Neue Spuren im Mordfall Süleyman D. – Zeugen zu Cold Case gesucht
Redaktion Polizeiticker Deutschland
Mehr als elf Jahre nach dem Tod von Süleyman D. aus Greven gibt es neue Spuren. Die Polizei vermutet, dass frühere Zeugen möglicherweise nicht die Wahrheit gesagt haben. Nun wird der Cold Case neu aufgerollt. Für sachdienliche Hinweise gelten weiterhin 5.000 Euro Belohnung.
Neue Spuren im Mordfall Süleyman D
Mehr als elf Jahre nach dem gewaltsamen Tod des 44-jährigen Süleyman D. aus Greven suchen Polizei und Staatsanwaltschaft erneut nach Zeugen.
Seit 2025 wird der Fall als Cold Case vollständig neu untersucht. Fortschritte bei der Technik, bessere Auswertungsmöglichkeiten und neue Ermittlungsergebnisse haben nach Angaben der Behörden zu neuen Spuren geführt.
Die Ermittler halten es für möglich, dass sich bereits 2015 befragte Zeugen oder Auskunftspersonen damals nicht wahrheitsgemäß geäußert haben. Mögliche strafrechtlich relevante Falschangaben aus jener Zeit wären inzwischen verjährt. Polizei und Staatsanwaltschaft hoffen deshalb, dass sich Personen nach mehr als zehn Jahren nun öffnen und ihr Wissen mitteilen.
Leiche im ausgebrannten Mercedes gefunden
Am 18. Februar 2015 entdeckte eine Joggerin am Dortmund-Ems-Kanal in Greven nahe eines Motocross-Platzes ein ausgebranntes Fahrzeug. Da sie kein Mobiltelefon dabeihatte, verständigte sie später die Polizei.
Bei dem Wagen handelte es sich um einen blauen Mercedes A 140. Im Fahrzeug fanden die Einsatzkräfte auf dem Rücksitz die bis zur Unkenntlichkeit verbrannten Überreste des Halters: des 44-jährigen Süleyman D. aus Greven.
Die Untersuchungen ergaben, dass er noch lebte, als das Fahrzeug in Brand gesetzt wurde. Die Polizei ging deshalb von einem Tötungsdelikt aus und prüfte unter anderem ein mögliches Raubmotiv. Der eigentliche Tatort ist bis heute unbekannt.
Süleyman D. hatte kurz zuvor rund 10.000 Euro gewonnen
Süleyman D. lebte seit etwa einem Jahr getrennt von seiner Frau und seinen beiden Kindern. Nach der damaligen Rekonstruktion litt er unter Depressionen und hatte sich Anfang 2015 in stationäre Behandlung in der LWL-Klinik in Lengerich begeben.
Dort lernte er eine Patientin kennen, mit der er auch nach seiner Entlassung am 5. Februar Kontakt hielt. Sein Arzt schrieb ihn für weitere vier Wochen krank.
In dieser Zeit besuchte Süleyman D. gelegentlich Wettbüros in Greven. Bei einem seiner letzten Besuche soll er rund 10.000 Euro gewonnen haben. Von dem Geld kaufte er sich ein neues Smartphone. Den restlichen Betrag wollte er nutzen, um einen Kredit bei einer Bank in Osnabrück abzulösen.
Für Rosenmontag, den 16. Februar 2015, hatte er dort einen Termin vereinbart. Ein Bekannter sollte ihn begleiten.
Spur verliert sich nach Klinikbesuch
Vor dem Banktermin besuchte Süleyman D. noch einmal seine Bekannte in der LWL-Klinik in Lengerich. Sie gilt als eine der letzten Personen, die ihn sicher lebend gesehen haben.
Der Besuch endete gegen 15.30 Uhr. Nach damaligem Ermittlungsstand hatte Süleyman D. das Geld zu diesem Zeitpunkt bei sich. Anschließend verliert sich seine Spur.
Unklar ist bis heute, ob er das Klinikgelände allein oder in Begleitung verließ, ob er auf dem Parkplatz in seinen Mercedes mit dem Kennzeichen BF-SE 39 stieg und was danach geschah.
Die aktuelle Mordkommission fragt deshalb ausdrücklich nach seinem Aufenthalt am 16. und 17. Februar 2015 – also an Rosenmontag und Veilchendienstag.
