Raubüberfall auf Werttransport in Mühlacker – 540.000 Euro erbeutet
Redaktion Polizeiticker Deutschland
Drei maskierte Täter überfielen 2025 eine Werttransportfirma in Mühlacker-Enzberg und erbeuteten Schmuck, Uhren und Gold im Wert von rund 540.000 Euro. Eine DNA-Spur verbindet einen Täter mit früheren Einbrüchen in Frankreich und Österreich.
Drei maskierte Männer haben am 27. März 2025 eine Werttransportfirma in Mühlacker-Enzberg überfallen und Schmuck, hochwertige Uhren sowie Gold im Wert von rund 540.000 Euro erbeutet.
Die Täter gingen äußerst professionell vor und verfügten nach Einschätzung der Ermittler möglicherweise über Insiderwissen.
Der ungeklärte Fall wurde am 4. November 2026 unter dem Titel „Täter mit Insiderwissen“ bei „Aktenzeichen XY … ungelöst“ vorgestellt.
Täter dringen während des Beladens ein
Am Tatabend belud ein 56-jähriger Kurierfahrer gegen 21.20 Uhr einen Transporter in den Geschäftsräumen der Firma in der Dorfwiesenstraße.
Das Fahrzeug stand in einer Sicherheitsschleuse. Das äußere Rolltor war geschlossen, das innere Tor zum Abfertigungsraum geöffnet. Während des regulären Beladevorgangs war die Alarmanlage planmäßig deaktiviert, das Gelände wurde jedoch weiterhin per Video aus der Unternehmenszentrale überwacht.
Drei maskierte Männer drückten ein zuvor manipuliertes Blechelement an der Außenwand beiseite und gelangten dadurch direkt in die Schleuse. Praktisch gleichzeitig brach die Videoübertragung ab. Später stellte die Kriminaltechnik fest, dass Datenkabel auf dem Dach gezielt durchtrennt worden waren. Die Polizei geht deshalb von mindestens einem weiteren Komplizen aus; möglicherweise wartete außerdem ein Beteiligter im Fluchtfahrzeug.
Einer der Täter attackierte den Kurierfahrer mit Pfefferspray beziehungsweise Reizgas, während die anderen fünf Aluminiumboxen aus dem Abfertigungsraum und dem Transportfahrzeug nach draußen schafften.
Dem Mitarbeiter gelang es noch während des Überfalls, Polizei und Unternehmenszentrale zu alarmieren. Die Täter konnten dennoch vor dem Eintreffen der Einsatzkräfte fliehen.
Flucht mit seit einem Jahr gestohlenen Kennzeichen
Die Beute wurde in einen bereitstehenden weißen Transporter geladen. An dem Fahrzeug befanden sich die Kennzeichen PF-HS 8300.
Diese waren bereits in der Nacht vom 25. auf den 26. März 2024 in Knittlingen von einem Fahrzeug einer Baufirma gestohlen worden. Nach dem Überfall flüchteten die Täter über die Kieselbronner Straße in Richtung Bundesstraße 10.
Die Polizei möchte deshalb auch wissen, wem die Kennzeichen PF-HS 8300 zwischen März 2024 und März 2025 aufgefallen sind.
Schmuck, Uhren und Gold für 540.000 Euro
In den fünf Aluminiumboxen befanden sich vor allem Schmuckstücke, hochwertige Uhren und Goldbarren im Gesamtwert von rund 540.000 Euro.
Zum bekannten Raubgut gehören unter anderem eine Cartier „Pasha C.“, eine Damen-Armbanduhr „Ballon Bleu de Cartier“, ein IWC-Chronograph „Le Petit Prince“, eine Jaeger-LeCoultre „Reverso Classique Bicolor“, eine Cartier „Tank Française Large“, eine Jaeger-LeCoultre „Reverso Classique“ und „Gran' Sport Dame“ sowie eine Vacheron Constantin „Overseas Dual-Time“.
