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Berlin – Großrazzia gegen Schleusernetzwerk in 104 Objekten

Redaktion Polizeiticker Deutschland

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Zwei Polizisten in dunkler Uniform führen einen Mann ab, der eine Jacke über dem Kopf trägt. Das Geschehen findet vor einem Wohnhaus statt.
Zehn Beschuldigte wurden aufgrund von Haftbefehlen festgenommen. Insgesamt richten sich die Ermittlungen gegen 23 Personen. (Bildquelle: Bundespolizeidirektion Berlin)

Bundespolizei und Zoll sind mit rund 2.200 Einsatzkräften gegen ein mutmaßliches Netzwerk für Schleusung und Schwarzarbeit vorgegangen. In mehreren Bundesländern wurden 104 Objekte durchsucht und zehn Haftbefehle vollstreckt. Vermögensarreste von über insgesamt 106 Millionen Euro wurden angeordnet.

Gemeinsam sind Bundespolizei (BPOL) und Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) des Zolls im Auftrag der Staatsanwaltschaft Berlin gegen eine mutmaßliche Bande von Schleusern vorgegangen, die Arbeitnehmende beschäftigten, ohne Beiträge zu den gesetzlichen Sozialversicherungen zu entrichten.
Für die Ermittlungen wurde die Gemeinsame Ermittlungsgruppe "Purgatio" zwischen der Bundespolizeiinspektion Kriminalitätsbekämpfung Berlin und dem Hauptzollamt Berlin eingerichtet.
Am Mittwoch, dem 30. September 2026 wurden mit circa 2.200 Einsatzkräften der BPOL und FKS unter anderem in Berlin, Hamburg, Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg zahlreiche Wohnungen, Wohnunterkünfte, Firmen und Hotels durchsucht.
Insgesamt umfasste die Maßnahme 104 Durchsuchungsobjekte. Des Weiteren wurden 10 Haftbefehle vollstreckt.
Unabhängig von den hier geführten Ermittlungen hat die österreichische Finanzpolizei ebenfalls in Hotels Prüfmaßnahmen durchgeführt, welche derzeit noch andauern.
Mehrere Polizei- und Zollbeamte stehen in einer Gruppe auf einem Parkplatz und diskutieren bei einsetzender Dämmerung. Im Hintergrund sind Fahrzeuge zu sehen.
Rund 2.200 Einsatzkräfte von Bundespolizei und Zoll waren bei der bundesweiten Großrazzia im Einsatz. (Bildquelle: Bundespolizeidirektion Berlin)

Ermittlungen gegen 23 Beschuldigte

Bislang richten sich die Ermittlungen gegen 23 Beschuldigte im Alter 31 bis 59.
Der 50-jährige Hauptbeschuldigte und Kopf der mutmaßlichen Bande soll ausländische Arbeitnehmende gezielt nach Deutschland eingeschleust und sie anschließend im gesamten Bundesgebiet für Arbeiten im Reinigungsgewerbe eingesetzt haben.
Er soll insoweit seit 2022 mit 22 weiteren Bandenmitgliedern dauerhaft und arbeitsteilig zum Zwecke der Gewinnmaximierung zusammengearbeitet haben.
Die mutmaßliche Bande soll darüber hinaus einer Vielzahl von Arbeitnehmenden aus Osteuropa (zum Beispiel aus der Ukraine und Georgien) Hilfe beim unerlaubten Aufenthalt geleistet und sie beherbergt haben. Dabei sollen gefälschte Urkunden und Ausweise zur Täuschung im Rechtsverkehr verwendet worden sein.
Mehrere Polizisten und Zollbeamte stehen in einer Wohnung, ein verdächtiger Mann sitzt im Vordergrund. Die Beamten tragen Schutzwesten mit Kennzeichnungen.
Insgesamt durchsuchten die Ermittler 104 Wohnungen, Unterkünfte, Firmen und Hotels in mehreren Bundesländern. (Bildquelle: Bundespolizeidirektion Berlin)

