Zwickau – Razzien gegen linksextreme Gruppe und fünf Festnahmen
Redaktion Polizeiticker Deutschland
Bei einer groß angelegten Polizeiaktion gegen das mutmaßlich linksextreme „Kollektiv Zwickau“ sind am Dienstag fünf Beschuldigte festgenommen worden. Die Ermittler werfen der Gruppierung vor, politische Gegner angegriffen und Sachbeschädigungen begangen zu haben.
Bei einer groß angelegten Razzia gegen die linksextreme Gruppierung „Kollektiv Zwickau“ hat die Polizei am Dienstagmorgen, 3. November 2026, fünf Beschuldigte festgenommen. Die Staatsanwaltschaft Dresden und das Landeskriminalamt Sachsen ermitteln gegen insgesamt zwölf Personen im Alter zwischen 18 und 36 Jahren.
Im Mittelpunkt steht der Verdacht der Bildung einer kriminellen Vereinigung. Die Beschuldigten sollen sich zusammengeschlossen haben, um ihre politischen Ziele unter anderem durch Gewalttaten gegen Andersdenkende und Sachbeschädigungen durchzusetzen.
Die Polizei durchsuchte zahlreiche Wohnungen und weitere Objekte in mehreren Bundesländern.
Ermittlungen gegen zwölf Mitglieder des „Kollektiv Zwickau“
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Dresden sollen sich die Beschuldigten im Jahr 2022 in Zwickau zu einer politischen, kommunistischen Gruppierung mit dem Namen „Kollektiv Zwickau“ zusammengeschlossen haben.
Ihr erklärtes Ziel soll es gewesen sein, regional und überregional gegen rechtsradikale und menschenfeindliche Strukturen vorzugehen.
Die Ermittler gehen davon aus, dass sich Mitglieder über mehrere Jahre hinweg zu Straftaten verabredeten. Dabei soll es insbesondere um Körperverletzungen gegen politische Gegner und Sachbeschädigungen gegangen sein.
Nach aktuelle Informationen werden der Gruppierung auch gefährliche Körperverletzungen, Raub und schwerer Landfriedensbruch zugerechnet. Bei einem der mutmaßlichen Angriffe sollen Schlagstöcke und Pfefferspray eingesetzt worden sein.
Die Ermittlungen führt das Polizeiliche Terrorismus- und Extremismus-Abwehrzentrum (PTAZ) des Landeskriminalamtes Sachsen gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft Dresden.
Vier Haftbefehle vollstreckt – Fünfter Mann greift Polizisten an
Das Amtsgericht Dresden hatte auf Antrag der Staatsanwaltschaft Haftbefehle gegen vier Beschuldigte im Alter von 22, 22, 33 und 36 Jahren erlassen.
Alle vier Männer wurden am Dienstagmorgen festgenommen.
Während einer der Durchsuchungen soll ein weiterer Beschuldigter einen Polizeibeamten tätlich angegriffen haben. Der 20-Jährige wurde daraufhin auf Anordnung der Staatsanwaltschaft vorläufig festgenommen.
Alle fünf Beschuldigten sollen noch am Dienstag dem zuständigen Ermittlungsrichter am Amtsgericht Dresden vorgeführt werden.
Durchsuchungen in Sachsen und drei weiteren Bundesländern
Zeitgleich zu den Festnahmen vollstreckte die Polizei zahlreiche Durchsuchungsbeschlüsse.
Betroffen waren Wohnungen und weitere Objekte in Zwickau, Dresden, Leipzig, Saalfeld in Thüringen sowie in Bremen und Hamburg. Rund 20 Wohnungen wurden durchsucht.
Das Landeskriminalamt Sachsen leitete die Maßnahmen. In Thüringen, Bremen und Hamburg unterstützten Einsatzkräfte der jeweiligen Landeskriminalämter die Durchsuchungen.
Zum Zeitpunkt der ersten Mitteilung am Dienstagvormittag dauerten die Maßnahmen noch an.
Verfassungsschutz beobachtet die Gruppierung
Das „Kollektiv Zwickau“ wird der linksextremistischen Szene zugerechnet. Die Gruppierung tritt unter anderem mit kommunistischen Symbolen wie Hammer und Sichel sowie dem roten Sowjetstern auf.
Im sächsischen Verfassungsschutzbericht für das Jahr 2025 wird das Kollektiv ebenfalls erwähnt.
Demnach waren zuletzt keine öffentlichkeitswirksamen Auftritte der Gruppierung mehr festgestellt worden. Als mögliche Ursache nennt der Verfassungsschutz eine frühere Polizeimaßnahme im Februar 2025.
Dem Verfassungsschutz liegen zudem Anhaltspunkte für verfassungsfeindliche Bestrebungen der Gruppierung vor.
Weitere Ermittlungen dauern an
Die Staatsanwaltschaft Dresden und das Landeskriminalamt Sachsen setzen ihre Ermittlungen gegen die zwölf Beschuldigten fort.
Im Mittelpunkt stehen die mutmaßliche Organisationsstruktur des „Kollektiv Zwickau“ sowie die Frage, welche Straftaten einzelnen Mitgliedern zugeordnet werden können.
Die Ermittlungsbehörden kündigten für den weiteren Verlauf des Dienstags zusätzliche Informationen an. Für sämtliche Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.
Quelle der Polizeinachricht: Staatsanwaltschaft Dresden und Landeskriminalamt Sachsen