Nur wenige Minuten Fussweg trennen den 14-jährigen Martin Drewes von seinem Zuhause. Doch nachdem er am Abend des 17. Oktober 1997 eine Diskothek in Boizenburg verlässt, kommt er dort nie an. Zwei Wochen später wird seine Leiche rund zehn Kilometer entfernt in einem Waldstück entdeckt.
Diese Woche führt uns unsere «Ungelöst»-Reihe nach Mecklenburg-Vorpommern und zurück ins Jahr 1997. Eine Zeit ohne Smartphones und ständige Erreichbarkeit. Wer unterwegs war, konnte tatsächlich für Stunden von der Bildfläche verschwinden. Es ist ein Fall, bei dem vor allem die letzten bekannten Minuten Fragen aufwerfen: Martin Drewes befindet sich an jenem Freitagabend nur wenige Hundert Meter von seinem Zuhause entfernt.
Ein Abend im «Kulti»
Am 17. Oktober 1997 besucht Martin die damalige Diskothek «Kulti» im Weg der Jugend 1 in Boizenburg. Dort befindet sich auch eine Kinderdisco, in der der Jugendliche an diesem Abend bis 21 Uhr arbeitet.
Im «Kulti» hilft Martin beim Abräumen der Gläser und beim Aufstellen der Stühle. Mit dem Personal versteht sich der 14-Jährige gut.
Sein Zuhause ist nicht weit entfernt. Nach Angaben der Ermittler wohnt seine Familie damals nur etwa 150 Meter vom «Kulti» entfernt.
Gegen 22 Uhr wird Martin dort zum letzten Mal von Zeugen gesehen. Anschliessend verlässt er die Diskothek in unbekannte Richtung.
Zu Hause kommt er allerdings nicht an. Seine Eltern melden ihn daraufhin als vermisst.
Die Polizei beginnt mit der Suche nach Martin. Doch zunächst fehlt von ihm jede Spur. Auch umfangreiche Suchmassnahmen führen nicht zu dem Jugendlichen oder zu einer Spur.
Es vergehen fast zwei Wochen, bis die Suche auf schreckliche Weise endet.
Leiche bei einer Treibjagd entdeckt
Am 1. November 1997 wird bei einer Treibjagd in einem Waldstück in der Gemeinde Dersenow eine Leiche entdeckt.
Es handelt sich um Martin Drewes.
Der Fundort liegt nach Angaben der Ermittler rund zehn Kilometer von Boizenburg entfernt. Jenem Ort, an dem der 14-Jährige zuletzt lebend gesehen worden war.
Wie Martin ums Leben kam, gibt die Polizei bis heute nicht bekannt. Die genaue Todesursache wird bewusst zurückgehalten, da es sich dabei um Täterwissen handelt.
Ein Schuh fehlt
Am Fundort gibt es ein auffälliges Detail.
Martin trägt ein dunkelblaues Kapuzen-Sweatshirt der Marke Wrangler, eine beige Levi's-Jeans und schwarze Nike-Sportschuhe. Doch als seine Leiche gefunden wird, fehlt sein rechter Schuh. Trotz einer Suche im Bereich des Fundortes kann dieser nicht entdeckt werden.
Wo Martin den Schuh verlor und ob dessen Verschwinden mit der Tat zusammenhängt, bleibt offen.
Daneben beschäftigt die Ermittler ein weiterer Gegenstand: eine Kette, die bei Martins Leiche gefunden wurde. Die Polizei versuchte später herauszufinden, woher sie stammte und wer Angaben dazu machen konnte.
Wer tötete Martin Drewes?
Jahre später rückt der Fall erneut in den Fokus der Öffentlichkeit. Die ZDF-Sendung «Aktenzeichen XY... Ungelöst» greift den ungeklärten Tod von Martin Drewes auf.
Doch auch die erneuten Ermittlungen und die öffentliche Suche nach Hinweisen brachten bislang nicht den entscheidenden Durchbruch. Wer Martin Drewes am Abend des 17. Oktober 1997 begegnete, wie der 14-Jährige in das rund zehn Kilometer entfernte Waldstück bei Dersenow gelangte und warum er sterben musste, ist bis heute ungeklärt.