Verdacht auf schlechtere Bezahlung und illegale Beschäftigung

Nach dem derzeitigen Stand der Ermittlungen sollen die den Arbeitnehmenden gezahlten Löhne in einem auffallenden Missverhältnis zur tatsächlich erbrachten Arbeitsleistung gestanden haben. Im Vergleich zu deutschen Arbeitnehmenden sollen sie bei schlechteren Arbeitsbedingungen geringer bezahlt worden sein.
Von Serviceunternehmen, die die Täter mutmaßlich selbst gegründet haben, sollen Scheinrechnungen erstellt und anschließend in den aktiv tätigen Unternehmen verbucht worden sein. Hierdurch sollen extrem hohe Bargeldbewegungen und die tatsächlichen Beschäftigungsverhältnisse verschleiert worden sein.
Auf einem Bett liegen zahlreiche Euro-Geldscheine unterschiedlicher Stückelungen, ein Notizbuch, ein Mobiltelefon und ein Messer. Eine Person mit Handschuhen ist am linken Bildrand beim Schreiben zu sehen.
Bei den Durchsuchungen stellten die Einsatzkräfte unter anderem Dokumente, Mobiltelefone und weitere Speichermedien als Beweismittel sicher. (Bildquelle: Bundespolizeidirektion Berlin)
Die Arbeitnehmenden sollen zum Schein bei vermeintlichen Subunternehmen angemeldet und die Bargelder aus den betriebenen Unternehmen veruntreut sowie bestehende Buchführungspflichten verletzt worden sein.
Weiterhin sollen in kurzen Zeitabständen verschiedene Unternehmen, hier insbesondere die vermeintlichen Nachunternehmen, gegründet, wieder aufgelöst bzw. verkauft oder Anschriften über Bundeslandgrenzen hinweg verlegt worden sein. Dies erweckt den Verdacht, dass gezielt versucht worden sein könnte, die üblichen Prüfzeiträume der Steuer- und Sozialversicherungsbehörden zu unterlaufen.
Ein silberner Mercedes wird von einem Kran auf einen Abschleppwagen gehoben. Im Vordergrund steht eine Person mit Polizeiaufschrift am Ärmel.
Im Zuge der Ermittlungen ordnete das Amtsgericht Berlin-Tiergarten 50 Vermögensarreste in einer Gesamthöhe von 106 Millionen Euro an. (Bildquelle: Bundespolizeidirektion Berlin)

Vermögensarreste über 106 Millionen Euro

Das Amtsgericht Berlin-Tiergarten ordnete 50 Vermögensarreste in einer Gesamthöhe von 106 Mio. Euro an, von denen am Mittwoch eine Vielzahl vollstreckt werden konnte.
Im Zusammenhang mit den Durchsuchungen trafen die Einsatzkräfte von FKS und Bundespolizei mehrere Personen an, bei denen der Verdacht des unerlaubten Aufenthaltes und der unerlaubten Arbeitsaufnahme bestand. Es wurden insoweit gesonderte Ermittlungsverfahren gegen diese eingeleitet.
Die Einsatzkräfte von BPOL und FKS konnten ferner im Rahmen der Durchsuchungen umfangreiches Beweismaterial sicherstellen. Darunter befinden sich unter anderem Dokumente, Speichermedien und Mobiltelefone, welche durch die Ermittlerinnen und Ermittler der gemeinsamen Ermittlungsgruppe nun ausgewertet werden.
Die zehn aufgrund eines Haftbefehls festgenommenen Beschuldigten werden den zuständigen Haftrichtern zwecks Verkündung der Haftbefehle vorgeführt.
Die Ermittlungen zum Sachverhalt und den Tatbeteiligungen dauern an.
Quelle der Polizeinachricht: Bundespolizeidirektion Berlin / Generalzolldirektion – Finanzkontrolle Schwarzarbeit

Kategorien:

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