Sven Hollstein seit 1985 vermisst – Neue Ermittlungen im Cold Case
Redaktion Polizeiticker Deutschland
Sven Hollstein war sechs Jahre alt, als er 1985 in Ludwigshafen spurlos verschwand. Ein Verdächtiger wurde später angeklagt, aber freigesprochen. Mehr als 41 Jahre danach sucht die Polizei in dem Cold Case weiterhin nach Hinweisen.
Seit 1985 spurlos verschwunden: Polizei sucht erneut nach Sven Hollstein
Mehr als 41 Jahre nach dem Verschwinden des sechsjährigen Sven Hollstein aus Ludwigshafen ist noch immer ungeklärt, was mit dem Jungen geschah. Die Kriminalpolizei führt den Fall als Cold Case mit Verdacht eines Kapitaldelikts und sucht erneut nach Zeugen. Ein Verbrechen wird ausdrücklich nicht ausgeschlossen.
Besonders ungewöhnlich: Im Laufe der früheren Ermittlungen wurde bereits ein Tatverdächtiger festgenommen und angeklagt. Das Gericht sprach ihn jedoch frei. Sven wurde bis heute nicht gefunden.
Letzte Sichtung im eigenen Wohnhaus
Am Montag, 15. April 1985, wurde Sven Hollstein gegen 16.55 Uhr zum letzten Mal gesehen.
Der damals Sechsjährige befand sich im Erdgeschoss seines Wohnhauses am Londoner Ring 9 im Ludwigshafener Stadtteil Pfingstweide. Danach verliert sich seine Spur.
Die anschließenden umfangreichen Suchmaßnahmen blieben erfolglos. Es gibt bis heute keinen bestätigten späteren Aufenthaltsort, keinen Fund seiner Kleidung und keine gesicherte Spur dazu, wohin Sven nach der letzten Sichtung gelangte.
Gerade dieser Punkt macht den Fall ungewöhnlich: Der Junge verschwand nicht auf einem längeren Schul- oder Heimweg, sondern praktisch aus seinem unmittelbaren Wohnumfeld.
So sah Sven am Tag seines Verschwindens aus
Sven war etwa 1,10 Meter groß und von schmächtiger Statur. Er hatte braune Augen sowie längere, helle, blonde und gewellte Haare.
Ein auffälliges Merkmal war ein fehlender linker Schneidezahn.
Am Tag seines Verschwindens trug er einen dunkelblauen Blouson mit imitiertem Pelzkragen und Stoffbund, darunter einen roten Pullover mit Norwegermuster. Dazu hatte er eine beige Feincordhose und dunkelblaue Turnschuhe an. Außen auf den Schuhen befand sich eine Indianerfigur.
Sven wurde am 27. Oktober 1978 geboren und war bei seinem Verschwinden sechs Jahre alt.
Ein Punkt aus dem Zusatz ist tatsächlich wichtig: Der Fall wurde ohne Leichenfund und ohne gesicherte Spur zu Sven vor Gericht gebracht. Die genaue damalige Anklage und der konkrete Grund für den Freispruch sind dagegen in der aktuellen offiziellen Fahndung nicht näher benannt. Deshalb würde ich „Tötungs- oder schweres Entführungsdelikt“, „mangels Beweisen“ und „rechtskräftig“ nicht als gesicherte Tatsachen übernehmen.
Verdächtiger angeklagt – und freigesprochen
Die Ermittlungen führten zu einem konkreten Tatverdächtigen. Der Mann wurde festgenommen und schließlich angeklagt. In dem anschließenden Strafprozess wurde er jedoch freigesprochen.
Bemerkenswert ist, dass das Verfahren geführt wurde, obwohl Sven bis heute nicht gefunden wurde. Eine Leiche wurde ebenso wenig entdeckt wie eine öffentlich bekannte konkrete Spur, die zweifelsfrei Aufschluss über sein Schicksal gegeben hätte.
Die Behörden veröffentlichen aktuell weder die Identität des früheren Angeklagten noch Einzelheiten dazu, wodurch der damalige Verdacht entstanden war, welche konkreten Beweismittel im Prozess vorgelegt wurden oder aus welchen Gründen das Gericht letztlich zum Freispruch kam.
