Menschliche Überreste bei Suche nach Kerstin Lee Langley gefunden
Redaktion Polizeiticker Deutschland
Seit Sommer 2007 fehlt von Kerstin Lee Langley aus Regensburg jede Spur. Ein neuer konkreter Hinweis führte die Polizei nun zu Grabungen bei Kadenzhofen. Dabei wurden menschliche Überreste entdeckt. Ob sie von der Vermissten stammen, soll die Rechtsmedizin klären.
Fast 19 Jahre nach dem Verschwinden von Kerstin Lee Langley gibt es eine bedeutende neue Entwicklung in dem Regensburger Cold Case.
Bei Grabungsarbeiten im Bereich Kadenzhofen im Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz haben Ermittler am Freitag, 9. Oktober 2026, menschliche Überreste gefunden. Ob sie von der seit Sommer 2007 vermissten Frau stammen, ist noch ungeklärt. Eine rechtsmedizinische Untersuchung soll die Identität klären.
Die Suche war durch einen neuen konkreten Hinweis ausgelöst worden, der bei der Kriminalpolizei Regensburg eingegangen war. Was genau die Ermittler nach Kadenzhofen führte, teilte die Polizei bislang nicht mit.
Seit Sommer 2007 spurlos verschwunden
Kerstin Lee Langley war 39 Jahre alt, als sie im Sommer 2007 verschwand. Die gebürtige Thalenserin war einige Zeit zuvor zu ihrem damaligen Lebensgefährten nach Regensburg gezogen und wohnte zuletzt in der Nothaftstraße.
Nachdem sie nicht mehr erreichbar war, meldete ihr Bruder sie als vermisst. Seitdem gibt es keine verlässlich bestätigte Spur mehr von ihr.
Langley war etwa 1,60 Meter groß, schlank, hatte braune Haare und grünbraune Augen.
Lebensgefährte sprach von einem „alten Freund“
Nach Angaben ihres damaligen Lebensgefährten soll Kerstin Langley sich von ihm getrennt haben und anschließend mit einem „alten Freund“ weggefahren sein.
Der Mann soll ein dunkles Auto mit einem Kennzeichen aus dem Raum Deggendorf gefahren haben. Den Ermittlern gelang es jedoch nicht, diesen angeblichen Bekannten ausfindig zu machen.
Die Aussage des Lebensgefährten blieb damit ein Ermittlungsansatz, konnte aber nicht unabhängig bestätigt werden. Ein Tatverdacht gegen ihn erhärtete sich nach Angaben der Polizei ebenfalls nicht.
Wann Langley zuletzt zweifelsfrei gesehen wurde und wohin sie anschließend gefahren sein könnte, ist öffentlich nicht bekannt.
Rätselhafte SMS an ihren 17-jährigen Sohn
Etwa zwei Monate nach ihrem Verschwinden kam ein weiteres rätselhaftes Detail hinzu.
Langleys damals 17 Jahre alter Sohn berichtete, eine SMS erhalten zu haben, die seiner Mutter zugeschrieben wurde. Darin soll gestanden haben:
„Hy, my Baby. Habe einen neuen Engel gefunden. Das Leben muss weitergehen.“
Ob Kerstin Langley die Nachricht tatsächlich selbst verfasste und verschickte, konnte nicht geklärt werden. Damit ist auch nicht belegt, dass sie zu diesem Zeitpunkt noch lebte.
Hinweis auf angebliches Grab führt ins Leere
Rund fünf Jahre nach ihrem Verschwinden meldete sich ein Mann bei der Polizei. Eine Bekannte habe ihm erzählt, ihr Ex-Mann habe Kerstin Langley und eine weitere Frau getötet. Sie wisse zudem, wo die Leichen vergraben seien.
Die Polizei überprüfte die Behauptung.
Dabei stellte sich heraus, dass die angeblich ebenfalls getötete zweite Frau lebte. Auch am genannten Ort wurde Kerstin Langley nicht gefunden. Die Spur führte zu keinem Ergebnis.
Fall 2024 bei „Aktenzeichen XY“
17 Jahre nach dem Verschwinden wandten sich die Regensburger Ermittler erneut an die Öffentlichkeit.
Im Juli 2024 wurde der Fall in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY … Vermisst“ vorgestellt. Auch Langleys Bruder trat in der Sendung auf. Seine Hoffnung, seine Schwester noch lebend wiederzusehen, war zu diesem Zeitpunkt gering. Er sagte: „Ich denke, sie wird nicht mehr leben.“
Nach der Ausstrahlung gingen einige Hinweise bei der Polizei ein, nach Behördenangaben allerdings nur eine kleine Zahl von Anrufen.
