Am Abend des 16. Juni 1999 wird die 13-jährige Melanie Frank von ihrer Mutter zum Zigarettenholen geschickt. Sie verlässt die Wohnung in Wiesbaden und kehrt nie zurück. Neun Jahre später werden ihre sterblichen Überreste in einem Wald bei Kisselbach gefunden. Bis heute ist ungeklärt, was dem Mädchen widerfahren ist.
Am Abend des 16. Juni 1999 verschwindet die damals 13-jährige Melanie Frank aus Wiesbaden. Gegen 20.30 Uhr schickt ihre Mutter sie los, um Zigaretten zu holen. Melanie verlässt die Wohnung in der Graf-von-Galen-Strasse 78 – und kehrt nie zurück.
Nach Angaben der Mutter nutzte Melanie üblicherweise einen Zigarettenautomaten in der nahegelegenen Hermann-Brill-Strasse, nur wenige Gehminuten entfernt. Ob sie an diesem Abend tatsächlich dort war, konnte später nicht eindeutig geklärt werden.
Die letzte Beobachtung
Zeugen berichten, gegen 21.00 Uhr ein Mädchen gesehen zu haben, bei dem es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um Melanie gehandelt haben dürfte. Sie stand vor dem Hauseingang Graf-von-Galen-Strasse 58, blickte in Richtung der Zufahrt und wirkte, als würde sie auf jemanden warten. Danach verliert sich jede Spur.
Trotz umfangreicher Suchmassnahmen bleibt Melanie verschwunden.
Lebensumfeld und mögliche Kontakte
Melanie besuchte die August-Hermann-Franke-Schule in Wiesbaden. Auffällig war, dass sie häufiger mit deutlicher Verspätung von der Schule nach Hause kam. Zudem hielt sie sich fast täglich in einem Kiosk im Einkaufszentrum Wiesbaden-Klarenthal Nord auf, wo sie für sich und ihre Mutter einkaufte.
Die Ermittler schliessen nicht aus, dass Melanie dort Kontakte hatte, von denen weder Familie noch Freundinnen wussten.
Der Fund Jahre später
Am 20. August 2008 entdecken Waldarbeiter in einem Waldgebiet an der Landstrasse 214 bei Kisselbach (Rhein-Hunsrück-Kreis) einen vollständig skelettierten menschlichen Schädel. Bei einer späteren Absuche wird auch ein Oberschenkelknochen gefunden.
Rechtsmedizinische Untersuchungen ergeben, dass beide Knochen derselben Person zuzuordnen sind. Ein DNA-Abgleich bestätigt schliesslich: Es handelt sich um Melanie Frank.
Ermittlungen nach dem Leichenfund
Nach dem Auffinden der sterblichen Überreste von Melanie Frank war eine genaue Bestimmung der Todesursache aufgrund des Zustands der Knochen nicht mehr möglich. Die Ermittlungsbehörden gehen jedoch von einem Gewaltverbrechen aus. Nach Einschätzung der Polizei könnte der Täter aus sexuellen Motiven gehandelt haben.
Im Zuge der Ermittlungen wurde auch geprüft, ob es mögliche Parallelen zu anderen Fällen gibt. Während einer Hausdurchsuchung im Zusammenhang mit dem Mordfall Johanna Bohnacker wurde bei dem später verurteilten Täter Rick J. ein Zettel gefunden, auf dem der Name „Mellie Franke“ notiert war. Dies führte zu Spekulationen über einen möglichen Zusammenhang, zumal das Verschwinden von Melanie Frank nur wenige Monate vor der Entführung und
Tötung von Johanna Bohnacker im September 1999 lag.
Zudem wurden in dem Waldgebiet bei Kisselbach, allerdings nicht unmittelbar bei den Skelettteilen, Reste von Klebeband entdeckt. Klebeband spielte auch im Mordfall Johanna Bohnacker eine Rolle. Rick J. bestritt stets, etwas mit dem Verschwinden oder dem Tod von Melanie Frank zu tun zu haben. Eine belastbare Verbindung zu diesem Fall konnte ihm nicht nachgewiesen werden.
