Deutschland – Neue Dienstausweise für Polizisten gegen Betrug
Redaktion Polizeiticker Deutschland
Falsche Polizisten verursachten 2025 Schäden von rund 49,5 Millionen Euro. Zehn Bundesländer führen neue Polizeidienstausweise mit verbesserten Sicherheitsmerkmalen ein. Sechs Länder behalten eigene Modelle. Doch wie erkennt man echte Beamte?
Betrüger geben sich als Polizeibeamte aus und erbeuten Millionen
Die Betrugsmasche „Falscher Polizist“ bleibt in Deutschland ein erhebliches Problem.
Nach den vorliegenden Zahlen des Bundeskriminalamts stieg der registrierte Schaden im Jahr 2025 auf rund 49,5 Millionen Euro. Im Jahr zuvor waren es noch 30,1 Millionen Euro gewesen.
Das entspricht einem Anstieg um rund 64 Prozent.
Auch die Zahl der erfassten Fälle erhöhte sich deutlich: von 3.946 im Jahr 2024 auf 4.646 im Jahr 2025.
Bei dieser Betrugsmasche geben sich Kriminelle häufig am Telefon als Polizeibeamte aus. Sie behaupten beispielsweise, dass Einbrecher unterwegs seien oder Bargeld und Schmuck vor angeblichen Straftätern geschützt werden müssten.
Die Opfer sollen ihre Wertsachen anschließend an vermeintliche Polizeibeamte übergeben.
In anderen Fällen treten Betrüger persönlich auf und versuchen, mit einer falschen Identität Vertrauen zu gewinnen.
Gerade bei solchen direkten Kontakten sollen die neuen Dienstausweise zusätzliche Sicherheit bieten.
Neuer Polizeidienstausweis mit Hologramm und Kippbild
Zehn Bundesländer haben gemeinsam ein neues Grunddesign für Polizeidienstausweise entwickelt. Die Karten sind überwiegend in verschiedenen Blautönen gestaltet und enthalten mehrere Sicherheitsmerkmale, die Fälschungen erschweren und eine Überprüfung erleichtern sollen.
Auf der Vorderseite befindet sich ein Hologramm mit Polizeistern. Hinzu kommt ein zweites Lichtbild, das als Kippbild gestaltet ist und sich je nach Betrachtungswinkel verändert.
Fühlbare Erhebungen bieten eine weitere Möglichkeit, den Ausweis zu prüfen.
Das jeweilige Landeswappen kennzeichnet die Zugehörigkeit zur Landespolizei. In Bremerhaven wird zusätzlich das Stadtwappen verwendet.
Auf der Rückseite sind die Ausweisnummer mit Länderkürzel sowie die Notrufnummer 110 in optisch veränderlicher Tinte aufgebracht.
Auch die Barrierefreiheit wurde berücksichtigt: Das Wort „Polizei“ ist in Brailleschrift vorhanden. Außerdem wird das Gültigkeitsdatum grafisch dargestellt.
Die Sicherheitsmerkmale sollen es Betrügern erschweren, einen täuschend echten Polizeidienstausweis nachzuahmen.
Diese zehn Bundesländer führen den neuen Dienstausweis ein
An der gemeinsamen Entwicklung sind Baden-Württemberg, Berlin, Bremen, Hessen, Rheinland-Pfalz, das Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen beteiligt.
Die Einführung erfolgt jedoch nicht gleichzeitig. Einige Länder haben bereits 2025 mit der Ausgabe begonnen, andere folgen erst 2026.
- Baden-Württemberg: Die Ausgabe begann im ersten Halbjahr 2025. Die Übergangsphase sollte bis Ende 2025 abgeschlossen sein.
- Hessen: Der neue Dienstausweis wurde am 31. Juli 2025 offiziell vorgestellt. Anschließend begann die schrittweise Ausgabe.
- Sachsen: Die Ausgabe startete 2025. Bis 2026 sollten alle Polizeibediensteten mit den neuen Dokumenten ausgestattet sein.
- Thüringen: Ende 2025 begann die Ausgabe zunächst an Polizeianwärter. Der flächendeckende Austausch ist bis Ende 2026 vorgesehen.
- Schleswig-Holstein: Die Ausgabe begann im Februar 2026. Die Übergangsphase sollte zum 1. März 2026 abgeschlossen sein.
- Bremen und Bremerhaven: Die schrittweise Einführung beginnt im Herbst 2026. Seit Oktober werden die Ausweise nach und nach ausgegeben. Der vollständige Austausch soll mehrere Monate dauern.
Auch Berlin, Rheinland-Pfalz, das Saarland und Sachsen-Anhalt gehören zur gemeinsamen Ausweiskooperation.
