Kiel – DNA-Reihenuntersuchung nach versuchtem Mord an Polizistin
Redaktion Polizeiticker Deutschland
Nach einem mutmaßlichen versuchten Mord an einer Polizistin führt die Polizei eine groß angelegte DNA-Reihenuntersuchung in einem Hochhaus in Kiel-Mettenhof durch. Das Gebäude mit 242 Wohnungen wird von den Ermittlern vollständig überprüft.
Nach dem mutmaßlichen versuchten Mord an einer Polizeibeamtin läuft seit Montagmorgen eine groß angelegte DNA-Reihenuntersuchung im Kieler Stadtteil Mettenhof.
Hintergrund ist ein Vorfall in der Nacht vom 1. auf den 2. Juni. Gegen 0:45 Uhr wurde aus einem Wohnhaus am Kurt-Schumacher-Platz ein Pflasterstein auf einen Streifenwagen geworfen.
Der Stein durchschlug die Frontscheibe des Fahrzeugs und traf die auf dem Beifahrersitz sitzende 25-jährige Polizeibeamtin an der Hand und am Sprunggelenk. Die Beamtin wurde schwer verletzt und ist nach Angaben der Polizei bis heute nicht dienstfähig. Ihr 59-jähriger Kollege blieb unverletzt.
Die Staatsanwaltschaft Kiel bewertet den Steinwurf als versuchtes Tötungsdelikt.
An dem sichergestellten Pflasterstein konnten Ermittler DNA-Spuren sichern. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft ordnete das Amtsgericht Kiel deshalb eine DNA-Reihenuntersuchung an.
Betroffen sind alle Personen, die im Mehrfamilienhaus am Kurt-Schumacher-Platz 1 amtlich gemeldet oder tatsächlich wohnhaft sind und zum Tatzeitpunkt das 14. Lebensjahr vollendet hatten.
Seit 6:00 Uhr vollstrecken Einsatzkräfte der Bezirkskriminalinspektion Kiel mit Unterstützung der Bereitschaftspolizeiabteilung aus Eutin den richterlichen Beschluss. Die Maßnahmen finden in dem 25-geschossigen Hochhaus statt, in dem mehr als 250 Menschen wohnen.
Rund 200 Polizeikräfte sind im Einsatz. Das als „Weißer Riese“ bekannte Hochhaus wurde umstellt, während die Ermittler alle 242 Wohnungen von oben nach unten aufsuchen.
Bewohner, die nicht angetroffen werden, erhalten demnach eine schriftliche Aufforderung, freiwillig eine DNA-Probe abzugeben. Außerdem sollen sich eine Staatsanwältin sowie Drohnen der Polizei im Einsatz befinden.
Die Ermittler hoffen, die am Pflasterstein gesicherten DNA-Spuren einer Person aus dem Gebäude zuordnen zu können. Trotz einer bereits ausgelobten Belohnung von 1.000 Euro für Hinweise auf den Täter konnte dieser bislang nicht identifiziert werden.
Der „Weiße Riese“ ist ein markantes Wohnhochhaus am Kurt-Schumacher-Platz in Kiel-Mettenhof. Das rund 85 Meter hohe Gebäude wurde zwischen 1968 und 1971 errichtet und gilt als höchstes Wohnhaus der Stadt. Seit 2014 gehört es dem Wohnungsunternehmen Grand City Properties.
Das Hochhaus geriet in der Vergangenheit immer wieder wegen sozialer Probleme und seines baulichen Zustands in die Schlagzeilen. Nach Angaben der Polizei kam es allein im Jahr 2025 zu 107 Polizeieinsätzen in dem Gebäude.
Die Ermittlungen wegen des versuchten Tötungsdelikts dauern an.
Quelle der Polizeinachricht: Staatsanwaltschaft Kiel / Polizeidirektion Kiel