Tuttlingen – 19-Jähriger wegen versuchten Mordes im Netz in Haft
Redaktion Polizeiticker Deutschland
19-Jähriger aus Tuttlingen steht im Verdacht, ein Online-Sadisten-Netzwerk gegründet zu haben. Er wurde festgenommen und sitzt in Untersuchungshaft.
Spezialeinsatzkräfte der Polizei haben am Montagmorgen, 2. November 2026, einen 19-Jährigen aus dem Landkreis Tuttlingen festgenommen. Der deutsche Staatsangehörige steht im Verdacht, ein im Internet aktives Netzwerk gegründet und geleitet zu haben, dessen Mitglieder gezielt Kinder und Jugendliche zu schweren Selbstverletzungen und Suizidhandlungen gedrängt haben sollen.
Gegen den jungen Mann besteht unter anderem der dringende Verdacht des versuchten Mordes in zwei Fällen. Er befindet sich inzwischen in Untersuchungshaft.
Die Ermittlungen führen das Cybercrime-Zentrum Baden-Württemberg bei der Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe und die Kriminalpolizeidirektion Rottweil des Polizeipräsidiums Konstanz.
Verdacht gegen Gründer eines sogenannten COM-Netzwerks
Nach bisherigen Erkenntnissen soll der 19-Jährige eine Online-Gruppierung aus der sogenannten COM-Szene gegründet haben und bis zu seiner Festnahme darin aktiv gewesen sein.
Die Ermittlungsbehörden beschreiben das Netzwerk als eine Internetgemeinschaft, deren Mitglieder gezielt Kontakt zu psychisch gefährdeten Kindern und Jugendlichen suchen sollen.
Dabei sollen die Beschuldigten ihre Opfer durch Drohungen, Täuschung, Zwang oder das Ausnutzen persönlicher Krisensituationen zu Selbstverletzungen und Suizidhandlungen gedrängt haben.
Zudem sollen die Betroffenen aufgefordert worden sein, Symbole der Gruppierung oder Nutzernamen von Mitgliedern in ihre Haut zu ritzen und entsprechende Schriftzüge mit Blut an Wänden anzubringen.
Die Täter sollen verlangt haben, dass die Opfer ihre Verletzungen oder Handlungen per Video beziehungsweise Livestream übermitteln.
Zweifacher versuchter Mord wird vorgeworfen
Dem 19-Jährigen wird vorgeworfen, gemeinsam mit weiteren Beteiligten in zwei Fällen über Streamingdienste auf Minderjährige eingewirkt zu haben, um sie zum Suizid zu bringen.
Betroffen waren nach Angaben der Ermittlungsbehörden ein Kind und eine Jugendliche. Dabei soll es bereits zu konkret lebensbedrohlichen Handlungen der Opfer gekommen sein.
Die betroffene Jugendliche hält sich im Ausland auf. Das Kind konnte bislang nicht identifiziert werden.
Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten deshalb versuchten Mord in zwei Fällen vor.
Weitere Vorwürfe betreffen Mädchen zwischen zwölf und 15 Jahren
Darüber hinaus soll der 19-Jährige in drei Fällen Mädchen im Alter zwischen zwölf und 15 Jahren zu Selbstverletzungen gedrängt haben.
In einem weiteren Fall wird ihm vorgeworfen, ein 13-jähriges Mädchen aus Deutschland dazu gebracht zu haben, Nacktaufnahmen von sich an ihn zu übermitteln.
Neben den beiden versuchten Tötungsdelikten ermitteln die Behörden wegen gefährlicher Körperverletzung sowie wegen der mutmaßlichen Gründung und Führung einer kriminellen Vereinigung.
Festnahme durch Spezialeinsatzkräfte und fünf Durchsuchungen
Das Cybercrime-Zentrum Baden-Württemberg hatte zuvor einen Haftbefehl gegen den Beschuldigten erwirkt.
Am frühen Montagmorgen nahmen Spezialeinsatzkräfte den 19-Jährigen fest. Gleichzeitig durchsuchten die Ermittler insgesamt fünf Objekte.
Bei dem Beschuldigten wurden elektronische Beweismittel sichergestellt, die nun ausgewertet werden.
Der junge Mann wurde in Untersuchungshaft genommen.
Ermittlungen gegen weitere Mitglieder dauern an
Die Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe und das Polizeipräsidium Konstanz wollen ihre Ermittlungen gegen Mitglieder der sogenannten COM-Szene fortsetzen.
Dabei stehen insbesondere die Strukturen der Gruppierungen und mögliche weitere Straftaten gegen Minderjährige im Mittelpunkt.
Für den 19-jährigen Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.
Quelle der Polizeinachricht: Polizeipräsidium Konstanz und Cybercrime-Zentrum Baden-Württemberg bei der Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe