Header Logo

Polizei

ticker

Baden Wuerttemberg
Bayern
Berlin
Brandenburg
Bremen
Hamburg
Hessen
Mecklenburg Vorpommern
Niedersachsen
Nordrhein Westfalen
Rheinland Pfalz
Saarland
Sachsen
Sachsen Anhalt
Schleswig Holstein
Thueringen
Canton Icon

Mordfall Fabian – Bericht vom Prozess gegen Tatverdächtige Gina H.

Redaktion Polizeiticker Deutschland

Nächster ❯

Ein junges Kind steht im Vordergrund und lächelt. Im Hintergrund befindet sich eine Wiese mit einer Ziege. Eine Holzzäune umgibt den Bereich.

Der 8-jährige Fabian galt tagelang als vermisst. (Bildquelle: Polizeipräsidium Rostock)

Der Bericht fasst die bisherigen Verhandlungstage im Mordprozess gegen Gina H. chronologisch zusammen: Von den ersten Zeugenaussagen über belastende DNA- und Handydaten bis zu den Konflikten um Fabians Vater und dessen Familie vor dem Landgericht Rostock.

Mordprozess um Fabian aus Güstrow: Vater verteidigt Angeklagte – Richter ringt um Fassung

Vor dem Landgericht Rostock läuft seit Ende April 2026 einer der aufsehenerregendsten Mordprozesse des Jahres in Mecklenburg-Vorpommern. Angeklagt ist die 30-jährige Gina H., der die Staatsanwaltschaft vorwirft, den achtjährigen Fabian aus Güstrow heimtückisch ermordet zu haben.
Nach Überzeugung der Anklage soll Gina H. den Jungen am 10. Oktober 2025 unter einem Vorwand aus der Wohnung seiner Mutter gelockt und anschließend zu einem abgelegenen Tümpel bei Klein Upahl gefahren haben. Dort soll sie Fabian mit mindestens sechs Messerstichen getötet haben. Anschließend soll sie den Leichnam mit Brandbeschleuniger angezündet haben, um Spuren zu vernichten.
Das Bild zeigt eine Luftaufnahme eines fast ausgetrockneten Tümpels, umgeben von grüner Vegetation. Der Wasserstand ist sehr niedrig und der Boden ist sichtbar.

Am Tümpel, wo Fabians Leiche abgelegt und verbrannt werden sollte, wird im Mordprozess gegen Gina H. verhandelt. (Bildquelle: Polizeipräsidium Rostock)

Das mutmaßliche Motiv wiegt schwer: Laut Staatsanwaltschaft sah Gina H. das Kind als Hindernis für eine erneute Beziehung mit Fabians Vater Matthias R., von dem sie sich wenige Wochen zuvor getrennt hatte. Besonders brisant: Ausgerechnet Gina H. meldete vier Tage nach Fabians Verschwinden den Fund der Leiche – angeblich zufällig.
Der Prozess unter Vorsitz von Richter Holger Schütt entwickelte sich bereits nach wenigen Verhandlungstagen zu einem emotionalen und teilweise verstörenden Verfahren. Vor allem das Verhalten von Fabians Vater sorgt im Gerichtssaal immer wieder für Fassungslosigkeit.

1. Prozesstag: Prozessauftakt unter enormem Druck

Zum Auftakt Ende April 2026 herrschte großes Medieninteresse vor dem Gericht. Fabians Mutter Dorina L. trat als Nebenklägerin auf.
Die Staatsanwaltschaft verlas die gekürzte Version der Anklageschrift. Die vollständigen Ermittlungsakten umfassen laut Gericht 63 Seiten. Der zuständige Staatsanwalt zeichnete dabei das Bild einer aus egoistischen Motiven handelnden Täterin, die das Kind beseitigt haben soll, um den ehemaligen Partner zurückzugewinnen.
Gina H. selbst schwieg zu sämtlichen Vorwürfen. Ihre Verteidiger Andreas Ohm und Thomas Löcker erklärten, die Angeklagte werde sich zunächst nicht zur Sache äußern und bestreite die Tat.
Der erste Verhandlungstag endete bereits nach 17 Minuten aus formalen Gründen.
Ein großes, rotes Backsteingebäude steht neben einer Kreuzung, an der mehrere Autos parken und zwei Fußgänger mit einem Fahrrad bei einer roten Ampel stehen.