Das Bayerische Landeskriminalamt setzte für Hinweise, die zur Auffindung von Kerstin Langley führen, eine Belohnung von 10.000 Euro aus.
„Seher“ nennt möglichen Fundort im Paintner Forst
Unter den Hinweisen nach der Fernsehsendung befand sich auch eine ungewöhnliche Nachricht.
Ein Mann meldete sich per E-Mail bei der Polizei und bezeichnete sich selbst als „Seher“. Er übermittelte einen möglichen Ort, an dem sich die Leiche der Vermissten befinden könnte.
Die Polizei ging auch diesem Hinweis nach. Rund 40 Einsatzkräfte durchsuchten ein Waldgebiet im Paintner Forst zwischen den Landkreisen Regensburg und Kelheim.
Dabei fanden die Einsatzkräfte Teile eines Kieferknochens mit Zähnen. Nach erster Einschätzung handelte es sich wahrscheinlich um die Überreste eines Tieres; der Fund sollte dennoch noch einmal überprüft werden.
Weitere auffällige Gegenstände oder Spuren zu Kerstin Langley wurden bei der Suche nicht entdeckt.
Polizei schloss mehrere Szenarien nicht aus
Auch Jahre nach dem Verschwinden war nicht geklärt, was Kerstin Langley zugestoßen war.
Die Ermittler hielten grundsätzlich mehrere Möglichkeiten für denkbar: ein freiwilliges Verschwinden, einen Unfall oder ein Gewaltverbrechen. Nach Bewertung von Staatsanwaltschaft Regensburg und Kriminalpolizei konnte insbesondere ein Tötungsdelikt nicht ausgeschlossen werden.
Die offizielle Fahndung wurde deshalb ausdrücklich unter dem Verdacht eines möglichen Tötungsdelikts weitergeführt.
Neuer konkreter Hinweis führt nach Kadenzhofen
Im Oktober 2026 änderte sich die Lage erneut.
Bei der Kriminalpolizei Regensburg ging ein neuer Hinweis ein, den die Ermittler als konkret genug bewerteten, um umfangreiche Grabungsarbeiten im Bereich Kadenzhofen bei Berg im Landkreis Neumarkt einzuleiten.
Am Donnerstag, 8. Oktober, begannen die Einsatzkräfte mit der Suche. Nach Angaben einer Polizeisprecherin lag die Stelle am Waldrand und war lediglich über Feldwege erreichbar.
Zunächst wurde eine Fläche von etwa 100 Quadratmetern untersucht.
Am Freitag setzten die Ermittler die Grabungen fort und erweiterten den Suchbereich.
Menschliche Überreste bei Grabungen entdeckt
Im Verlauf dieser Arbeiten wurden schließlich menschliche Überreste gefunden.
Die Polizei bestätigte den Fund am 9. Oktober. Die Arbeiten vor Ort sollten im Laufe des Tages fortgesetzt werden, um möglicherweise weitere Überreste oder Spuren zu sichern.
Ob der Fund tatsächlich zu Kerstin Lee Langley gehört, ist bislang ausdrücklich nicht bestätigt.
Die Überreste werden nun rechtsmedizinisch untersucht. Erst diese Untersuchungen sollen klären, um wen es sich handelt.
Ebenso offen ist bislang, wie lange die Person am Fundort lag, woran sie starb und ob sich Hinweise auf ein Gewaltverbrechen ergeben.
Entscheidend ist nun die Rechtsmedizin
Sollten die Überreste Kerstin Langley zugeordnet werden können, würde sich nach fast 19 Jahren erstmals die Frage beantworten lassen, wo die Vermisste geblieben ist.
Damit wären jedoch längst nicht alle Rätsel des Falls gelöst. Weiterhin müsste geklärt werden, wann und unter welchen Umständen sie starb, wie sie nach Kadenzhofen gelangte und welche Bedeutung die früheren Angaben über einen angeblichen „alten Freund“ und dessen dunkles Auto tatsächlich hatten.
Bis die rechtsmedizinische Untersuchung abgeschlossen ist, bleibt deshalb entscheidend: Gefunden wurden menschliche Überreste – nicht bestätigt Kerstin Lee Langley.
Zeugenaufruf und Belohnung
Hinweise zum Verbleib der Vermissten nimmt die Kriminalpolizeiinspektion Regensburg unter 0941 / 506-2888 oder jede andere Polizeidienststelle entgegen.
Für Hinweise, die zur Auffindung von Kerstin Langley führen, wurden 10.000 Euro Belohnung ausgelobt.
Quelle der Polizeinachricht: Polizeipräsidium Oberpfalz / Redaktion