Internationale Schleusernetzwerke zerschlagen – Drei Festnahmen
Redaktion Polizeiticker Deutschland
Europol sowie Ermittler aus Deutschland und Serbien haben zwei syrische Schleusernetzwerke zerschlagen. Drei Hauptverdächtige wurden festgenommen. Die Organisationen sollen mehr als 900 Migranten über die Mittelmeer- und Balkanroute in die EU geschleust haben.
Ermittlungsbehörden aus Deutschland und Serbien haben mit Unterstützung von Europol zwei international agierende Schleusernetzwerke zerschlagen. Bei dem koordinierten Einsatz wurden drei hochrangige Tatverdächtige festgenommen. Die Organisationen stehen im Verdacht, mehr als 900 Migranten über die zentrale Mittelmeerroute und die Westbalkanroute in die Europäische Union geschleust zu haben.
Den Zugriffen am 5. August 2026 gingen mehrjährige Ermittlungen der deutschen Bundespolizei unter Leitung der Staatsanwaltschaften Traunstein, Landshut und Weiden in der Oberpfalz voraus. Die Aktion wurde im Rahmen einer von Europol koordinierten operativen Taskforce durchgeführt.
Drei Schlüsselfiguren festgenommen
Im Zuge des Einsatzes wurde ein 26-jähriger syrischer Staatsangehöriger in Saarbrücken festgenommen. Er soll seit Oktober 2024 mindestens 125 Migranten in fünf Schleusungsfahrten nach Deutschland gebracht haben.
Zeitgleich nahmen die serbischen Behörden in Belgrad zwei weitere mutmaßliche Hintermänner auf Grundlage internationaler Haftbefehle aus Deutschland fest. Ein 31-jähriger Syrer soll zwischen April und November 2022 mindestens 17 groß angelegte Schleusungsaktionen mit mehr als 150 Migranten über die zentrale Balkanroute organisiert haben. Ein weiterer 32-jähriger Syrer wird beschuldigt, eine zentrale logistische Rolle in einem Netzwerk gespielt zu haben, das zwischen 2023 und 2024 mindestens 625 Migranten über Serbien nach Westeuropa geschleust haben soll.
Fünf weitere Mitglieder dieses Netzwerks waren bereits im Jahr 2025 bei koordinierten Einsätzen in Deutschland, den Niederlanden sowie Bosnien und Herzegowina festgenommen worden.
Neben den Festnahmen führten die Ermittler sechs Durchsuchungen im Raum Saarbrücken durch. Dabei wurden umfangreiche Beweismittel sichergestellt, die nun kriminaltechnisch ausgewertet werden.
Schleusungen über Mittelmeer- und Balkanroute
Die Ermittlungen deckten zwei parallel arbeitende syrische Schleusernetzwerke auf, die entlang der zentralen Mittelmeerroute sowie der Westbalkanroute operierten. Die Organisationen brachten die Migranten während der gesamten Reise erheblichen Gefahren aus und erzielten dabei hohe illegale Gewinne.
Ein Netzwerk mit Verbindungen zu einer in Libyen aktiven Miliz organisierte nach Erkenntnissen der Ermittler gefährliche Überfahrten von der libyschen Küste zur italienischen Insel Lampedusa. Die Migranten wurden dabei auf überfüllten und nicht seetüchtigen Booten transportiert, die mit bis zu 61 Personen besetzt waren und weder Schwimmwesten noch ausreichende Sicherheitsausrüstung an Bord hatten.
Die überwiegend syrischen Migranten zahlten für diese Überfahrten zwischen 6.500 und 7.800 Euro pro Person. Anschließend wurden sie über weitere Schleusernetzwerke nach Deutschland weitergebracht. Allein dieses Netzwerk soll mindestens 875.000 Euro an illegalen Gewinnen erzielt haben.
Im Verlauf der Ermittlungen stellten die Beamten bei einem der Tatverdächtigen außerdem mehrfach mutmaßlich gefälschte Euro-Banknoten im Wert zwischen 30.000 und 100.000 Euro sicher.
Netzwerk schleuste Migranten über Serbien nach Westeuropa
Das zweite Netzwerk operierte von Serbien aus und koordinierte die Schleusung überwiegend syrischer Migranten entlang der Westbalkanroute in Richtung Deutschland und weiterer westeuropäischer Staaten.
Die Täter sollen zwischen 2.000 und 10.000 Euro pro Person verlangt haben, um Migranten von Serbien über Ungarn beziehungsweise von Bosnien und Herzegowina über Kroatien in die Europäische Union zu bringen. Von dort aus erfolgte der Weitertransport mit Autos, Kleintransportern oder Lastwagen über Österreich, Tschechien, Polen oder die Slowakei bis zu den jeweiligen Zielorten.
Europol und Eurojust unterstützten die Ermittlungen
Europols European Centre Against Migrant Smuggling (ECAMS) koordinierte die internationale Zusammenarbeit. Die Behörde unterstützte den Informationsaustausch zwischen den beteiligten Ländern, analysierte operative Erkenntnisse, identifizierte die wichtigsten Tatverdächtigen und entsandte Experten, die den Einsatz in Echtzeit begleiteten.
Auch Eurojust spielte eine zentrale Rolle. Die EU-Justizbehörde richtete ein gemeinsames Ermittlerteam zwischen Deutschland und Serbien ein, wodurch Beweise und Informationen ausgetauscht sowie der Europäische Haftbefehl gegen einen der in Serbien lebenden Verdächtigen vollstreckt werden konnte.
An der internationalen Operation beteiligt waren die deutsche Bundespolizei, die Staatsanwaltschaften Traunstein, Landshut und Weiden in der Oberpfalz sowie die serbische Direktion für Kriminalpolizei – Abteilung zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität.
Quelle der Polizeinachricht: Europol