Mehr als 52 Jahre nach dem Mord an der 12-jährigen Marion Baier gibt es neue Ermittlungsansätze. Nach Parallelen zu einem weiteren Fall wird der Cold Case nun erneut bei «Aktenzeichen XY… ungelöst» thematisiert.
Die Kriminalpolizei Kempten ermittelt weiterhin im Mordfall Sonja Hurler aus dem Jahr 1981. Die damals 13-jährige Schülerin verschwand in der Nacht vom 4. auf den 5. Juli 1981 auf dem Weg zu ihrer Grossmutter nach Heiligkreuz. Dort kam sie jedoch nie an. Der Mord an dem Mädchen ist bis heute ungeklärt.
Im Zuge neuer Ermittlungen hat sich nun eine Spur ergeben, die zu einem weiteren ungeklärten Mordfall führt: dem Tod der zwölfjährigen Marion Baier aus Zirndorf (Mittelfranken). Aufgrund auffälliger Parallelen prüfen die Ermittler einen möglichen Zusammenhang zwischen den beiden Taten.
Sonja Hurler (Bildquelle: Polizeipräsidium Schwaben Süd/West)
In der Nacht vom 01. auf den 02. Juli 1973 wurde die damals 12-jährige Marion Baier im Oberasbacher Gemeindeteil Kreutles (Lkrs. Fürth) von einem bislang unbekannten Täter ermordet. Im Zuge einer neuerlichen Untersuchung von Beweismitteln ergab sich für die Kriminalpolizei Fürth ein neuer Ermittlungsansatz in dem über 52 Jahre alten
Cold Case.
Ein Arbeiter fand die
Leiche von Marion Baier am Montagmorgen, den 02. Juli 1973 auf einer der Flächen des damaligen Neubaugebiets an der Hainbergstraße in Oberasbach. Das Mädchen war erschlagen worden. Aufgrund des teilweise entkleideten Leichnams gingen die Ermittler davon aus, dass Marion Baier einem Sexualstraftäter zum Opfer gefallen war.
Die Polizei hatte im Rahmen der Ermittlungen rekonstruieren können, dass sich Marion Baier am Sonntagabend (01. Juli 1973) auf dem Fischerfest im benachbarten Zirndorf aufgehalten hatte. Dort war sie zuletzt gegen 20:00 Uhr von einer Schulfreundin gesehen worden.
Bereits im Dezember des Jahres 1974 veröffentlichte das ZDF in der Sendung „
Aktenzeichen XY… Ungelöst“ einen Beitrag zum Mordfall Marion Baier.
Während der damaligen Ermittlungen standen vor allem folgende Beweismittel im Fokus der Polizei:
- Polizeibeamte fanden in der Nähe der Leiche ein Silbermedaillon mit dem Abbild des Hl. Christophorus (Schutzpatron der Reisenden und Autofahrer), das offensichtlich dem Täter zuzuordnen ist.
Silbermedaillon mit dem Abbild des Hl. Christophorus (Vorderseite) (Bildquelle: Polizei Bayern)
Silbermedaillon mit dem Abbild des Hl. Christophorus (Rückseite) (Bildquelle: Polizei Bayern)
- Am Tatort konnte die Polizei mehrere Schuheindrücke feststellen, die mutmaßlich vom Täter gesetzt worden waren. Das erkennbare Sohlenprofil in der Größe 43 gehörte nach polizeilichen Erkenntnissen zu Turnschuhen der Marke Adidas und fand bei den damaligen Modellen „Olympia“ (Typ 3010), „Italia“ (Typ 302), „Gazelle blau“ (Typ 3100) oder „Allround“ (Typ 3070) Verwendung.
Schuhabdruck (Bildquelle: Polizei Bayern)
Die Sendung thematisierte außerdem zwei Fahrzeuge, die
Zeugen im relevanten Zeitraum in der Hainbergstraße aufgefallen waren. Darüber hinaus bat die Polizei im Rahmen der Ausstrahlung um Hinweise zu einem jungen Mann, mit dem sich Marion Baier nach Angaben einer Schulfreundin in dieser Zeit getroffen haben sollte.
Inwieweit diese Wahrnehmungen bzw. Angaben für den Fall relevant sind, ließ sich durch die Polizei bis zum heutigen Tag nicht zweifelsfrei klären, weshalb diese Aspekte auch im Rahmen der neuaufgenommenen Ermittlungen überprüft werden. Zu diesem Zweck wurde bei der Kriminalpolizei Fürth die Arbeitsgruppe „Hainberg“ eingerichtet.
Im Rahmen der Überprüfung des über 52 Jahre alten Cold Case liegt den Beamten mittlerweile ein neuer Ermittlungsansatz vor.
Die Kriminalpolizei Fürth bittet um Hinweise aus der Bevölkerung. Dieser Aufruf richtet sich vor allem an Zeitzeugen aus dem Jahr 1973. Personen, die sich in der Nacht von Sonntag auf Montag (01./02. Juli 1973) auf dem Fischerfest in Zirndorf oder anderweitig im angrenzenden Oberasbach aufgehalten haben, kommen als wichtige Zeugen in Betracht.
Der Tatort (Bildquelle: Polizei Bayern)
Für die Ermittler der Arbeitsgruppe „Hainberg“ ergeben sich derzeit folgende Fragen:
- Wer kann Angaben zum Mordfall Marion Baier machen?
- Wer hat das Fischerfest am 01. Juli 1973 besucht?
- Wer kannte Marion Baier und kann sich an deren Besuch auf dem Fischerfest erinnern?
- Wer kann Angaben zu Personen machen, mit denen Marion Baier an diesem Tag Kontakt hatte?
- Wer hat am 01. Juli 1973 Fotos vom Fischerfest gemacht, die er der Polizei für Ermittlungen zur Verfügung stellen kann?
- Wer hat in der Nacht vom 01. auf den 02. Juli 1973 im Bereich des Neubaugebiets an der Hainbergstraße Wahrnehmungen gemacht, an die er sich in Verbindung mit dem Mordfall erinnern kann?
- Wer kann Informationen zu den oben genannten Beweismitteln bzw. Zeugenwahrnehmungen machen?
Für Hinweise, die zur Aufklärung der Tat oder zur Festnahme des Täters führen, hat das Bayerische Landeskriminalamt im Mordfall Marion Baier eine Belohnung in Höhe von 10.000 Euro ausgesetzt. Es wird in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass über die Zuerkennung und Verteilung der Belohnung unter Ausschluss des Rechtsweges entschieden wird. Zudem ist die Belohnung ausschließlich für Privatpersonen und nicht für Amtsträger bestimmt, zu deren Berufspflicht die Verfolgung von strafbaren Handlungen gehört.
Die Kriminalbeamten aus Kempten wenden sich am kommenden Mittwoch (21.01.2026) in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY… Ungelöst“ mit dem Mordfall Sonja Hurler aus dem Jahr 1981 an die Öffentlichkeit. Der Beitrag richtet sich aufgrund der Parallelen sowohl an Personen aus dem Raum Kempten als auch der Region rund um Zirndorf und Oberasbach.
Zeugenaufruf
Hinweise jeglicher Art nimmt die Kriminalpolizei unter der Rufnummer 0911 2112-3333 entgegen. Zur Übermittlung von Fotomaterial hat die mittelfränkische Polizei außerdem ein Upload-Portal eingerichtet.
Quelle der Polizeinachricht: Polizei Bayern