Am Landgericht Rostock findet derzeit der Prozess gegen die Tatverdächtige Gina H. statt. (Bildquelle: Von MyRobotron - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=42785324)

2. Prozesstag: Vater glaubt an Unschuld der Angeklagten

Am zweiten Verhandlungstag standen Fabians Eltern im Mittelpunkt.
Fabians Mutter Dorina L. schilderte ihren Sohn unter Tränen als liebevollen, hilfsbereiten und zuverlässigen Jungen. Sie berichtete von den Tagen der Angst und Verzweiflung nach seinem Verschwinden und blickte der Angeklagten mehrfach direkt ins Gesicht.
Für Entsetzen sorgte anschließend die Aussage von Fabians Vater Matthias R.
Entgegen früherer Aussagen bei der Polizei distanzierte er sich plötzlich von den Ermittlungsbehörden und erklärte offen, dass er Gina H. für unschuldig halte. Zudem gab er an, seit mehreren Monaten wieder mit der Angeklagten zusammen zu sein – obwohl diese wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft sitzt.
Besonders irritierend wirkte auf Prozessbeobachter, dass der Vater Konflikte mit Gina H. herunterspielte und im Zeugenstand sogar einen unpassenden „Schlafzimmerwitz“ machte.
Richter Holger Schütt reagierte sichtbar erschüttert und sagte zum Vater:
„Ich flehe Sie fast an, das ist Ihr Sohn, nicht meiner.“
Auch die Nebenklage reagierte empört. Rechtsanwältin Christine Habetha erklärte, der Vater versuche der Kindesmutter indirekt eine Mitschuld zuzuschieben. Auffällig sei zudem gewesen, dass er seine Ex-Partnerin vor Gericht nur noch mit ihrem Nachnamen bezeichnete.
Luftaufnahme zeigt eine landwirtschaftliche Fläche mit einem markierten Fundort bei Klein Upahl, nahe dem Groß Upahler See.

Die Karte zeigt den Fundort des ermordeten Jungen Fabian bei Klein Upahl, der im Mordprozess gegen Gina H. eine zentrale Rolle spielt. (Bildquelle: Polizeipräsidium Rostock)

3. Prozesstag: Chats und Sprachnachrichten belasten Gina H.

Mitte Mai rückten digitale Beweise in den Mittelpunkt der Verhandlung.
Das Gericht wertete zahlreiche Chatverläufe sowie Sprachnachrichten von Gina H. aus. Die Inhalte zeichneten laut Gericht das Bild einer hochgradig toxischen Beziehung. In den Nachrichten soll Gina H. massiven Kontrollzwang, extreme Eifersucht und Hassgefühle gegenüber dem familiären Umfeld von Matthias R. gezeigt haben.
Besonders belastend wirkte laut Gericht ein weiterer digitaler Fund: Gina H. soll bereits nach Vermisstenanzeigen gesucht haben, bevor Matthias R. sie überhaupt über Fabians Verschwinden informiert hatte.
Zusätzlich wurde eine von Gina H. formulierte Trauerrede für Fabian thematisiert. Dass Matthias R. diese vor Gericht sogar lobte, sorgte erneut für sichtbares Unverständnis bei Richter Schütt.
Die Widersprüche zwischen den früheren Aussagen des Vaters und seinen aktuellen Angaben wurden schließlich so gravierend, dass die Staatsanwaltschaft noch während des laufenden Prozesses ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Falschaussage gegen ihn einleitete.
Oberstaatsanwalt Harald Nowack erklärte, der Vater sei offensichtlich nicht an einer objektiven Wahrheitsfindung interessiert.

4. Prozesstag: Freunde schildern Fabians schwieriges Umfeld

Am vierten Verhandlungstag sagten Fabians Freunde, Spielkameraden und die Mutter seines besten Freundes aus.
Die Zeugin beschrieb Fabian als einsamen Jungen, der häufig nach Nähe und Aufmerksamkeit gesucht habe. Er sei oft hungrig gewesen und habe sich ungeliebt gefühlt. Teilweise sei er abends allein gewesen, während seine Mutter im Garten Alkohol getrunken habe.
Mehrere Kinder wurden in geschütztem Rahmen oder per Videoschaltung angehört.
Ein enger Freund des getöteten Jungen erklärte, Fabian wäre „niemals mit einem Fremden mitgegangen“. Diese Aussage gilt als wichtig für die Theorie der Ermittler, wonach Fabian seine mutmaßliche Täterin gut gekannt haben muss.
Zwei Kinder sitzen jeweils in einem Traktor oder Bagger und zeigen fröhlich das Peace-Zeichen. Links trägt das Kind ein blaues T-Shirt, rechts ein dunkles Sweatshirt.

Der Mordprozess um den achtjährigen Fabian aus Güstrow sorgt für großes Aufsehen; die Suche nach dem Täter läuft weiter. (Bildquelle: Polizeipräsidium Rostock)

5. Prozesstag: Aussage der Großmutter schockiert Gerichtssaal

Am 21. Mai 2026 kam es zu einem der emotional belastendsten Tage des gesamten Prozesses.
Eigentlich sollte eine IT-Ermittlerin aussagen. Kurzfristig entschied das Gericht jedoch, zunächst Fabians Großmutter Monika R. zu vernehmen.
Die Zeugin beantwortete zahlreiche Fragen lediglich mit „Weiß ich nicht“ oder „Kann ich nicht sagen“. Schließlich räumte sie ein, dass ihr Sohn Matthias R. ihr geraten habe, bei Unsicherheiten einfach mit „Nein“ zu antworten.
Der Vorsitzende Richter versuchte mehrfach, die Großmutter zum Reden zu bewegen. Schließlich fragte Holger Schütt sichtbar fassungslos:
„Würden Sie gerne wissen, was mit Fabian passiert ist?“
Die Antwort der Großmutter sorgte im Saal für minutenlanges Schweigen:
„Nein, möchte ich nicht.“
Selbst der Staatsanwalt brach die Befragung schließlich entnervt ab mit den Worten:
„Das bringt nichts.“

