Joggerin in Lampertheim erstochen – Mordfall bei Aktenzeichen XY
Redaktion Polizeiticker Deutschland
Fast zwei Jahre nach dem Mord an einer 36-jährigen Joggerin im Lampertheimer Wald fehlt vom Täter jede Spur. Eine unbekannte männliche DNA, rund 1.300 Vergleichsproben und mehr als 200 Hinweise brachten bislang keinen Durchbruch. Nun wird der Fall erneut bei „Aktenzeichen XY“ vorgestellt.
Joggerin im Wald erstochen: Mordfall aus Lampertheim erneut bei „Aktenzeichen XY“
Fast zwei Jahre nach dem gewaltsamen Tod einer 36-jährigen Frau im Lampertheimer Wald ist der Täter noch immer nicht gefasst. Die zweifache Mutter wurde im September 2024 beim Joggen mit mehreren Messerstichen getötet. Trotz einer eigenen Mordkommission, Hunderten Hinweisen und rund 1.300 freiwillig abgegebenen DNA-Proben blieb die entscheidende Spur bislang aus.
Nun setzen die Ermittler erneut auf die bundesweite Öffentlichkeit: Am 9. September 2026 wird der ungeklärte Mordfall zum zweiten Mal bei „Aktenzeichen XY … ungelöst“ im ZDF vorgestellt. Für Hinweise, die zur Ergreifung des Täters führen, sind inzwischen 5.000 Euro Belohnung ausgesetzt.
Die 36-Jährige geht zum Joggen – und kehrt nicht zurück
Der 16. September 2024 ist ein Montag. Die 36-Jährige aus Lampertheim fährt zum Waldgebiet und stellt ihr Auto auf einem Waldparkplatz ab. Von dort begibt sie sich zum Joggen in den Lampertheimer Wald. Die Frau lebt mit ihrer Familie in Lampertheim und ist zweifache Mutter.
Was anschließend genau geschieht, ist bis heute Gegenstand der Ermittlungen. Fest steht: Die Frau trifft im Wald auf ihren späteren Mörder. Nach Erkenntnissen der Ermittler wird sie noch am Montagvormittag auf einem Waldweg mit mehreren Messerstichen getötet.
Gegen 11:45 Uhr entdecken Passanten die leblose Frau auf einem Waldweg und verständigen die Polizei. Bereits die ersten Beamten stellen Spuren fest, die auf einen gewaltsamen Tod hindeuten. Der Fundort wird weiträumig abgesperrt, Spuren werden gesichert und erste Zeugen befragt.
Das Auto der 36-Jährigen finden die Ermittler auf dem nahegelegenen Waldparkplatz. Es wird sichergestellt und kriminaltechnisch untersucht. Gleichzeitig durchsuchen Einsatzkräfte das umliegende Waldgebiet nach weiteren Spuren.
Täter nimmt das Handy des Opfers mit
Ein Detail wird im Laufe der Ermittlungen besonders wichtig: Nach der Tat fehlt das Mobiltelefon der Frau. Nach Angaben der Polizei nahm der Täter das Handy aus ihrer Bauchtasche an sich.
Er behielt es jedoch offenbar nicht. Das Mobiltelefon wurde später im Wald in Richtung Bürstadt gefunden. Warum der Täter das Gerät zunächst mitnahm und anschließend wegwarf oder zurückließ, ist öffentlich nicht geklärt.
Auch das Motiv für die Tötung ist fast zwei Jahre später weiterhin unbekannt. Damit bleibt eine der zentralen Fragen des Falls offen: Wurde die Frau gezielt angegriffen oder traf sie beim Joggen zufällig auf ihren späteren Mörder?
Mordkommission „1609“ übernimmt
Noch am Tag des Leichenfundes richten das Polizeipräsidium Südhessen und die Staatsanwaltschaft Darmstadt die Mordkommission „1609“ ein. Rund 30 Beamtinnen und Beamte arbeiten an der Aufklärung des Verbrechens.