Rick J. wurde im Oktober 2017 wegen des Mordes an der achtjährigen Johanna Bohnacker festgenommen und im November 2018 zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt. Der Mord an Melanie Frank blieb davon unberührt und gilt weiterhin als ungeklärt.
Mord verjährt nicht
Da Mord nicht verjährt, überprüften Ermittler den Fall Melanie Frank erneut. Ende November 2024 durchsuchten Kräfte des Hessischen Landeskriminalamts und des Hessischen Polizeipräsidiums für Einsatz das Waldstück bei Kisselbach, in dem 2008 sterbliche Überreste der damals 13-Jährigen gefunden worden waren.
Zunächst kamen Leichenspürhunde zum Einsatz, am folgenden Tag durchkämmten rund 100 Einsatzkräfte das Gebiet entlang der Landstrasse 214. Gesucht wurden unter anderem Kleidungsstücke, Schmuck sowie mögliche weitere menschliche Überreste. Der Einsatz blieb jedoch ohne neuen Fund.
Die Ermittler betonen, dass der Fall weiterhin offen ist und auch nach vielen Jahren mit modernen kriminaltechnischen Methoden neu geprüft wird.
Ermittler suchen auch Jahre später nach Spuren im Wald bei Kisselbach (Bildquelle: Hessisches Landeskriminalamt)
Offene Fragen und Ermittlungsansätze
Bis heute ist ungeklärt, was Melanie nach ihrem Verschwinden widerfuhr. Das Hessische Landeskriminalamt richtet sich daher mit konkreten Fragen an die Öffentlichkeit, unter anderem:
- Wer sah Melanie Frank am 16. Juni 1999 nach 21.00 Uhr – allein oder in Begleitung?
- Auf wen könnte sie an diesem Abend gewartet haben?
- Wer kann Angaben zu ihrem Alltag, ihren Kontakten oder Aufenthaltsorten machen?
- Welche Personen aus dem Umfeld des Kiosks im Einkaufszentrum Klarenthal Nord hatten näheren Kontakt zu ihr?
- Gibt es ehemalige Mitschülerinnen oder Mitschüler, die wissen, wo Melanie sich nach Schulschluss aufhielt?
- Sind im Waldgebiet bei Kisselbach im Sommer 1999 verdächtige Fahrzeuge oder Personen aufgefallen?
- Wurden dort Kleidungsstücke oder Gegenstände gefunden oder mitgenommen?
Besondere Bedeutung messen die Ermittler Hinweisen auf einen dunklen BMW (3er oder 5er Serie) mit auffälligen Fahrgeräuschen bei, der nach Zeugenaussagen im Zusammenhang mit dem Verschwinden stehen könnte.
Auch mögliche bislang nicht angezeigte Sexualstraftaten gegen
Kinder im Alter von 10 bis 15 Jahren aus dem Raum Wiesbaden-Klarenthal oder dem Bereich des Auffindeortes werden geprüft.
Darstellung Kleidung und einer Armbanduhr, wie sie von Melanie Frank getragen worden sein könnten (Bildquelle: Polizei Hessen)
Personenbeschreibung zum Zeitpunkt des Verschwindens:
Äußere Erscheinung:
- schlank
- schulterlange blonde Haare
- grau-grüne Augen
- Größe: 160 cm
Bekleidung:
- grünes T-Shirt mit aufgedrucktem Baseballspieler
- schwarze Jeans
- weiße Söckchen
- orangefarbene Armbanduhr
- schwarz-weiße Turnschuhe
Ein Cold Case mit vielen offenen Fragen
Der Fall Melanie Frank ist bis heute ungeklärt. Zwischen ihrem Verschwinden im Jahr 1999 und dem Fund ihrer sterblichen Überreste liegen neun Jahre – Jahre voller Ungewissheit für die Familie und voller offener Fragen für die Ermittler.
Hinweise, auch scheinbar nebensächliche, könnten noch immer entscheidend sein.