Mord an Joggerin in Lampertheim – Neue DNA-Spur und Hinweise
Redaktion Polizeiticker Deutschland
Fast zwei Jahre nach dem Mord an einer 36-jährigen Joggerin in Lampertheim gibt es einen neuen Ermittlungsansatz. Die Täter-DNA weist auf eine Verwandtschaft mit einem rumänischen Saisonarbeiter hin. Nach „Aktenzeichen XY“ gingen 40 neue Hinweise ein, die Belohnung liegt nun bei 20.000 Euro.
Fast zwei Jahre nach dem Mord an einer 36-jährigen Joggerin im Lampertheimer Wald gibt es einen neuen Ermittlungsansatz.
Täter-DNA weist auf Verwandtschaft mit Saisonarbeiter hin
Im Mittelpunkt der neuen Ermittlungen steht eine DNA-Spur, die am Opfer gesichert worden war. Ein direkter Treffer in den vorhandenen Datenbanken gelang bislang nicht. Im Zuge der umfangreichen Vergleichsuntersuchungen zeigte sich jedoch eine teilweise Übereinstimmung mit der DNA eines rumänischen Staatsbürgers, der zur Tatzeit als Saisonarbeiter in einem landwirtschaftlichen Betrieb bei Lampertheim beschäftigt gewesen war.
Der Mann hatte – wie mehr als 1.300 weitere Personen – freiwillig eine Speichelprobe abgegeben. Nach Angaben aus der Sendung deutet die genetische Auswertung darauf hin, dass zwischen ihm und dem unbekannten Täter eine gemeinsame väterliche Verwandtschaftslinie bestehen könnte. Der Saisonarbeiter selbst gilt damit nicht automatisch als Tatverdächtiger.
Nach den bisherigen Erkenntnissen könnte der gesuchte Täter beispielsweise ein entfernter Cousin oder Onkel zweiten, dritten oder vierten Grades des Mannes sein. Möglich ist auch, dass der Saisonarbeiter selbst keinerlei Kenntnis von dieser verwandtschaftlichen Verbindung hat.
Ermittler prüfen mögliche Verbindung nach Rumänien
Aus der neuen DNA-Auswertung ergibt sich für die Mordkommission ein weiterer Ansatz: Der Täter könnte ebenfalls aus Rumänien oder einem anderen osteuropäischen Land stammen.
Die Ermittler halten es zudem für möglich, dass auch der unbekannte Täter zeitweise als Saisonkraft in der Region gearbeitet hat. Nach Einschätzung der Kriminalpolizei dürfte sich die gesuchte Person zumindest für eine gewisse Zeit im Umfeld des Tatortes aufgehalten haben.
Diese Spur ist für die Ermittler deshalb von besonderer Bedeutung, weil in der Region Lampertheim und Bürstadt zahlreiche landwirtschaftliche Betriebe regelmäßig Saisonkräfte beschäftigen.
DNA erlaubt Rückschlüsse auf äußeres Erscheinungsbild
Die genetische Spur liefert nicht nur Hinweise auf eine mögliche familiäre Herkunft. Mithilfe einer sogenannten DNA-Phänotypisierung konnten die Ermittler auch Wahrscheinlichkeitsaussagen zum äußeren Erscheinungsbild des unbekannten Mannes treffen.
Demnach dürfte der Täter wahrscheinlich braune Haare, dunkle Augen und einen hellen Hauttyp haben.
Die Analyse ersetzt kein Fahndungsfoto und erlaubt keine eindeutige Identifizierung. Sie soll den Ermittlern jedoch helfen, mögliche Personen aus dem Umfeld der neuen DNA-Spur weiter einzugrenzen.
Polizei sucht erneut nach auffälliger Person auf Baumstämmen
Parallel zur neuen DNA-Spur suchen die Ermittler weiterhin nach einer Person, die bereits am Morgen des Tattages im Umfeld des späteren Tatortes aufgefallen war.
Zeugen hatten diese Person auf Baumstämmen sitzend beobachtet. Sie soll den Kopf in die Hände gestützt haben. Beschrieben wird sie als etwa 30 bis 50 Jahre alt, von normaler Statur und mit hellem Hauttyp.
Bekleidet war die Person demnach mit einem weiten schwarzen Oberteil, blauen Jeans und schwarzen Schuhen.
Die Polizei betont, dass bislang nicht feststeht, welche Rolle diese Person spielt. Sie könnte mit der Tat in Verbindung stehen – ebenso ist möglich, dass es sich lediglich um einen bislang unbekannten wichtigen Zeugen handelt.
Gezielter Aufruf an landwirtschaftliche Betriebe
In der Sendung richtete sich Polizeihauptkommissarin Cindy Graf gezielt an landwirtschaftliche Betriebe in Lampertheim und Bürstadt.
Die Ermittler wollen wissen, ob es unmittelbar nach dem 16. September 2024 bei einem Betrieb zu einer ungeplanten oder überraschenden Abreise eines Arbeiters kam. Von besonderem Interesse sind Saisonkräfte, die plötzlich verschwanden, ihre Beschäftigung abbrachen oder anschließend nicht mehr zurückkehrten.
Auch auffällige Verhaltensänderungen von Beschäftigten nach der Tat könnten für die Mordkommission von Bedeutung sein.