Der Tatort und das Fahrzeug werden kriminaltechnisch untersucht, das Waldgebiet abgesucht und zahlreiche Personen befragt. Die Ermittler versuchen insbesondere zu rekonstruieren, wer sich am Vormittag des 16. September im Wald zwischen dem Bürstädter Waldparkplatz und dem Parkplatz am Neuschloß aufgehalten hat.
Unbekannte männliche DNA am Opfer
Eine der bedeutendsten Spuren des gesamten Falls wird direkt am Opfer gesichert. Die Ermittler finden dort DNA einer bislang unbekannten männlichen Person.
Ein Abgleich führt jedoch nicht zum Täter: Das entsprechende DNA-Profil ist nach Angaben der Ermittler nicht in der dafür herangezogenen Datenbank hinterlegt.
Daraufhin beginnt eine außergewöhnlich umfangreiche Vergleichsaktion. Bei rund 1.300 Zeugen werden auf freiwilliger Basis DNA-Proben genommen. Die Proben werden mit der unbekannten männlichen DNA abgeglichen.
Der entscheidende Treffer bleibt jedoch aus.
Erste Fahndung bei „Aktenzeichen XY“
Bereits wenige Wochen nach dem Mord wenden sich die Ermittler bundesweit an die Öffentlichkeit. Am 2. Oktober 2024 wird der Fall erstmals in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY … ungelöst“ vorgestellt.
Kriminalhauptkommissarin Cindy Graf, Leiterin der Mordkommission „1609“, spricht im Studio mit Moderator Rudi Cerne über die Ermittlungen. Gezeigt werden unter anderem Originalaufnahmen vom Tatort.
Die Polizei will vor allem Personen erreichen, die sich am Vormittag des 16. September im Waldgebiet zwischen dem Bürstädter Waldparkplatz und dem Parkplatz am Neuschloß aufgehalten haben und möglicherweise etwas beobachtet haben.
Eine Zuschauerin meldet sich nach der Sendung und berichtet, dass sie am Tattag selbst im Wald gewesen sei. Sie hatte dort zahlreiche Fotos aufgenommen, die anschließend von den Ermittlern ausgewertet werden konnten.
Die Fernsehfahndung bringt zahlreiche weitere Hinweise, der Durchbruch bleibt jedoch aus. Bis zum 17. Oktober 2024 liegen der Polizei insgesamt 205 Hinweise vor.
Zwei unbekannte Männer geraten ins Blickfeld
Im Oktober 2024 veröffentlicht die Mordkommission einen weiteren detaillierten Zeugenaufruf. Die Ermittler suchen zwei Männer, die sich am Vormittag des Mordes im Umfeld des Tatorts aufgehalten haben sollen.
Der erste Mann wurde zwischen etwa 10:15 und 10:20 Uhr in der Nähe der Grillhütte am ehemaligen Parkplatz des Lorscher Wegs gesehen. Er soll auf einem Baumstamm gesessen haben.
Beschrieben wird er als etwa 30 bis 50 Jahre alt und hellhäutig. Er trug eine schwarze Kappe, ein schwarzes weites Oberteil – möglicherweise eine Jacke oder einen Pullover –, hellblaue Jeans und schwarze Schuhe.
Ein zweiter unbekannter Mann wurde zwischen etwa 10:30 und 11 Uhr im Bereich des Wasserwerks beobachtet. Er soll ungefähr 1,80 Meter groß, zwischen 30 und 40 Jahre alt und schlank gewesen sein.
Auffällig waren seine Camouflage-Hose und eine ähnlich gemusterte Trinkflasche, die sich in seiner rechten Hosentasche befunden haben soll. Außerdem trug er einen dunkelgrauen oder schwarzen Kapuzenpullover und halbhohe schwarze Schuhe.
Ob einer der beiden Männer etwas mit dem Mord zu tun hat, ist nicht belegt. Für die Ermittler sind sie zunächst Personen, deren Aufenthalt und mögliche Beobachtungen für die Rekonstruktion des Tatvormittags von Bedeutung sein könnten.
Rätsel um hellen Kleinwagen mit WO-Kennzeichen
Neben den beiden Männern sucht die Mordkommission nach einem Fahrzeug.
