München – Diamantenhändler nach Geschäftstreffen getötet
Redaktion Polizeiticker Deutschland
Ein Diamantenhändler verschwindet nach einem Geschäftstreffen in der Münchner Motorworld. Wenige Tage später wird seine Leiche gefunden. Ein 37-Jähriger sitzt wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft.
Diamantenhändler verschwindet nach Treffen in der Motorworld – Ermittler gehen von Mord aus
Was zunächst wie ein gewöhnlicher Vermisstenfall begann, entwickelte sich innerhalb weniger Tage zu einem mutmaßlichen Tötungsdelikt. Der 51-jährige Diamantenhändler Jaroslav H. aus dem Landkreis Starnberg verschwand nach einem Geschäftstermin in der Münchner Motorworld spurlos. Wenige Tage später fanden Ermittler seinen Leichnam. Ein 37-jähriger Mann sitzt inzwischen wegen des Verdachts des Mordes aus Habgier in Untersuchungshaft.
Der Geschäftstermin, von dem der Unternehmer nicht zurückkehrte
Am Mittwoch, 15. Juli 2026, bricht der 51-jährige Unternehmer zu einem Treffen in der Motorworld München im Stadtteil Freimann auf. Nach bisherigen Erkenntnissen wollte er dort einen hochwertigen Diamanten an einen vermeintlichen Käufer verkaufen. Der Wert des Edelsteins soll sich im fünfstelligen Bereich bewegt haben.
Als Jaroslav H. am Abend weder zu einem vereinbarten Anwaltstermin erscheint noch für seine Lebensgefährtin erreichbar ist, wächst die Sorge. In der Nacht auf Donnerstag, den 16. Juli, meldet sie ihn gegen 3.30 Uhr bei der Polizei als vermisst.
Aus einem Vermisstenfall werden Mordermittlungen
Zunächst behandeln die Ermittler den Fall als Vermisstensache. Konkrete Hinweise auf ein Gewaltverbrechen gibt es zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Die üblichen Fahndungs- und Ermittlungsmaßnahmen werden eingeleitet und der Fall an das zuständige Kommissariat für Vermisstenfälle übergeben.
Noch am Morgen übernimmt die Kriminalpolizei Fürstenfeldbruck die weiteren Ermittlungen, da sich Wohnort und Lebensmittelpunkt des Vermissten im Landkreis Starnberg befinden.
Im Laufe des Tages entdecken Ermittler den BMW des 51-Jährigen auf einem Parkplatz an einem gewerblich genutzten Objekt in München-Freimann – der Motorworld. Aufgrund der Auffindesituation und erster Auffälligkeiten wird bereits früh das Kommissariat 11, zuständig für Tötungsdelikte, hinzugezogen.
Grausamer Zufall führt Ermittler zunächst auf eine falsche Spur
Während die Suche nach dem Vermissten läuft, erhält seine Lebensgefährtin einen Anruf. Ein unbekannter Mann behauptet, Jaroslav H. sei eingesperrt worden und könne nur gegen Zahlung von Geld freikommen. Die Frau informiert sofort die Polizei und geht zum Schein auf die Forderung ein.
Als ein Geldabholer an ihrer Wohnung erscheint, greifen die Beamten zu. Schnell stellt sich jedoch heraus, dass der Mann nichts mit dem Verschwinden des Unternehmers zu tun hat. Er soll lediglich als Handlanger einer Betrügerbande fungiert haben, die mit sogenannten Schockanrufen Geld erbeuten wollte. Dass der Anruf ausgerechnet auf einen tatsächlich vermissten Mann traf, stellte sich als tragischer Zufall heraus.
Blutspuren und Videoaufnahmen verändern die Ermittlungen
Am Freitag, 17. Juli, verdichten sich die Hinweise auf ein Gewaltverbrechen erheblich. In der Tiefgarage der Motorworld entdecken Ermittler Blutspuren im Bereich des abgestellten Fahrzeugs des Vermissten. Gleichzeitig sichern sie Aufnahmen der Überwachungskameras.
