Lohne – Hund „Sam“ besteht Wesenstest nach tödlicher Attacke
Redaktion Polizeiticker Deutschland
Symbolbild (Bildquelle: Redaktion Polizeiticker Deutschland, KI-generiert)
Im Fall des American Bully XL „Sam“, der im Januar seinen 33-jährigen Halter tödlich verletzt haben soll, gibt es neue Entwicklungen. Der Hund hat den Wesenstest bestanden und soll nicht eingeschläfert werden. Die Familie möchte ihn übernehmen – eine Entscheidung der Behörden steht noch aus.
Dramatischer Vorfall im Januar
Der Fall sorgte bundesweit für Aufmerksamkeit und bewegte viele Menschen: Am 12. Januar 2026 war ein 33-jähriger Mann in Lohne-Brockdorf (Landkreis Vechta) tödlich verletzt worden. Neben ihm befand sich sein Hund „Sam“, der Rettungskräfte zunächst nicht an den Körper heranließ.
Die rechtsmedizinische Untersuchung bestätigte später, dass der Mann an schweren Bissverletzungen im Gesicht verstorben ist. Polizei und Staatsanwaltschaft gehen eindeutig davon aus, dass die Verletzungen durch den Hund verursacht wurden; an dieser Bewertung gebe es „keinen Zweifel“.
Mangels Augenzeugen bleibt jedoch unklar, wie es zu der Eskalation zwischen Halter und Tier kam.
Wesenstest ohne Auffälligkeiten
Nun gibt es neue Entwicklungen.
Der Hund hat einen umfangreichen Wesenstest mit insgesamt 36 Alltagssituationen ohne Auffälligkeiten bestanden. Laut Gutachten zeigte das Tier weder gegenüber Menschen noch gegenüber anderen Hunden eine gesteigerte Aggressivität.
Auf Grundlage dieses Ergebnisses entschied der Landkreis Vechta, dass „Sam“ nicht eingeschläfert wird.
Inzwischen wurde auch die Rasse offiziell geklärt: Während zunächst von einer American Bulldog gesprochen wurde, handelt es sich tatsächlich um einen American Bully XL.
Hund derzeit im Tierschutzhof
Der Hund befindet sich derzeit im Tierschutzhof Dickel im Landkreis Diepholz. Die Familie des verstorbenen Halters – konkret dessen Bruder Daniel – möchte „Sam“ künftig selbst übernehmen und dauerhaft bei sich aufnehmen.
Nach Angaben aus dem Familienumfeld bereitet sich der Bruder bereits gezielt auf die Haltererlaubnis vor. Die theoretische Prüfung für den niedersächsischen Sachkundenachweis hat er demnach bereits bestanden, weitere Schulungen und Trainings sind geplant.
Er habe außerdem ausdrücklich erklärt, sämtliche behördlichen Auflagen zu akzeptieren, darunter Maulkorbpflicht in der Öffentlichkeit, der Besuch einer geeigneten Hundeschule mit Schwerpunkt Sozialisation sowie weitere behördliche Kontrollen.
Nach eigener Aussage besucht er den Hund derzeit nahezu täglich im Tierschutzhof, um die Bindung aufrechtzuerhalten.
Beweggründe der Familie
Die Familie begründet die geplante Übernahme mit der engen Verbundenheit zu dem Tier sowie dem Wunsch, im Andenken an den verstorbenen Bruder Verantwortung zu übernehmen. Sams Rückkehr werde auch als Chance gesehen, gemeinsam mit dem Hund zu trauern und ihm ein stabiles Umfeld zu geben.
Eine endgültige Entscheidung des Landkreises Vechta über die künftige Haltung steht jedoch noch aus.
Mögliche Auflagen und rechtlicher Rahmen
Sollte der Hund zurückgegeben werden, wird dies voraussichtlich nur unter strengen Auflagen erfolgen. Nach bisher bekannten Informationen könnten dazu Maulkorbpflicht, Leinenzwang, Sicherungsmaßnahmen bei der Unterbringung sowie verpflichtendes Training gehören.
Rechtlicher Hintergrund ist das niedersächsische Hundegesetz. Anders als in einigen anderen Bundesländern gibt es dort keine Rasseliste. Hunde werden nicht allein aufgrund ihrer Rasse, sondern anhand konkreter Vorfälle und einer individuellen Gefährlichkeitsprüfung eingestuft.
Trotz des bestandenen Wesenstests dürfte der Landkreis daher umfangreiche Sicherheitsauflagen festlegen, um das öffentliche Interesse zu berücksichtigen.
Bundesweite Debatte ausgelöst
Der Fall hat bundesweit eine Debatte über American Bully XL, sogenannte Listenhunde und die Gefährlichkeit bestimmter Hunderassen ausgelöst. Online-Petitionen setzten sich teilweise für eine „zweite Chance“ für den Hund ein.
Wann die endgültige Entscheidung über die Zukunft von „Sam“ fällt, ist derzeit noch offen.
Quelle der Meldung: Redaktion / Tierschutzhof Dickel