherweise noch nicht vollständig ausgebildet sind.

Bei Verdacht auf Pilzvergiftung sofort Hilfe holen

Bei Verdacht auf eine Knollenblätterpilzvergiftung ist schnelles Handeln entscheidend.
Betroffene sollten nicht abwarten, bis sich die Beschwerden verschlimmern. Bei einer möglichen schweren Vergiftung sollte umgehend der Rettungsdienst über 112 verständigt werden.
Wichtig ist außerdem, keine eigenständigen Behandlungsversuche zu unternehmen und kein Erbrechen auszulösen.
Pilzreste, Reste der zubereiteten Mahlzeit und gegebenenfalls Erbrochenes sollten für die medizinische Untersuchung aufbewahrt werden. Sie können helfen, die verantwortliche Pilzart zu bestimmen.
Bereits bei einem begründeten Verdacht können Ärzte mit einer gezielten Behandlung beginnen, noch bevor das Pilzgift durch Laboruntersuchungen nachgewiesen wurde.

Giftinformationszentrum rund um die Uhr erreichbar

Bei Fragen zu möglichen Vergiftungen steht das Giftinformationszentrum Nord rund um die Uhr zur Verfügung.
Telefon: 0551 19240
Bei schweren Beschwerden oder dem Verdacht auf eine lebensgefährliche Pilzvergiftung gilt der Notruf 112.
Die Medizinische Hochschule Hannover appelliert an alle Pilzsammler, die Risiken ernst zu nehmen. Eine einzige Verwechslung kann schwerste gesundheitliche Folgen haben und tödlich enden.
Quelle der Nachricht: Medizinische Hochschule Hannover (MHH) und Stadt Hannover

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