Bedburg – Demontage von defektem Windradflügel dauert länger
Bedburg – Demontage von defektem Windradflügel dauert länger
09.01.2026 | 15:47
Redaktion Polizeiticker Deutschland
Der abgebrochene Flügel hängt noch am seidenen Faden und stellt eine große Gefahr dar. (Bildquelle: Freiwillige Feuerwehr Bedburg)
Drei Tage nach dem Bruch eines Rotorblatts an einem Windrad bei Jüchen hängt der beschädigte Flügel weiterhin an der Anlage. Eine Spezialfirma soll die Demontage vorbereiten – sobald es die Wetterlage zulässt. Die A44 bleibt offen, die Gefahr für die Autobahn ist laut Betreiber nur gering.
Drei Tage nach dem Bruch eines Rotorblatts an einem Windrad im Windpark Bedburg bei Jüchen (NW) hat sich an der Gefahrenlage vor Ort wenig verändert: Das 74 Meter lange Rotorblatt hängt weiterhin sichtbar beschädigt an der Anlage – laut Polizei „wie am seidenen Faden“.
Die betroffene Windkraftanlage befindet sich am Tagebau Garzweiler, direkt an der Kante des Braunkohletagebaus, auf einem Gelände des Energieunternehmens RWE.
Demontage durch Spezialfirma – frühestens nächste Woche
Laut Hersteller Nordex soll eine auf solche Einsätze spezialisierte Firma prüfen, wie der beschädigte Flügel sicher abgebaut werden kann. Diese Arbeiten können laut Unternehmensangaben jedoch frühestens in der kommenden Woche beginnen – entscheidend sei das Wetter.
Ein drohender Sturm in den kommenden Tagen stelle laut Nordex aber keine unmittelbare Gefahr dar. Auch wenn der Flügel sich vollständig lösen sollte, gehe man davon aus, dass Trümmer nicht auf die A44 stürzen würden.
Windrad per Fernzugriff gedreht – Gefahr für A44 vorerst gebannt
Bereits am Mittwoch hatte Nordex die Anlage per Fernsteuerung um 180 Grad gedreht, sodass der beschädigte Flügel nicht mehr in Richtung der Autobahn A44 zeigt, sondern in Richtung eines angrenzenden Feldes.
Die nahegelegene A44 war am Tag des Vorfalls (07.01.2026) aus Sicherheitsgründen voll gesperrt worden, konnte aber am späten Nachmittag wieder freigegeben werden.
Drohnenflug zur Bruchstelle – Ursache weiter unklar
Am Donnerstag untersuchten Experten mit einer Drohne die Bruchstelle an der Gondel des Windrads. Die genaue Ursache des Strukturversagens ist bislang unklar. Nordex hat eine interne Taskforce zur Ursachenforschung eingerichtet. Hinweise auf Sabotage oder äußere Einwirkung gibt es laut Polizei derzeit nicht.
Lage am Tagebau: Spezialbedingungen könnten Rolle spielen
Die Windkraftanlage steht in unmittelbarer Nähe zur Abbaukante des Tagebaus Garzweiler. Fachleute prüfen, ob die besondere Lage geotechnische oder aerodynamische Auswirkungen haben könnte.
So könnten beispielsweise Bodenbewegungen oder starke Luftverwirbelungen und Turbulenzen an der Tagebaukante eine zusätzliche Belastung für das Windrad dargestellt haben. Solche Faktoren werden bei der laufenden Ursachenanalyse mit einbezogen.
Abbau per Kran schwierig – Gefahr für Einsatzkräfte
Feuerwehr und Polizei hatten rund um das Windrad einen Sicherheitsbereich mit einem Radius von 400 Metern eingerichtet.
Wie Guido Garbe, Einsatzleiter der Feuerwehr Bedburg, erklärte, sei ein Abbau per Kran aktuell nicht praktikabel: Der Aufbau eines Krans wäre sehr zeitintensiv und würde Einsatzkräfte in einen gefährlichen Bereich bringen.
Man hatte zunächst gehofft, dass der Flügel möglicherweise durch Wind oder Eigengewicht kontrolliert zu Boden stürzt – das ist bislang nicht eingetreten.
Vergleichbarer Vorfall 2024 bei Nordex-Anlage
Ein ähnlicher Fall hatte sich bereits im Jahr 2024 im Kreis Gütersloh ereignet – ebenfalls an einer Nordex-Anlage. Auch dort war ein Rotorflügel abgeknickt und Trümmer waren zu Boden gefallen.
Damals wurde als möglicher Auslöser ein Sturm mit Windgeschwindigkeiten von rund 80 km/h genannt. Die Untersuchung des aktuellen Falls bei Jüchen könnte nun Aufschluss darüber geben, ob es Parallelen in Konstruktion oder Materialbeschaffenheit gibt.
Quelle der Polizeinachricht: Polizei Aachen / Nordex / Freiwillige Feuerwehr Bedburg