Besonders wichtig ist der Zeitraum zwischen Dienstag, 17. Februar, 17 Uhr, und Mittwoch, 18. Februar, 4 Uhr. Gesucht werden Personen, die sich damals am Dortmund-Ems-Kanal im Bereich der Guntruper Straße und des Motocross-Platzes aufhielten und dort verdächtige Beobachtungen machten.
Zwei Männer gerieten damals in den Fokus
Bereits 2015 gerieten zwei Männer aus Lengerich und Münster in den Fokus der Ermittlungen. Beide wurden festgenommen und kamen in Untersuchungshaft.
Im Juni 2015 hob das Oberlandesgericht Hamm die Haftbefehle jedoch auf. Das Gericht sah keinen ausreichenden dringenden Tatverdacht. Die Männer wurden aus der Untersuchungshaft entlassen.
Eine Verurteilung im Zusammenhang mit dem Tod von Süleyman D. erfolgte nicht.
Fall 2017 bei „Aktenzeichen XY“
Am 11. Januar 2017 wurde der Mordfall in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY … ungelöst“ rekonstruiert. Kriminalhauptkommissar Ulrich Bux von der Kripo Münster erläuterte im Studio bei Rudi Cerne die offenen Fragen.
Schon damals suchten die Ermittler Personen, die Süleyman D. am Rosenmontag in der LWL-Klinik gesehen hatten – möglicherweise gemeinsam mit einem oder zwei Männern. Gefragt wurde außerdem nach Sichtungen seines Mercedes nach 15.30 Uhr sowie nach Beobachtungen am Dortmund-Ems-Kanal zwischen Rosenmontag und Aschermittwoch.
Auch Hinweise aus Wettbüros in Greven waren für die Ermittler von Interesse.
Nach der Sendung gingen zahlreiche Hinweise ein. Noch während der Ausstrahlung meldete sich ein Zeuge, der angab, Süleyman D. am Tattag gesehen zu haben. Weitere Hinweise wurden damals als interessant bewertet, der entscheidende Durchbruch blieb jedoch aus.
Cold Case seit 2025 neu aufgerollt
Im Jahr 2025 wurde beim Polizeipräsidium Münster eine neue Mordkommission unter Leitung von Kriminalhauptkommissar Stefan Roling eingerichtet.
Der gesamte Fall wurde noch einmal ausgewertet. Dabei führten moderne Technik, neue Auswertungsmöglichkeiten und weitere Erkenntnisse nach Angaben der Behörden zu neuen Spuren.
Ein Schwerpunkt liegt nun auf früheren Aussagen. Die Ermittler halten es für möglich, dass Zeugen oder andere Auskunftspersonen 2015 nicht alles gesagt oder sich nicht wahrheitsgemäß geäußert haben.
Ob diese möglichen Falschangaben mit den damaligen Tatverdächtigen oder der späteren Aufhebung der Haftbefehle zusammenhängen, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft nicht mit.
Polizei stellt drei zentrale Fragen
Die Mordkommission will heute vor allem wissen:
Wer kann Angaben zum Tod von Süleyman D. im Jahr 2015 machen?
Wer weiß, wo sich der 44-Jährige am 16. oder 17. Februar 2015 aufgehalten hat?
Und wer hat zwischen dem 17. Februar um 17 Uhr und dem 18. Februar um 4 Uhr im Bereich der Guntruper Straße am Dortmund-Ems-Kanal nahe dem Motocross-Platz verdächtige Personen, Fahrzeuge, ein Feuer oder andere auffällige Vorgänge bemerkt?
5.000 Euro Belohnung gelten weiterhin
Die Staatsanwaltschaft Münster hatte bereits im Zusammenhang mit der früheren Fahndung eine Belohnung in Höhe von 5.000 Euro für sachdienliche Hinweise ausgelobt. Diese gilt weiterhin.
Hinweise nimmt die Mordkommission beim Polizeipräsidium Münster unter der Telefonnummer 0251 / 275-2241 entgegen.
Nach mehr als elf Jahren hoffen die Ermittler besonders auf Menschen, die bislang geschwiegen oder damals nur unvollständige Angaben gemacht haben. Ihr Wissen könnte heute entscheidend sein, um die letzten Stunden von Süleyman D. zu rekonstruieren und den bis heute ungeklärten Mordfall aufzuklären.