Leverkusen – Sabotageverdacht nach Bränden an Bahnstrecke
Redaktion Polizeiticker Deutschland
Nach mehreren Bränden an Bahnanlagen zwischen Leverkusen und Langenfeld ermittelt der Staatsschutz wegen des Verdachts der Sabotage. Ein im Internet veröffentlichtes Bekennerschreiben wird geprüft, während tausende Reisende von massiven Einschränkungen im Bahnverkehr betroffen waren.
Sabotageverdacht zwischen Köln und Düsseldorf: Wer steckt hinter dem mutmaßlichen Angriff auf die Bahn?
Eine der wichtigsten Bahnverbindungen in Nordrhein-Westfalen ist nach mehreren Bränden an Bahnanlagen massiv beeinträchtigt worden. Zwischen Leverkusen-Mitte und Langenfeld wurden Signalkabel beschädigt, wodurch der Zugverkehr auf dem Streckenabschnitt zeitweise vollständig eingestellt werden musste. Die Ermittlungen führt inzwischen der Staatsschutz der Kölner Polizei.
Zusätzlich sorgt ein im Internet veröffentlichtes Bekennerschreiben für Aufmerksamkeit. Eine Gruppe mit dem Namen „Kommando Angry Birds“ beansprucht darin die Tat für sich. Ob das Schreiben tatsächlich von den Verantwortlichen stammt, ist bislang jedoch nicht bestätigt.
Zwei Brände legen wichtige Bahnstrecke lahm
Am Freitagvormittag, dem 10. Juli 2026, kam es nach Angaben der Deutschen Bahn an zwei Stellen entlang der Strecke zwischen Leverkusen und Langenfeld zu Bränden. Die Feuerwehr löschte die Feuer, dennoch wurden mehrere Signalkabel erheblich beschädigt.
Da diese Kabel für die sichere Steuerung des Zugverkehrs unverzichtbar sind, musste der Streckenabschnitt zwischen Leverkusen-Mitte und Langenfeld gesperrt werden.
Die Verbindung zählt zu den wichtigsten Bahnachsen Nordrhein-Westfalens. Täglich nutzen zahlreiche Pendler sowie Fernverkehrszüge die Strecke zwischen Köln, Düsseldorf und dem Ruhrgebiet.
Die Folgen waren erheblich: Regionalzüge wurden umgeleitet oder fielen aus, Fernverkehrszüge mussten andere Strecken nutzen und erreichten ihre Ziele teilweise mit Verspätungen von rund 30 Minuten. Mehrere Verbindungen wurden vollständig gestrichen.
Staatsschutz ermittelt wegen Verdachts der Sabotage
Nach dem bisherigen Ermittlungsstand gehen die Behörden davon aus, dass ein technischer Defekt als Ursache zunehmend unwahrscheinlich ist. Da an zwei verschiedenen Stellen Brände ausbrachen und sicherheitsrelevante Kabel beschädigt wurden, besteht der Verdacht einer vorsätzlichen Sabotage.
Die Ermittlungen werden vom Staatsschutz des Polizeipräsidiums Köln geführt. Dabei soll unter anderem geklärt werden,
- wie die Brände entstanden sind,
- ob sie gezielt gelegt wurden,
- ob ein politisches Motiv vorliegt,
- und wer für die Tat verantwortlich sein könnte.
Inzwischen prüft auch der Generalbundesanwalt, ob aufgrund eines möglichen Angriffs auf die kritische Infrastruktur eine Übernahme des Verfahrens in Betracht kommt. Eine Entscheidung hierzu wurde bislang nicht bekannt.
Die Deutsche Bahn sprach von einer vorsätzlichen Beschädigung der Bahninfrastruktur und arbeitet nach eigenen Angaben mit Hochdruck an der Reparatur der beschädigten Anlagen.
Bekennerschreiben im Internet aufgetaucht
Kurz nach dem Vorfall erschien auf der linken Internetplattform Indymedia ein Schreiben, in dem sich eine Gruppe mit der Bezeichnung „Kommando Angry Birds“ zu den Taten bekennt.