Auch die genaue damalige Anklage wird in der aktuellen öffentlichen Fahndung nicht näher bezeichnet.
Damit konnte dem Angeklagten eine Tat nicht nachgewiesen werden. Zugleich beantwortete der Prozess die entscheidende Frage nicht: Was geschah mit Sven Hollstein und wo befindet er sich?
Polizei prüft Verdacht eines Kapitaldelikts
Der Fall wird inzwischen ausdrücklich als Cold Case unter dem Verdacht eines Kapitaldelikts geführt.
Ein Verbrechen an Sven wird von den Ermittlern weiterhin nicht ausgeschlossen. Gleichzeitig ist bis heute auch nicht geklärt, ob der Junge möglicherweise einen Unfall erlitt. Öffentlich gibt es keine gesicherte Rekonstruktion dazu, ob Sven entführt oder getötet wurde, einen Unfall hatte oder aus anderen Gründen verschwand.
Nach mehr als vier Jahrzehnten steht damit weiterhin nur fest, wann und wo Sven zuletzt sicher gesehen wurde.
Neue BKA-Kampagne bringt Fall wieder in die Öffentlichkeit
2026 rückte der Fall erneut verstärkt in den Fokus.
Das Bundeskriminalamt nahm Sven Hollstein in die Kampagne „Spurlos verschwunden“ auf. Darin werden mehrere ungeklärte Fälle von Kindern und Jugendlichen vorgestellt, die seit Jahren oder Jahrzehnten vermisst werden.
Sven ist dabei der einzige Fall aus Rheinland-Pfalz.
Die Kampagne soll insbesondere Menschen erreichen, die sich nach vielen Jahren doch noch an Beobachtungen erinnern, damals geschwiegen haben oder heute Informationen anders einordnen können.
Mehr als 40 Jahre nach seinem Verschwinden sucht die Kripo Ludwigshafen damit erneut gezielt nach Hinweisen zum Schicksal des Jungen.
Fall auch bei „Aktenzeichen XY“
Im Rahmen der erneuten Öffentlichkeitsfahndung wurde Svens Verschwinden am 7. Oktober 2026 außerdem bei „Aktenzeichen XY … ungelöst“ im ZDF vorgestellt.
Unterstützt wird die BKA-Kampagne von Moderator Rudi Cerne.
Auch mehr als vier Jahrzehnte später hoffen die Ermittler damit auf Hinweise aus dem damaligen Umfeld des Jungen oder von Menschen, die nachträglich etwas über sein Schicksal erfahren haben.
Polizei sucht auch nach verschwundener Kleidung
Von besonderem Interesse sind Personen, die Sven nach dem 15. April 1985 möglicherweise noch gesehen haben.
Die Polizei fragt außerdem ausdrücklich nach Kleidungsstücken, die zu dem Jungen gehören könnten. Gerade seine auffällige Kleidung – insbesondere der rote Norwegerpullover, der dunkelblaue Blouson mit Pelzkragen sowie die dunkelblauen Turnschuhe mit Indianerfigur – könnte auch nach vielen Jahren eine Erinnerung auslösen.
Gesucht werden ebenso Hinweise aus der damaligen Nachbarschaft und dem persönlichen Umfeld, die bislang nicht bekannt wurden oder seinerzeit als unwichtig galten.
Mehr als 41 Jahre ohne Antwort
Seit dem Nachmittag des 15. April 1985 fehlt von Sven Hollstein jede Spur.
Trotz umfangreicher Suchmaßnahmen, eines konkreten Tatverdachts und eines Strafprozesses konnte nicht geklärt werden, wo der Junge geblieben ist und ob er Opfer eines Verbrechens wurde, einen Unfall erlitt oder aus einem anderen Grund verschwand.
Hinweise nimmt die Kriminalpolizei Ludwigshafen unter der Telefonnummer 0621 / 963-23185 entgegen.
Informationen können außerdem per E-Mail an kdludwigshafen.coldcase@polizei.rlp.de oder bei jeder anderen Polizeidienststelle mitgeteilt werden.
Quelle der Polizeimeldung: Kriminalpolizei Ludwigshafen/BKA