Jänschwalde – Angriff mit selbstgebauten Raketen auf Umspannwerk
Redaktion Polizeiticker Deutschland
Unbekannte haben am Umspannwerk Turnow-Preilack im Landkreis Spree-Neiße offenbar gezielt die Strominfrastruktur angegriffen. Einsatzkräfte fanden zahlreiche unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtungen. Trotz ausgelöster Kurzschlüsse blieb die Stromversorgung stabil, verletzt wurde niemand.
Am Dienstagmorgen, 1. September 2026, wurde der Polizei gegen 8 Uhr eine mutmaßliche Beschädigung an einer Oberleitung eines Umspannwerks in Turnow-Preilack im Landkreis Spree-Neiße gemeldet. Das Umspannwerk liegt rund fünf Kilometer nördlich des Braunkohlekraftwerks Jänschwalde.
Nach bisherigen Erkenntnissen wurden an der Anlage zahlreiche Vorrichtungen angebracht beziehungsweise zurückgelassen, mit denen offenbar Kurzschlüsse an Hochspannungsleitungen ausgelöst werden sollten. In zwei Fällen gelang es offenbar, leitfähiges Material in die Hochspannungsleitungen zu bringen und dadurch Kurzschlüsse auszulösen. Dabei entstand ein sichtbarer Feuerball.
Vor Ort fanden die Einsatzkräfte weitere sogenannte unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtungen (USBV), die teilweise nicht umgesetzt worden waren. Medienberichten zufolge wurden mehr als 20 weitere Vorrichtungen entdeckt. Entschärfer des Landeskriminalamtes Brandenburg waren vor Ort. Spuren wurden gesichert und das Gelände großräumig abgesperrt. Die Suche nach möglichen weiteren Vorrichtungen sollte fortgesetzt werden.
Zur genauen Beschaffenheit der Gegenstände gibt es unterschiedliche Angaben. Der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz beschrieb sie zunächst als selbstgebaute Flugkörper, die handelsüblichen Silvesterraketen ähnelten.
Brandenburgs Innenminister Jan Redmann erklärte hingegen, dass es sich um eigens für diesen Zweck hergestellte Raketen beziehungsweise Treibsätze mit systematischem Aufbau gehandelt habe. Das Landeskriminalamt spricht offiziell von unkonventionellen Spreng- und Brandvorrichtungen. Die genaue technische Bauart ist Gegenstand der Ermittlungen.
Trotz des Angriffs kam es zu keinem flächendeckenden Stromausfall. Die Stromversorgung blieb stabil. Kurzzeitig fiel eine Leitung aus. Zudem ging ein 500-Megawatt-Block des Kraftwerks Jänschwalde technisch außer Betrieb. Menschen wurden nicht verletzt. Nach Angaben der Polizei hatte der Vorfall keine Auswirkungen auf die Bevölkerung.
Das Landeskriminalamt Brandenburg hat die weiteren Ermittlungen übernommen. Das Motiv und die Identität möglicher Tatverdächtiger sind bislang unbekannt. Ein Bekennerschreiben liegt nach bisherigem Kenntnisstand nicht vor.
Brandenburgs Innenminister Jan Redmann und Ministerpräsident Dietmar Woidke bezeichneten das Geschehen als Anschlagsversuch auf die Stromversorgung. Ein möglicher Zusammenhang mit früheren Angriffen auf die Energieinfrastruktur ist bislang nicht bestätigt.
Die Polizei bittet die Bevölkerung um Mithilfe und stellt folgende Fragen:
- Wer hat die Tat am Morgen des 01. September bemerkt und kann zu deren Aufklärung beitragen?
- Wer kann Angaben zu möglichen Tatverdächtigen machen und/oder sie beschreiben?
- Wer kann sonst sachdienliche Hinweise geben?
Hinweise nimmt jede Polizeidienststelle entgegen. Auch über die Internetwache der Polizei Brandenburg können Hinweise gegeben werden.
Quelle der Polizeinachricht: Polizei Brandenburg / Landeskriminalamt Brandenburg