Kriminalbeamtin schildert grausame Details

Im weiteren Verlauf sagte eine Kriminalbeamtin zu den Ermittlungen aus.
Sie berichtete, dass Gina H. zunächst behauptet habe, am Tattag den gesamten Tag „im Pferdestall“ gewesen zu sein. Später soll sie Matthias R. in der Untersuchungshaft jedoch eine andere Version geschildert haben.
Die Ermittlerin schilderte außerdem die Situation am Fundort der Leiche. Der Körper des Kindes sei größtenteils verbrannt gewesen.
Fabians Mutter Dorina L. brach daraufhin im Gerichtssaal zusammen und musste weinend hinausgeführt werden.
Ein orangefarbener Pickup mit speziellen Markierungen steht auf einer grasbewachsenen Wiese. Bäume sind im Hintergrund sichtbar, was auf eine ländliche Umgebung hindeutet.

Der beschlagnahmte Ford Ranger spielt eine zentrale Rolle im Mordprozess um den achtjährigen Fabian aus Güstrow. (Bildquelle: Polizeipräsidium Rostock)

Streit um Aussage einer Nachbarin

Zusätzliche Spannung entstand durch die Aussage einer Nachbarin aus der Schweriner Straße.
Die Zeugin erklärte mit „100-prozentiger Sicherheit“, sie habe den auffällig lackierten Geländewagen von Gina H. am Vormittag des Verschwindens in unmittelbarer Nähe von Fabians Wohnhaus gesehen.
Verteidiger Thomas Löcker griff diese Aussage jedoch massiv an. Laut Verteidigung würden Überwachungskameras zeigen, dass sich das Fahrzeug zu diesem Zeitpunkt bereits stadtauswärts bewegt habe.
Löcker warnte davor, sich in einem Verfahren mit möglicher lebenslanger Freiheitsstrafe auf fehlerhafte Erinnerungen zu stützen.

Beweislage belastet Angeklagte weiter

Trotz des Schweigens von Gina H. verdichten sich die Belastungsindizien.
Ermittler fanden unter anderem Blutspuren auf einer Küchenrolle im Fahrzeug der Angeklagten. Zusätzlich wurden Textilfasern sowie Schuhabdrücke gesichert, die laut Staatsanwaltschaft zu Gina H. führen sollen.
Die mutmaßliche Tatwaffe – ein Messer – konnte bislang jedoch nicht gefunden werden. Ermittler suchten mit Metalldetektoren unter anderem in Schlammgebieten und auf Mistplatten, bislang ohne Erfolg.

Nächster Prozesstag: Gericht prüft nun das Alibi des Vaters

Der nächste, sechste Verhandlungstag ist für den 27. Mai 2026 angesetzt.
Dabei soll insbesondere das Alibi von Fabians Vater Matthias R. am Tattag detailliert überprüft werden. Dieser Punkt gilt als besonders brisant, nachdem die Staatsanwaltschaft bereits Ermittlungen wegen des Verdachts der Falschaussage gegen ihn eingeleitet hat.
Zudem soll die IT-Beweisaufnahme fortgesetzt werden. Nachdem eine Polizeibeamtin am fünften Prozesstag kurzfristig zurückgestellt wurde, werden nun weitere Ermittler der Kriminalpolizei erwartet. Im Mittelpunkt stehen die vertiefte Auswertung der digitalen Forensik, darunter Handydaten, GPS-Bewegungsprofile und die auffälligen Suchanfragen von Gina H.

Prozess wohl bis September 2026

Der Mordprozess gilt inzwischen als hochkomplex und emotional extrem belastend. Vor allem das Verhalten des familiären Umfelds des Vaters erschwert nach Einschätzung von Prozessbeobachtern die Aufklärung erheblich.
Da weitere Zeugen, digitale Auswertungen und Sachverständige gehört werden sollen und parallel gegen Matthias R. wegen möglicher Falschaussage ermittelt wird, rechnet das Gericht mit einer deutlichen Verlängerung des Verfahrens.
Weitere Termine am Landgericht Rostock sind derzeit bis September 2026 angesetzt.
Quelle der Polizeinachricht: Staatsanwaltschaft Rostock / Redaktion

Kategorien:

Mecklenburg-Vorpommern
Aktuell
Ausland

Nächster ❯

Mordfall Fabian – Bericht vom Prozess gegen Tatverdächtige Gina H.