Darin behaupten die Verfasser, für die Beschädigung der Bahnstrecke nördlich von Leverkusen verantwortlich zu sein. Nach ersten Informationen ist in dem Schreiben von Brandsätzen die Rede, die an Kabelanlagen deponiert worden seien.
Als Motivation nennen die Autoren eine grundsätzliche Ablehnung technologischer und industrieller Entwicklung. Die Sabotage wird darin mit ideologischen Argumenten begründet.
Die Polizei bestätigte, dass ihr das Schreiben bekannt ist. Ob es tatsächlich von den Tätern stammt oder lediglich nachträglich veröffentlicht wurde, ist derzeit Gegenstand der Ermittlungen.
Ist „Kommando Angry Birds“ bereits bekannt?
Der Name „Kommando Angry Birds“ tauchte bereits in der Vergangenheit in Zusammenhang mit Bekennerschreiben zu Angriffen auf Bahn- und Energieanlagen auf.
Nach Einschätzungen von Sicherheitsbehörden werden diese Veröffentlichungen dem militanten linksextremistischen Spektrum zugerechnet. Zudem bestehen Überschneidungen zu der Kampagne „Switch Off – the system of destruction“, unter deren Namen wiederholt Sabotageakte gegen Infrastruktur propagiert wurden.
Ob zwischen früheren Fällen und den aktuellen Ereignissen tatsächlich personelle oder organisatorische Verbindungen bestehen, ist bislang jedoch nicht nachgewiesen und wird nun von den Ermittlern geprüft.
Warum beschädigte Signalkabel den Bahnverkehr lahmlegen
Signalkabel gehören zu den sicherheitsrelevanten Bestandteilen der Bahninfrastruktur. Über sie werden unter anderem Signale, Weichen und weitere technische Anlagen gesteuert.
Bereits die Beschädigung einzelner Kabel kann dazu führen, dass der Zugverkehr aus Sicherheitsgründen eingestellt werden muss. Solange die Technik nicht vollständig repariert und anschließend geprüft wurde, dürfen Züge den betroffenen Streckenabschnitt nicht regulär befahren.
Die Reparaturen sind häufig aufwendig, da beschädigte Leitungen ersetzt, sämtliche Anlagen getestet und anschließend wieder sicher in Betrieb genommen werden müssen.
Tausende Reisende betroffen
Die Sperrung der Strecke führte zu erheblichen Einschränkungen im Regional- und Fernverkehr.
Pendler mussten auf andere Verbindungen ausweichen, zahlreiche Züge wurden umgeleitet oder fielen vollständig aus. Auch ICE- und Intercity-Verbindungen zwischen Köln, Düsseldorf und dem Ruhrgebiet waren betroffen.
Die Deutsche Bahn kündigte unmittelbar nach dem Vorfall umfangreiche Reparaturarbeiten und anschließende sicherheitstechnische Prüfungen an. Eine Wiederaufnahme des Zugverkehrs wurde zunächst frühestens für den Samstagnachmittag in Aussicht gestellt.
Kritische Infrastruktur bleibt besonders anfällig
Der Vorfall verdeutlicht, wie empfindlich zentrale Teile der Bahninfrastruktur auf Beschädigungen reagieren können.
Das deutsche Schienennetz umfasst Tausende Kilometer Gleise sowie zahlreiche frei zugängliche technische Anlagen wie Kabelkanäle, Stellwerke und Signale. Eine vollständige Überwachung aller Bereiche ist praktisch kaum möglich.
Gleichzeitig können bereits vergleichsweise begrenzte Beschädigungen erhebliche Auswirkungen auf den Bahnverkehr haben und tausende Reisende betreffen.
Vor diesem Hintergrund dürfte erneut die Frage diskutiert werden, wie kritische Infrastruktur künftig besser geschützt und Ausfälle schneller behoben werden können.