Gestohlen wurden außerdem ein „Vintage Alhambra“-Armband aus rhodiniertem 18-karätigem Weißgold mit weißem Perlmutt sowie Gellner-Schmuck, darunter ein Silberarmband mit Tahiti-Perle und ein Collier aus Silber und Roségold.
Die Ermittler interessieren sich für Hinweise, falls einzelne Stücke seitdem angeboten oder weiterverkauft wurden. Gesucht werden außerdem die fünf silberfarbenen Aluminiumboxen, die möglicherweise nach der Tat entsorgt wurden.
DNA-Spur führt nach Frankreich und Österreich
Am zurückgelassenen Pfefferspray fanden Ermittler ein Haar. Der daraus gewonnene DNA-Abgleich ergab, dass dieselbe Person bereits im Zusammenhang mit Einbruchsdiebstählen in Österreich und Frankreich polizeilich in Erscheinung getreten war.
Nach den bei „Aktenzeichen XY“ veröffentlichten Angaben kann die Spur mindestens vier Einbrüchen aus den Jahren 2004 bis 2015 zugeordnet werden. Die Identität der Person ist bislang jedoch offenbar nicht geklärt.
Polizei vermutet Insiderwissen
Für Insiderwissen spricht aus Sicht der Ermittler vor allem das präzise Zusammenspiel: Die Täter kannten offenbar den geeigneten Zeitpunkt, nutzten gezielt eine vorbereitete Schwachstelle an der Außenwand und unterbrachen nahezu gleichzeitig die Videoverbindung.
Hinzu kommt, dass sie während eines Zeitfensters zuschlugen, in dem die Alarmanlage wegen des laufenden Beladevorgangs planmäßig deaktiviert war.
Täter etwa 40 Jahre alt
Die drei unmittelbar beteiligten Männer sollen etwa 40 Jahre alt gewesen sein. Sie waren maskiert und dunkel gekleidet.
Einer trug eine Hose mit einem orange-roten Emblem oder einem ähnlichen Zeichen am linken Hosenbein. Ein weiterer Täter trug schwarze Turnschuhe der Marke Fila, Modell „Spitfire“.
Die Polizei hat Überwachungsbilder veröffentlicht und hofft, dass die Männer anhand ihrer Kleidung, ihres Körperbaus oder anderer Merkmale erkannt werden.
Unbekannter Fußgänger als wichtiger Zeuge gesucht
Während des Überfalls lief ein bislang unbekannter Mann unmittelbar am Firmengebäude in der Nähe des Bahnhofs Enzberg vorbei. Er gilt nicht als Tatverdächtiger, könnte aber ein wichtiger Zeuge sein.
Der Mann wird auf 20 bis 30 Jahre geschätzt. Er hatte kurze dunkle, möglicherweise leicht gewellte Haare und trug eine helle Winter-Steppjacke mit Kapuze, eine lange helle Hose, weiße Sneaker sowie einen dunklen Rucksack.
Die Polizei bittet ihn dringend, sich zu melden.
Fall bei „Aktenzeichen XY“
Am 4. November 2026 stellte ein Beamter des Kriminalkommissariats Pforzheim den Fall unter dem Titel „Täter mit Insiderwissen“ bei „Aktenzeichen XY … ungelöst“ vor.
Gesucht werden Hinweise zu den Tätern und möglichen Komplizen, dem weißen Fluchtfahrzeug, den gestohlenen Kennzeichen PF-HS 8300, den fünf Aluminiumboxen, den geraubten Schmuckstücken sowie dem unbekannten Fußgänger.
Hinweise nimmt die Kriminalpolizei Pforzheim unter 07231 / 186-4444, seit dem 5. November außerdem unter 07231 / 186-0 oder bei jeder anderen Polizeidienststelle entgegen.
Quelle der Polizeinachricht: Polizeipräsidium Pforzheim