Bremen und Bremerhaven gehören zu den späteren Teilnehmern
Aktueller Anlass für die erneute Aufmerksamkeit ist die Einführung in Bremen und Bremerhaven. Dort erhalten Polizeivollzugsbeamte und weitere Beschäftigte seit Oktober 2026 schrittweise die neuen Dienstausweise.
Der Austausch soll in Bremen ungefähr sechs Monate dauern. Auch in Bremerhaven ist eine mehrmonatige Übergangsphase vorgesehen. Während dieser Zeit bleiben die bisherigen Dienstausweise gültig.
Bürger können deshalb vorübergehend sowohl mit dem alten als auch mit dem neuen Ausweismodell konfrontiert werden.
Warum sechs Bundesländer nicht mitmachen
Trotz der gemeinsamen Entwicklung wird es auch künftig keinen einheitlichen Polizeidienstausweis für alle 16 Bundesländer geben.
Bayern, Brandenburg, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen beteiligen sich bislang nicht an der Kooperation.
Mehrere dieser Länder haben bereits eigene moderne Ausweissysteme eingeführt.
Bayern verwendet seit 2021 Kunststoffausweise im Scheckkartenformat. Die früheren Papierausweise sind seit Dezember 2021 ungültig.
Niedersachsen führte im Mai 2021 einen elektronischen Dienstausweis ein. Dabei handelt es sich um eine Chipkarte, die neben der Identifikation auch für weitere technische Anwendungen vorgesehen ist.
Nordrhein-Westfalen setzt auf ein eigenes blaues Ausweismodell. Die bisherigen grünen Karten werden schrittweise entsprechend ihrer Gültigkeit ersetzt.
Hamburg verwendet ebenfalls einen eigenen Kunststoffausweis. Einzelheiten zu den Sicherheitsmerkmalen sind nicht öffentlich zugänglich.
Mecklenburg-Vorpommern stellte bereits 2012 auf Dienstausweise im Scheckkartenformat um. Die früheren grünen Ausweise verloren Ende 2013 ihre Gültigkeit.
Brandenburg verwendet sogar schon seit 2002 Kunststoffausweise mit Chip.
So erkennen Bürger echte Polizeibeamte
Der neue Dienstausweis soll die Identitätsprüfung erleichtern. Dennoch sollten Bürger nicht ausschließlich auf das Aussehen eines Dokuments vertrauen.
Bei einem persönlichen Kontakt können sie sich den Dienstausweis zeigen lassen und prüfen, ob Lichtbild und Angaben zur auftretenden Person passen.
Beim neuen Modell lassen sich zusätzlich das Hologramm, das Kippbild und weitere Sicherheitsmerkmale kontrollieren.
Bei Polizeibeamten in Zivil ist eine Überprüfung besonders wichtig, da sie nicht bereits an ihrer Uniform zu erkennen sind.
Auch ein vorgezeigter Ausweis allein ist jedoch keine Garantie dafür, dass es sich tatsächlich um einen Polizeibeamten handelt.
Wer Zweifel hat, sollte die Identität über eine selbst gewählte Polizeinummer überprüfen lassen.
Vorsicht bei Anrufen angeblicher Polizeibeamter
Gegen die besonders verbreitete Betrugsmasche am Telefon helfen die neuen Ausweise nur eingeschränkt.
Kriminelle können Telefonnummern manipulieren und auf dem Display ihrer Opfer sogar die Notrufnummer 110 erscheinen lassen.
Deshalb gilt: Die echte Polizei verlangt am Telefon niemals, Bargeld, Schmuck oder andere Wertgegenstände zur angeblich sicheren Verwahrung zu übergeben.
Auch die Herausgabe von Bankdaten, PIN-Nummern oder Zugangsdaten sollte grundsätzlich verweigert werden.
Wer einen verdächtigen Anruf erhält, sollte das Gespräch beenden und die Polizei selbst über die 110 verständigen.
Dabei sollte die Nummer eigenständig gewählt werden. Eine vom Anrufer genannte Rückrufnummer ist kein verlässlicher Identitätsnachweis.
Neue Ausweise sind ein zusätzlicher Schutz vor Betrügern
Die neuen Polizeidienstausweise können helfen, gefälschte Dokumente schneller zu erkennen und die Identität von Polizeibeamten bei persönlichen Begegnungen zuverlässiger zu überprüfen.
Mit der Einführung in Bremen und Bremerhaven setzt sich die bereits 2025 begonnene Umstellung in den beteiligten Bundesländern fort.
Deutschlandweit bleiben jedoch unterschiedliche Ausweismodelle bestehen.
Für Bürger ist deshalb weniger entscheidend, welche Farbe ein Dienstausweis hat oder aus welchem Bundesland er stammt.
Wichtiger ist, bei ungewöhnlichen Forderungen misstrauisch zu bleiben und die Identität angeblicher Polizeibeamter im Zweifel selbst überprüfen zu lassen.
Quelle der Polizeinachricht: Polizei Bremen / Redaktion