Rund 40 neue Hinweise nach „Aktenzeichen XY“
Die erneute TV-Fahndung hat bereits zu neuen Reaktionen geführt. Nach der Ausstrahlung am Mittwochabend, 9. September, gingen rund 40 neue Hinweise bei der Mordkommission ein.
Sebastian Knell, Sprecher der Staatsanwaltschaft Darmstadt, bestätigte den Eingang der Hinweise. Diese würden nun geprüft und ausgewertet.
Zu einzelnen Inhalten äußerten sich die Ermittler bislang nicht. Weitere Angaben würden aus ermittlungstaktischen Gründen nicht gemacht.
Belohnung inzwischen auf 20.000 Euro erhöht
Auch die Belohnung für Hinweise wurde deutlich erhöht.
Die Staatsanwaltschaft Darmstadt hatte zunächst 5.000 Euro für Informationen ausgelobt, die zur Ergreifung des Täters führen.
Während der Sendung wurde zusätzlich bekannt, dass eine private Initiative weitere 15.000 Euro zur Verfügung stellt.
Damit sind inzwischen insgesamt 20.000 Euro Belohnung für den entscheidenden Hinweis ausgesetzt.
Was am 16. September 2024 geschah
Die 36-jährige Frau, eine Lehrerin und Mutter zweier Kinder, war am Morgen des 16. September 2024 zum Joggen in den Lampertheimer Stadtwald gefahren.
Gegen 10:30 Uhr stellte sie ihr Fahrzeug auf dem Waldparkplatz am Lorscher Weg ab und lief von dort in den Wald.
Nach den bisherigen Erkenntnissen traf sie gegen 11 Uhr vermutlich auf ihren späteren Angreifer. Ein Zeuge soll zu diesem Zeitpunkt Schreie gehört haben, konnte diese jedoch nicht lokalisieren.
Gegen 11:45 Uhr fanden Spaziergänger die schwer verletzte beziehungsweise bereits leblose Frau etwa 1,2 Kilometer vom Parkplatz entfernt in der Nähe der Grillhütte Heidetränke beziehungsweise des Freizeitgeländes Neuschloß.
Mehrere Messerstiche – Handy später bei Bürstadt gefunden
Die Frau war mit mehreren Messerstichen getötet worden.
Nach der Tat nahm der Täter ihr Mobiltelefon aus der Bauchtasche. Zwei Tage später wurde das Gerät rund zwei Kilometer entfernt in Richtung Bürstadt aufgefunden.
Warum der Täter das Telefon an sich nahm und anschließend wegwarf oder zurückließ, ist bis heute nicht geklärt.
Auch das Motiv ist weiterhin offen. Nach dem derzeit bekannten Ermittlungsstand wurden sowohl eine Beziehungstat als auch ein Sexualdelikt ausgeschlossen. Damit bleibt weiterhin ungeklärt, ob die 36-Jährige gezielt ausgewählt wurde oder ihrem späteren Mörder zufällig begegnete.
Rund 1.300 DNA-Proben bereits ausgewertet
Die Mordkommission „1609“ arbeitet seit der Tat mit rund 30 Ermittlerinnen und Ermittlern an dem Fall.
Im Zuge der Ermittlungen wurden rund 1.300 freiwillige DNA-Proben von Zeugen und anderen Personen ausgewertet. Ein vollständiger Treffer zur am Opfer gesicherten männlichen DNA gelang bislang nicht.
Gerade aus dieser großen Vergleichsaktion stammt nun jedoch der neue Ansatz über die teilweise Übereinstimmung mit der DNA des rumänischen Saisonarbeiters.
Fall bereits 2024 erstmals bei „Aktenzeichen XY“
Der Mord war bereits wenige Wochen nach der Tat am 2. Oktober 2024 erstmals Thema bei „Aktenzeichen XY … ungelöst“.
Auch damals hofften Polizei und Staatsanwaltschaft, über die bundesweite Ausstrahlung neue Zeugen zu erreichen. Zahlreiche Hinweise gingen ein, der entscheidende Durchbruch blieb jedoch aus.
Die zweite Vorstellung am 9. September 2026 erfolgte nun mit deutlich konkreteren Ermittlungsansätzen – insbesondere der neuen DNA-Verwandtschaftsspur.
Mordkommission bittet weiterhin um Hinweise
Die Ermittler suchen weiterhin Menschen, die Angaben zu verdächtigen Personen, möglichen Saisonarbeitern oder ungewöhnlichen Abreisen aus landwirtschaftlichen Betrieben nach dem 16. September 2024 machen können.
Auch Hinweise auf die bislang unbekannte Person, die am Tattag auf Baumstämmen gesehen wurde, bleiben für die Ermittlungen wichtig.
Hinweise nimmt die Mordkommission „1609“ unter folgenden Kontaktdaten entgegen:
Hinweistelefon: 06252 / 706-500
Mordkommission: 06252 / 706-0
E-Mail: moko.1609.ppsh@polizei.hessen.de
Fast zwei Jahre nach dem Mord hoffen die Ermittler damit auf einen entscheidenden Durchbruch. Die Kombination aus der neuen DNA-Verwandtschaftsspur, den 40 frischen Hinweisen und der deutlich erhöhten Belohnung könnte nun erstmals dazu führen, den Kreis um den bislang unbekannten Täter enger zu ziehen.
Quelle der Meldung: Polizeipräsidium Südhessen / Redaktion