Mord an Sonja K. in St. Tönis 1995 – Tatverdächtiger festgenommen
Redaktion Polizeiticker Deutschland
Mehr als 31 Jahre nach dem Mord an einer 24-jährigen Lidl-Filialleiterin in St. Tönis sitzt ein ehemaliger Ladendetektiv in Untersuchungshaft. Eine jahrzehntealte Spur brachte die Ermittler auf seine Fährte.
Fast 32 Jahre nach dem Raubmord an einer 24-jährigen Lidl-Filialleiterin im niederrheinischen St. Tönis haben Polizei und Staatsanwaltschaft einen Ermittlungserfolg erzielt.
Ein inzwischen 59 Jahre alter ehemaliger Ladendetektiv steht unter dringendem Mordverdacht und sitzt seit vergangener Woche in Untersuchungshaft.
Der Mann, ein in Deutschland geborener italienischer Staatsangehöriger, wurde in seiner Wohnung in Krefeld festgenommen. Nach Angaben der Ermittler ließ er sich widerstandslos festnehmen und verhielt sich ruhig und kooperativ. Zu den Tatvorwürfen schweigt er bislang.
Entscheidend für die Festnahme waren moderne DNA-Untersuchungen an Spuren, die bereits 1995 am Tatort gesichert worden waren.
Filialleiterin 1995 gefesselt und erdrosselt
Am Morgen des 25. Januar 1995 waren gegen 8.30 Uhr mehrere Täter in eine Lidl-Filiale in St. Tönis eingedrungen. Die damals 24-jährige Filialleiterin Sonja K. war zu diesem Zeitpunkt damit beschäftigt, Waren in die Regale einzuräumen.
Spuren im Geschäft deuteten darauf hin, dass die junge Frau zwischen den Regalen angegriffen wurde. Die Täter fesselten ihre Hände auf dem Rücken und erdrosselten sie. Anschließend brachten sie die Leiche in die Toilettenräume der Filiale.
Dort wurde die 24-Jährige später von einer Kollegin entdeckt. Diese versuchte noch, das Klebeband vom Mund ihrer Vorgesetzten zu entfernen.
Aus dem Tresor des Geschäfts wurden mehrere Tausend D-Mark entwendet. Der Schlüsselbund der Getöteten, an dem sich auch der Tresorschlüssel befand, ist bis heute verschwunden.
Wie die Täter damals in die Filiale gelangten, konnte bislang nicht geklärt werden.
Alte DNA-Spuren führen nach Jahrzehnten zu Tatverdächtigem
Die Mordkommission ging bereits 1995 mehr als 100 Spuren nach. Dabei geriet auch die Detektei in den Fokus, die für den Einsatz von Ladendetektiven in der Filiale verantwortlich war.
Der heute 59-jährige Beschuldigte hatte bis Ende 1994 selbst als Ladendetektiv in dem Geschäft gearbeitet. Sein Einsatz dort war damit bereits einige Monate vor dem Mord beendet worden.
Da die Möglichkeiten der DNA-Analyse damals noch stark eingeschränkt waren, wurden die Ermittlungen 1996 eingestellt.
Entscheidende Beweismittel blieben jedoch erhalten. Die Ermittler hatten den Leichnam seinerzeit mit speziellen Folien abgeklebt, um Textilfasern und andere Spuren zu sichern. Diese Folien wurden über Jahrzehnte aufbewahrt.
Auf ihnen befanden sich winzige Hautschuppen, aus denen sich mit heutigen Untersuchungsmethoden DNA gewinnen ließ.
Anfang 2026 baten die Ermittler sämtliche damaligen Ladendetektive der zuständigen Detektei um Speichelproben. Bei der anschließenden Auswertung ergab sich eine Übereinstimmung mit der DNA des heute 59-jährigen Beschuldigten.
Nach Einschätzung der Ermittler können die Spuren nicht mehr aus seiner früheren Tätigkeit in der Filiale stammen. Da sein Einsatz bereits Monate vor der Tat beendet worden war, seien ältere Spuren auf der Kleidung der Getöteten durch zwischenzeitliches Waschen entfernt worden.
Die Ermittler gehen deshalb davon aus, dass die DNA im Zusammenhang mit dem Angriff auf die 24-Jährige auf ihre Kleidung gelangte.
Haftbefehl wegen Mordes – weitere Täter vermutet
Staatsanwältin Rahel Plass erklärte, dass das Amtsgericht Krefeld einen Haftbefehl wegen Mordes erlassen habe. Als mögliches Mordmerkmal gilt Habgier. Auch ein Mord zur Verdeckung einer anderen Straftat wird nicht ausgeschlossen.
Die Ermittler prüfen unter anderem, ob die Filialleiterin den früheren Ladendetektiv wiedererkannt haben könnte und deshalb getötet wurde.
Der Verdächtige sitzt weiterhin in Untersuchungshaft. Die Unschuldsvermutung gilt.
Die Polizei geht außerdem davon aus, dass weitere Personen an dem Raubmord beteiligt waren. Nach möglichen Mittätern wird weiterhin gesucht.
Brüder des Mordopfers nach mehr als 31 Jahren informiert
Für die Angehörigen der Getöteten bedeutet die Festnahme nach mehr als drei Jahrzehnten eine wichtige Entwicklung. Die Eltern von Sonja K. sind inzwischen verstorben. Ihre beiden Brüder konnten jedoch über die Festnahme informiert werden.
Ermittlungsleiterin Stefanie Kohnen berichtete, dass die Nachricht an die Brüder für die Ermittler besonders bedeutsam gewesen sei. Mehr als 31 Jahre hätten sie auf einen solchen Ermittlungserfolg gewartet.
Zu den heutigen Lebensumständen des Beschuldigten machten Polizei und Staatsanwaltschaft keine Angaben. Die Ermittlungen zu möglichen weiteren Tatbeteiligten dauern an.
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