Kindesmissbrauch und Betrug – Riesiges Darknet-Netzwerk zerschlagen
Redaktion Polizeiticker Deutschland
Darknet-Netzwerk mit Betrugsseiten und Kindesmissbrauch-Inhalten zerschlagen (Bildquelle: Europol)
Bei der internationalen „Operation Alice“ ist ein riesiges Darknet-Netzwerk zerschlagen worden, auf dem unter anderem betrügerische Angebote sowie Inhalte im Zusammenhang mit sexuellem Kindesmissbrauch beworben wurden. Die Aktion führte zur Identifizierung hunderter Nutzer und eines mutmasslichen Haupttäters.
Unter Leitung deutscher Behörden und mit Unterstützung von Europol ist eine globale Operation gegen eines der größten Netzwerke betrügerischer Plattformen im Darknet durchgeführt worden. Die Ermittlungen begannen bereits Mitte 2021 und führten im März 2026 zur „Operation Alice“, an der sich 23 Länder beteiligten.
Ausgangspunkt der Untersuchungen war die Plattform „Alice with Violence CP“. Im Verlauf der Ermittlungen stellte sich heraus, dass der Betreiber ein riesiges Netzwerk von insgesamt über 373’000 betrügerischen Webseiten aufgebaut hatte. Auf diesen wurden unter anderem Inhalte mit sexuellem Kindesmissbrauch sowie sogenannte Cybercrime-as-a-Service (CaaS)-Angebote beworben.
Umfangreiche internationale Ermittlungen
Zwischen dem 9. und 19. März 2026 konnten durch die enge Zusammenarbeit der beteiligten Behörden insgesamt 440 Nutzer weltweit identifiziert werden, die die Dienste des Netzwerks genutzt hatten. Gegen viele dieser Personen wurden weitere Strafverfahren eingeleitet, die teilweise noch andauern.
Ergebnisse der Operation
Die Operation führte zu umfangreichen Maßnahmen:- 1 Haupttäter identifiziert
- 440 Nutzer weltweit identifiziert
- über 373’000 Darknet-Webseiten abgeschaltet
- 105 Server sichergestellt
- zahlreiche elektronische Geräte beschlagnahmt (Computer, Mobiltelefone, Datenträger)
Netzwerk von Betrugsseiten im Darknet
Die Ermittlungen ergaben, dass ein einzelner Täter über mehrere Jahre hinweg ein komplexes Netzwerk von sogenannten Onion-Domains betrieb, speziell verschleierte Webseiten im Darknet.
Zwischen Februar 2020 und Juli 2025 wurden dort Inhalte mit sexuellem Kindesmissbrauch beworben, die angeblich in Form von Datenpaketen gegen Bezahlung in Bitcoin erhältlich seien. Die Preise lagen zwischen 17 und 215 Euro, bei angeblichen Datenmengen von mehreren Gigabyte bis hin zu mehreren Terabyte.
Tatsächlich handelte es sich jedoch um reine Betrugsangebote: Die Inhalte wurden zwar beworben, aber nie geliefert.
Zusätzlich wurden über die Plattform auch gestohlene Kreditkartendaten sowie Zugänge zu fremden IT-Systemen angeboten – ebenfalls mit dem Ziel, Zahlungen zu erschleichen.
Hauptverdächtiger und Infrastruktur
Im Zentrum der Ermittlungen steht ein 35-jähriger Mann aus China, der das Netzwerk betrieben haben soll. Schätzungen zufolge erzielte er mit rund 10’000 Kunden weltweit Einnahmen von über 345’000 Euro.
Für den Betrieb nutzte er zeitweise bis zu 287 Server, davon 105 in Deutschland. Gegen ihn wurde ein internationaler Haftbefehl erlassen.
Auch Nutzer im Fokus der Ermittlungen
Die Ermittlungen richten sich nicht nur gegen den Betreiber, sondern auch gegen die Nutzer der Plattform. Personen, die für entsprechende Inhalte bezahlt haben, gelten ebenfalls als tatverdächtig – selbst dann, wenn sie die angebotenen Inhalte nie erhalten haben.
Die Ermittler gehen davon aus, dass diese Personen ein erhöhtes Risiko darstellen und wichtige Hinweise für weitere Ermittlungen liefern können.
Schutz der Opfer im Fokus
Während der Ermittlungen griffen die Behörden konsequent ein, sobald Hinweise auf gefährdete Kinder vorlagen. So wurde beispielsweise im August 2023 ein Mann festgenommen, der versucht hatte, entsprechendes Material zu erwerben. Er wurde später verurteilt.
Rolle von Europol
Europol unterstützte die internationalen Ermittlungen umfassend, insbesondere durch:- Koordination des Informationsaustauschs zwischen den Ländern
- analytische Auswertung großer Datenmengen
- Nachverfolgung von Kryptowährungszahlungen
- operative Unterstützung bei der Zusammenarbeit der Behörden
Die enge internationale Kooperation war entscheidend für die Identifizierung des Haupttäters und die Zerschlagung des Netzwerks.
Bekämpfung von Kindesmissbrauch bleibt Priorität
Die Bekämpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern zählt zu den zentralen Aufgaben von Europol. Neben operativen Einsätzen unterstützt die Behörde auch Präventions- und Aufklärungsprojekte, darunter Plattformen zur Identifizierung von Opfern sowie Hilfsangebote für betroffene Kinder und Jugendliche.
Die Operation sendet eine klare Botschaft: Auch im Darknet gibt es keinen sicheren Rückzugsort für Kriminelle.
Teilnehmende Länder und Behörden der Operation „Alice“:
- Australien: Australian Federal Police (AFP)
- Österreich: Bundeskriminalamt (Kriminalnachrichtendienst)
- Belgien: Föderale Kriminalpolizei
- Kanada: Royal Canadian Mounted Police (RCMP) – National Child Exploitation Crime Centre (NCECC)
- Kroatien: Nationale Cybercrime-Abteilung
- Tschechien: Nationale Polizei (USKPV), Kriminalpolizei und Ermittlungsdienst
- Dänemark: Nationales Cybercrime-Zentrum (NC3) sowie dänische Nationalpolizei
- Frankreich: Abteilung zum Schutz von Kindern (OFMIN) der nationalen Kriminalpolizei (DNPJ)
- Deutschland: Bayerisches Landeskriminalamt (BLKA), Zentrale Stelle Cybercrime Bayern (ZKI), Bundeskriminalamt (BKA)
- Ungarn: Nationale Ermittlungsbehörde – Cybercrime-Abteilung
- Italien: Staatspolizei – Post- und Cyberpolizei
- Litauen: Litauisches Kriminalpolizeibüro
- Niederlande: Nationale Polizei
- Polen: Zentrales Büro zur Bekämpfung von Cyberkriminalität (CBZC)
- Portugal: Kriminalpolizei (Polícia Judiciária)
- Rumänien: Rumänische Polizei
- Slowenien: Slowenische Kriminalpolizei
- Spanien: Guardia Civil – Kriminalnachrichtendienst (UTPJ) und zentrale Ermittlungseinheit (UCO)
- Schweden: Nationales Cybercrime-Zentrum (SC3) sowie Regionen Süd, West und Bergslagen
- Schweiz: Bundesamt für Polizei (fedpol), Polizei Luzern, Kantonspolizei St. Gallen, Kantonspolizei Thurgau, Kantonspolizei Zürich
- Ukraine: Nationale Polizei der Ukraine
- Vereinigtes Königreich: National Crime Agency (NCA)
- USA: Homeland Security Investigations (HSI)