Diese zeigen, wie Jaroslav H. gemeinsam mit einem Mann das Gelände betritt beziehungsweise sich dort bewegt. Wenig später verlässt derselbe Mann das Areal alleine. Von dem 51-Jährigen fehlt jede Spur.
Mit diesen Erkenntnissen stufen Polizei und Staatsanwaltschaft den Vermisstenfall zunehmend als mutmaßliches Tötungsdelikt ein.
Große Suchaktion im Anzinger Forst
Am Sonntag, 19. Juli, ergeben sich Hinweise darauf, dass der Leichnam des Unternehmers im Anzinger Forst östlich von München abgelegt worden sein könnte.
Die Polizei startet eine groß angelegte Suchaktion. Hundertschaften, Diensthunde, Drohnen und ein Polizeihubschrauber durchkämmen das weitläufige Waldgebiet. Dabei stoßen die Einsatzkräfte auf eine ausgehobene Grube. Ob diese tatsächlich für das Opfer bestimmt war, ist bislang ungeklärt. Der Vermisste wird dort jedoch nicht gefunden.
Tatverdächtiger festgenommen
Parallel zu den Suchmaßnahmen laufen die kriminalpolizeilichen Ermittlungen auf Hochtouren. Dabei gerät ein 37-jähriger Mann aus dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen zunehmend in den Fokus.
Nach bisherigen Erkenntnissen bestand zwischen ihm und dem späteren Opfer eine Geschäftsbeziehung. Die Ermittler gehen davon aus, dass beide sich am Tattag in der Motorworld zu dem geplanten Diamantengeschäft getroffen hatten.
Am Montag, 20. Juli, wird der Tatverdächtige an seinem Wohnort festgenommen. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft München I erlässt das Amtsgericht München einen Tag später Haftbefehl wegen Mordes. Die Ermittler sehen derzeit Anhaltspunkte für das Mordmerkmal der Habgier.
Leichnam im Landkreis Garmisch-Partenkirchen entdeckt
Während der Beschuldigte bereits in Untersuchungshaft sitzt, setzen die Ermittler ihre Suchmaßnahmen fort. Diese konzentrieren sich nun auch auf den Landkreis Garmisch-Partenkirchen.
Am späten Nachmittag des 21. Juli wird schließlich der Leichnam des 51-Jährigen aufgefunden. Einen Tag später bestätigt die Obduktion die Identität des Toten. Nach Angaben der Rechtsmedizin starb Jaroslav H. infolge massiver Gewalteinwirkung. Die Ermittler gehen eindeutig von einer gewaltsamen Fremdeinwirkung aus.
Ermittlungen zum Tatablauf dauern an
Nach aktuellem Stand gehen Polizei und Staatsanwaltschaft davon aus, dass das Tatmotiv im geschäftlichen Umfeld der beiden Männer zu suchen ist. Im Mittelpunkt steht das geplante Diamantengeschäft, zu dem sich Opfer und Tatverdächtiger am 15. Juli getroffen haben sollen.
Wie genau die Tat ablief, wann der 51-Jährige getötet wurde und auf welche Weise sein Leichnam zunächst vom Tatort entfernt und später im Landkreis Garmisch-Partenkirchen abgelegt wurde, ist weiterhin Gegenstand der Ermittlungen.
Viele Fragen sind noch offen
Ob der mutmaßliche Täter den Diamanten gezielt an sich bringen wollte, ob die Tat bereits im Vorfeld geplant war oder ob es während des Geschäfts zu einer Eskalation kam, müssen die weiteren Ermittlungen zeigen.
Fest steht bislang nur: Aus einem vermeintlichen Geschäftstreffen in der Münchner Motorworld entwickelte sich innerhalb weniger Stunden ein Gewaltverbrechen. Fünf Tage nach dem Verschwinden des Diamantenhändlers endete die Suche mit dem Fund seiner Leiche – und einem Tatverdächtigen, der sich nun wegen des Verdachts des Mordes vor Gericht verantworten muss.
Quelle der Polizeimeldung: Polizeipräsidium München