Gegen 11:30 Uhr, also nur kurze Zeit bevor die 36-Jährige gefunden wurde, soll ein heller Kleinwagen vom Waldparkplatz Bürstadt in Richtung Bürstadt gefahren sein. Das Fahrzeug hatte nach Angaben der Polizei ein Wormser Kennzeichen mit dem Kürzel WO.
Die Ermittler hielten es für möglich, dass der Wagen zuvor aus Richtung des Wasserwerks gekommen war. Auch hier geht es darum zu klären, wer sich zu dieser entscheidenden Zeit im unmittelbaren Umfeld des Tatorts aufgehalten hat.
Fast zwei Jahre Ermittlungen – Täter weiterhin unbekannt
Trotz der umfangreichen Ermittlungen, der DNA-Vergleiche und der ersten bundesweiten Fernsehfahndung ist der Mord bis heute nicht aufgeklärt.
Wer die 36-Jährige tötete, ist weiterhin unbekannt. Ebenso ungeklärt ist das Motiv. Öffentlich bekannt ist bislang weder, ob Täter und Opfer sich kannten, noch ob die Frau gezielt ausgesucht wurde oder zufällig auf ihren Mörder traf.
Die unbekannte männliche DNA bleibt dabei eine der wichtigsten objektiven Spuren des Falls.
5.000 Euro Belohnung für entscheidenden Hinweis
Nun erhöhen Staatsanwaltschaft und Polizei den Fahndungsdruck. Am 2. September 2026 wird bekannt, dass die Staatsanwaltschaft Darmstadt eine Belohnung von 5.000 Euro für Hinweise ausgesetzt hat, die zur Ergreifung des Täters führen.
Im Umfeld des Tatorts und in benachbarten Gemeinden sollen zudem Fahndungsplakate auf den ungeklärten Mord aufmerksam machen.
Fast auf den Tag genau zwei Jahre nach der Tat soll außerdem erneut ein Millionenpublikum erreicht werden.
Mordfall erneut bei „Aktenzeichen XY“
Am Mittwoch, 9. September 2026, wird der Mord an der 36-jährigen Joggerin erneut in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY … ungelöst“ vorgestellt.
Dabei sollen auch aktuelle Erkenntnisse aus den fast zweijährigen Ermittlungen präsentiert werden. Die Ermittler hoffen insbesondere, Menschen zu erreichen, die ihre damaligen Beobachtungen bislang nicht für wichtig hielten oder deren Wissen erst im Laufe der Zeit eine neue Bedeutung bekommen hat.
Die Mordkommission fragt erneut, wer am 16. September 2024 verdächtige Personen im Wald bemerkt hat. Außerdem interessieren sich die Ermittler für Personen, die möglicherweise durch spätere Erzählungen oder auffälliges Verhalten einen Zusammenhang mit der Tat erkennen lassen.
Polizei hofft nach fast zwei Jahren auf den entscheidenden Hinweis
Ab der Ausstrahlung von „Aktenzeichen XY“ am 9. September ist das Hinweistelefon der Polizei unter 06252/706-500 besetzt.
Unabhängig davon können Hinweise weiterhin direkt an die Mordkommission „1609“ unter 06252/706-0 oder per E-Mail an moko.1609.ppsh@polizei.hessen.de gegeben werden.
Fast zwei Jahre nach dem Mord sind damit noch immer dieselben entscheidenden Fragen offen:
- Wer begegnete der 36-Jährigen an diesem Montagvormittag im Lampertheimer Wald?
- Wem gehört die unbekannte männliche DNA?
- Welche Bedeutung haben die beiden beobachteten Männer und der helle Kleinwagen?
- Und warum musste die zweifache Mutter sterben?
Mit der erneuten Ausstrahlung bei „Aktenzeichen XY“, der Veröffentlichung von Fahndungsplakaten und der Belohnung von 5.000 Euro hoffen die Ermittler nun auf den Hinweis, der den bislang unbekannten Täter nach fast zwei Jahren identifizieren könnte.
Quelle der Meldung: Polizeipräsidium Südhessen / Redaktion