Vor dem Landgericht Wuppertal hat heute der Prozess gegen drei Angeklagte begonnen. (Bildquelle: Polizei Wuppertal)
Vor dem Landgericht Wuppertal beginnt heute der Prozess gegen drei Männer nach dem mutmaßlich illegalen Waffenlager von Remscheid. Die Staatsanwaltschaft spricht von einem der größten Kriegswaffenfunde der vergangenen Jahrzehnte in Deutschland.
Remscheid/Wuppertal: Prozess um eines der größten Waffenlager Deutschlands beginnt
Vor dem Landgericht Wuppertal beginnt heute ein außergewöhnlicher Strafprozess: Drei Männer müssen sich wegen mutmaßlichen Handels mit Kriegswaffen und weiteren Verstößen gegen das Waffengesetz verantworten. Im Mittelpunkt steht ein 59-jähriger Mann aus Remscheid, in dessen Besitz Ermittler im Herbst 2025 eines der größten illegalen Waffenlager der vergangenen Jahrzehnte in Deutschland entdeckt haben sollen.
Für das Verfahren sind zunächst zehn Verhandlungstage bis zum 23. September 2026 angesetzt. Der Prozess ist öffentlich.
Sichergestellt wurden unter anderem Maschinengewehre, Handgranaten und Panzerabwehrwaffen. (Bildquelle: Polizei Wuppertal)
Angeklagt sind ein 59-jähriger Hauptbeschuldigter aus Remscheid sowie zwei mutmaßliche Mitangeklagte im Alter von 38 und 35 Jahren.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft befinden sich der 59-Jährige und der 38-Jährige weiterhin in Untersuchungshaft. Der 35-jährige Mitangeklagte ist unter Auflagen auf freiem Fuß.
Die Staatsanwaltschaft wirft den Männern Verstöße gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz und das Waffengesetz vor.
Ermittler stellten rund 300 Schusswaffen und fast 100.000 Schuss Munition sicher. (Bildquelle: Polizei Wuppertal)
Vorwurf: Illegaler Handel mit Kriegswaffen
Nach Überzeugung der Ermittler soll der Hauptangeklagte über einen längeren Zeitraum eine große Zahl scharfer Schusswaffen und Kriegswaffen gelagert und zum Verkauf angeboten haben.
Die beiden Mitangeklagten sollen ihn beim Weiterverkauf unterstützt haben. Nach Medienberichten geht die Anklage teilweise von gewerbsmäßigem Waffenhandel aus. Dafür sieht das Gesetz Freiheitsstrafen von bis zu zehn Jahren vor.
Der 59-Jährige weist den Vorwurf zurück. Nach bisherigen Angaben seiner Verteidigung habe es sich bei den Waffen um eine private Sammlung gehandelt und nicht um Handelsware.
Ein Teil des Waffenlagers war hinter Geheimtüren und Wandverkleidungen versteckt. (Bildquelle: Polizei Wuppertal)
Versteckte Waffenräume hinter Geheimtüren
Der Fall sorgte bereits im Oktober 2025 bundesweit für Aufsehen.
Bei umfangreichen Durchsuchungen entdeckten Polizei und Staatsanwaltschaft in einem Gebäude in Remscheid mehrere versteckte Räume, die hinter Geheimtüren, Wandverkleidungen und Tresoren verborgen gewesen sein sollen.
Dort stellten die Ermittler nach bisherigen Angaben rund 300 scharfe Schusswaffen sowie fast 100.000 SchussMunition sicher.
Zu den sichergestellten Waffen gehören laut den Ermittlungsbehörden unter anderem:
125 Maschinengewehre
67 Maschinenpistolen
51 Pistolen
32 Langwaffen
11 Revolver
13 Panzerabwehrwaffen
38 Handgranaten
Außerdem fanden die Ermittler weiteres militärisches Gerät sowie große Mengen Munition.
Die Staatsanwaltschaft spricht von einem der größten Waffenfunde seit Jahrzehnten. (Bildquelle: Polizei Wuppertal)
Einer der größten Waffenfunde seit Jahrzehnten
Die Staatsanwaltschaft Wuppertal ordnet den Fall als einen der größten Kriegswaffenfunde der vergangenen Jahrzehnte in Deutschland ein.
Im Verfahren soll unter anderem geklärt werden, welche Waffen tatsächlich schussfähig waren und ob einzelne Waffen umgebaut oder aus ursprünglich nicht schussfähigen Modellen funktionsfähige Schusswaffen hergestellt wurden.
Verdeckte Ermittler spielten offenbar wichtige Rolle
Eine zentrale Rolle im Verfahren dürften verdeckte Ermittlungen spielen.
Nach bisherigen Informationen sollen verdeckte Ermittler bereits vor den Durchsuchungen Kontakt zu der mutmaßlichen Tätergruppe aufgenommen und dabei Waffen – darunter Maschinenpistolen – gekauft haben. Diese Erkenntnisse gelten als wichtiger Bestandteil der Beweisführung.
Außerdem wird erwartet, dass ein belastender Zeuge beziehungsweise möglicher Kronzeuge im Laufe des Prozesses aussagen wird.
Für den Prozess sind zunächst zehn Verhandlungstage bis Ende September angesetzt. (Bildquelle: Polizei Wuppertal)
Zahlreiche Fragen noch offen
Das Gericht muss nun unter anderem klären,
ob tatsächlich ein organisierter Waffenhandel betrieben wurde,
welche Rolle die beiden Mitangeklagten spielten,
ob der Hauptangeklagte die Waffen lediglich sammelte oder gewinnbringend verkaufen wollte,
über welche Wege die Waffen beschafft und weitergegeben wurden.
Parallel dauern nach früheren Angaben der Ermittlungsbehörden weitere Untersuchungen zu möglichen Tatbeteiligten an.
Mit dem Prozess beginnt eines der umfangreichsten Waffenverfahren der vergangenen Jahre in Nordrhein-Westfalen. Bis Ende September will das Landgericht Wuppertal die zahlreichen Beweise und Zeugenaussagen auswerten und die Vorwürfe gegen die drei Angeklagten aufklären.
Quelle der Polizeinachricht: Polizei Wuppertal / Staatsanwaltschaft Wuppertal